Tourismus.Total: «Weitwandertrend stützt die lokale Infrastruktur»

Eine Trendstudie besagt, dass Urlauber 2019 immer häufiger mehrtägige Touren und Aktivitäten bevorzugen. Vielleicht hat der zurzeit hoch angesagte Individualismus zu einer gewissen Entscheidungsmüdigkeit geführt, aufgrund welcher man in den Ferientagen nicht mehr selber unterschiedliche Aktivitäten planen mag, sondern sich gerne einem mehrtägigen fertig geschnürten Erlebnis widmet. Diesem Bedürfnis kommen jedenfalls unsere etablierten Wanderpackages auf den Weitwanderwegen entgegen. Einerseits ist der Gast auf einer Weitwanderung individuell aktiv unterwegs, anderseits erhält er Annehmlichkeiten wie den Gepäcktransport, ein feines lokales Picknick für unterwegs und die Tourenplanung für jede Tagesetappe. Der Weitwanderer ist damit sozusagen «des Touristikers-Lieblingsgast», denn er ist nachhaltig unterwegs, folgt unserer konzipierten Idealwanderroute und ist im allerbesten Fall wetterbeständig, da er im Voraus gebucht hat. Darüber hinaus ist unsere Region mit den zahlreichen Talschaften, wunderbaren Wanderrouten und prächtigen Panoramen erst noch ein Weitwander-Eldorado. Zahlreiche Wanderrouten von mehreren Tagen bis Wochen durchziehen Graubünden, die Schweiz, ja sogar den ganzen Alpenbogen wie etwa die Via Alpina von Triest nach Monaco.

Bereits im Laufe der 1960er und 1970er Jahre entstanden erste durchmarkierte Routen, welche Berghütten, Täler und Orte miteinander verbanden. Es wurde damals schon erkannt, dass das Weitwandern durchaus wirtschaftliches Potenzial hat. So ist der Wanderer auf mehrtägigen Touren auch heute noch auf die lokalen Ressourcen angewiesen und wird wertvoller Nutzer der vorhandenen Infrastruktur und Angebote. Im Gegenzug erlebt er Kultur und Landschaft unverfälscht aus nächster Nähe und wird selbst zum Kenner mit Erfahrung. Weitwanderer sind sich vielleicht mit Johann Wolfgang von Goethe einig und sagen sich «Nur wo du zu Fuss warst, bist du auch wirklich gewesen». Vielleicht ist es aber auch die Suche nach authentischer Erfahrung. Denn wer weitwandert, ist auf wohltuende Weise langsam unterwegs und erlebt Natur, Landschaft und Kultur intensiver.

Auf dem Walserweg Safiental oder dem Walserweg Graubünden folgt die Wanderroute beispielsweise den Spuren der Walser auf ihrer Wanderung vom Wallis nach Graubünden und weiter bis nach Österreich. Der Walserweg Graubünden führt zum Beispiel in 23 Etappen von San Bernardino bis nach Brand im österreichischen Vorarlberg. Im Safiental wandert man auf alten Kirch-, Tal- und Säumerwegen von Versam nach Turrahus und erlebt was es damals zu bedeuten vermochte, als man zum Beispiel von Tenna über das Tenner Chrüz nach Valendas zu Fuss zur Kirche ging. Bewusst hat man sich bei der Wegführung des Walserweges Safiental und Graubünden an solche historischen Verbindungswege erinnert und diese wo nötig wieder begehbar gemacht. So kann man das Safiental heute auf 31 Kilometern in drei Tagesetappen erkunden.

Sei es der Walserweg Safiental, Walserweg Graubünden, die Via Capricorn oder Via Spluga, um nur einige zu nennen, alle haben eines gemeinsam – der Wanderer entdeckt per pedes, wohltuend langsam einmalige Natur- und Kulturlandschaften und nutzt die Infrastruktur in abgelegenen Talschaften. Für unsere Gastbetriebe sind diese Gäste ungemein wertvoll, denn sie sind auf ihren mehrtägigen Touren im Gegensatz zum Schönwetter-Weekend-Hiker auch unter der Woche unterwegs und sorgen damit für einen leichten Auslastungsausgleich. Unter der Woche haben nämlich die meisten unserer Betriebe auch während der Wanderhauptsaison durchaus noch Kapazitäten…

Dass das Weitwandern tatsächlich immer mehr Fans zu gewinnen scheint, spielt uns also sehr in die (Wander)Karten. Und wir hoffen, dass der angekündigte Trend auch im Safiental spürbar wird.

Die Tourismus-Total-Expertenrunde von GRHeute berichtet einmal wöchentlich über aktuelle Tourismusthemen für Graubünden.

Heute für Sie unverblümt und direkt von der Front: Jolanda Rechsteiner, Geschäftsführerin Safiental Tourismus.