Die Parteien begeben sich langsam in die Startpositionen. Die Wahllisten stehen, die Kandidaten werden zum Fotoshooting geladen. Was heute schon interessiert: Welche Parteien gehen an den Parlamentswahlen 2019 als Sieger hervor? Schon heute zeichnen sich klare Konturen ab – je nach dem, ob es zu Listenverbindungen kommt.

Das Rennen um einen Sitz im Ständerat dürfte wenig spannend werden: Die Bisherigen Stefan Engler (CVP) und Martin Schmid (FDP) sitzen relativ sicher im Sattel, auch die Kandidatur von SP-Dauerbrenner Jon Pult dürfte diesbezüglich wenig ändern. Auf der SP-Webseite heisst es darum auch unverblümt, dass diese Strategie aus anderen Kantonen von Erfolg gekrönt gewesen sei und zusätzliche Stimmen für die Nationalratswahlen eingebracht habe. Und tatsächlich braucht es an den NR-Wahlen voraussichtlich jede Stimme – für alle Parteien. Pult selbst musste sich nach zwei (intern knapp verlorenen) Wahlen gegen Silva Semadeni acht Jahre lang in Geduld üben und verzichtete zuletzt auch auf eine Wahl als Grossrat – er sieht seine politischen Ambitionen in Bundesbern. Der Einzug in den Nationalrat, und damit die Verteidigung des SP-Sitzes, scheint ihm gewiss. Auch CVP-Spitzenkandidat Martin Candinas sitzt sicher im Sattel. Und bei der SVP kann man davon ausgehen, dass einer der beiden Sitze – entweder jener von Magdalena Martullo-Blocher oder von Heinz Brand – «locker» verteidigt wird. Ob die SVP auch ihren zweiten Sitz im Nationalrat behaupten und ob der Engadiner BDP-Nationalrat Duri Campell seinen Platz im Parlament verteidigen kann, ist jedoch alles andere als sicher – und hängt möglicherweise von Listenverbindungen ab. Für die einen ist dies ein undemokratisches taktisches Kalkül, für die anderen ein legitimes Mittel, sich der Wahlchancen wegen mit politisch Andersdenkenden zusammenzutun. 

Mit wem macht die GLP gemeinsame Sache?

Welche Optionen sind nun denkbar? Gibt es keine Listenverbindungen, können die SVP, die SP und die CVP mit einem Sitz rechnen. Die restlichen beiden Sitze würden dann in einem Kopf-an-Kopfrennen zwischen der SVP, der BDP und der FDP – die unbedingt einen Nationalratssitz zurückerobern will – entschieden.

Ringen sich Parteien hingegen zu Listenverbindungen durch, spielt plötzlich die GLP eine wichtige Rolle. Je nachdem, ob sie eine echte Wahlchance wahrnehmen will oder nur dazu beitragen will, die Wiederwahl der beiden SVP-Kandidaten zu verhindern, präsentieren sich die Möglichkeiten für die Grünliberalen unterschiedlich: Bei einer Listenverbindung der GLP mit der FDP dürfte die FDP einen Nationalratssitz gewinnen, der fünfte Sitz würden dann wahrscheinlich die SVP und BDP untereinander ausmachen. Ähnlich die Konstellation bei einer Listenverbindung der Grünliberalen mit der BDP: Die Bündner BDP würde damit wahrscheinlich ihren Sitz im Parlament sichern, der verbliebene fünfte Sitz würde dann wahrscheinlich unter der SVP und der FDP ausgemacht.

Zusammenarbeit mit der SP?

Wollen die Grünliberalen mit ihrem Spitzenkandidaten Josias Gasser selbst eine echte Chance haben, den 2015 verlorenen Sitz zurückzuerobern, werden sie gemeinsam mit der SP und den Grünen in den Wahlkampf steigen müssen, wie GRHeute schon im letzten November berichtete. Diese Strategie führte bereits 2011 zum Erfolg. Für die beiden restlichen Sitze würde in diesem Fall ein heisser Kampf losbrechen. Chancen, dabei einen Sitz zu ergattern, hätten in diesem Fall die GLP, die SVP, die SP und die FDP. Zwei dieser Parteien würden gewinnen, zwei verlieren.

Viele Bündner Wählerinnen und Wähler sind gespannt, welche Parteien miteinander «ins Bett steigen» und wie sie sich damit positionieren. In den nächsten Wochen dürften die betroffenen Parteien ihre Entscheidungen fällen und damit für Transparenz bezüglich der Wahl-Strategien sorgen.

 

(Bild: GLP-Kandidat Josias Gasser und CVP-Kandidat Martin Candinas/Charly Bosshard)