InIndien sorgte die indische Hochzeitsfeier in St. Moritz für viel Begeisterung und keine Kontroversen. Niemand findet es dort ungerecht, dass die Superreichen sich solche Extravaganzen leisten können. Der Grossanlass wurde in den indischen Medien als schillerndes Wintermärchen portraitiert, das seinesgleichen sucht.

Einen Monat ist es her, seit in St. Moritz der Pre-Wedding Bash der indischen Ambani-Familie über die Bühne ging. Während hierzulande nicht nur der positive Werbeeffekt und die touristische Wertschöpfung diskutiert wurden, gab es allerlei kontroverse Stimmen über den Sinn und Unsinn von solchen Grossanlässen; von ökologischen Bedenken zu einem Missfallen an dem zur schau gestellten Reichtum bis hin zu Partikularinteressen («Lärm») wurde alles ins Feld geführt.

Ganz anders in Indien. Ich befand mich zu diesem Zeitpunkt gerade in Indien und verfolgte die dortige Berichterstattung. Eines vorweg: In den grossen Tageszeitungen, sozialen Medien, Webportalen und Klatschmagazinen wurde über den Pre-Wedding Bash der Ambanis berichtet – und St. Moritz und die Schweiz erhielten einen Schaufensterplatz in einer der grössten Volkswirtschaften der Welt mit einer ausnahmslos positiven Berichterstattung.

Inder stören sich in keiner Weise an dem überschwenglichen Luxus und sie stellen auch nicht die Frage der sozialen Gerechtigkeit. Das wurde mir schnell klar. Ganz im Gegenteil: Wenn der Sohn des reichsten Inders seine bildschöne Jugendliebe heiratet, welche aus einer ebenfalls sagenhaft reichen Diamantenhandelsfamilie stammt, dann ist das beinahe wie der Stoff eines Bollywood-Films. Dass sich das Paar an ihrem wichtigsten Tag jede Extravaganz leistet, gehört ganz selbstverständlich dazu. Nichts Geringeres wird erwartet, als eine never-seen-before affair. Mit einer Art bewundernder Wertschätzung wurden die Anzahl Gäste (500 – 850), Vermutungen über die Kosten der Party (ca. 100 Millionen Dollar), das Vermögen von Bräutigamsvater Mukesh Ambani (ca. 40 Milliarden Dollar) und die verschiedenen Attraktionen der Winterchilbi aufgelistet. Das Magazin India Today berichtete sogar bewundernd, dass am Party-Weekend das teuerste Zimmer im Badrutt’s Palace 4’343 USD kostete  und das günstigste 1’385 USD. Mit einem BIP von 1600 USD pro Kopf und Jahr sind die allermeisten Inder sehr weit davon entfernt, sich so etwas leisten zu können. Umso mehr erstaunt, dass sich niemand in Indien über das opulente Fest aufregte.

Von besonderem Interesse waren in den indischen Medien natürlich die Gästeliste und die ausgefallenen Garderoben der Teilnehmenden:  Bollywood-Stars und allerlei Prominenz zeigten sich an den drei Tagen in wechselnden Garderoben von aufwändig bestickten, glitzernden exotischen Prachtsgewändern und die Bilder wurden in den indischen Medien in Bildstrecken ausgiebig gezeigt. Unzählige Beiträge in den sozialen Medien – zum Teil von den Gästen direkt aus St. Moritz gepostet – machten die Runde. Einen Eindruck kann man sich unter dem Hashtag des jungen Paars verschaffen: #akustoletheshlo

Hochzeitsfeier St.Moritz

Interessant war auch der Aspekt, dass der Bräutigamsvater Mukesh Ambani bereits eine Beziehung zur Schweiz hatte: Er hat bereits mehrfach am WEF in Davos teilgenommen. Nebst diesen offenbar positiven Erfahrungen dürfte auch das exklusive Champanger-Image dazu beigetragen haben, dass die Wahl auf St. Moritz fiel. Denn reiche Inder haben kein Problem damit, ihren Reichtum zu zeigen.

Sich willkommen zu fühlen, ist als Gast zentral. Gemeindepräsident Christian Jott Jenny hat mit seinen begeisterten Aussagen einen Nerv getroffen und wurde in verschiedenen indischen Medien zitiert. 

So zum Beispiel, nachdem der Jahrmarkt für einige einheimische Besucher geöffnet wurde: «I have never seen so many happy faces, it’s my best 2 hours till now.». Und zum Fest generell angesprochen: «This was something that used to happen in the good old times, but probably now we’ll have more of these good old times.» Diese in Worte gefasste Entzückung fand positive Resonanz in den indischen Medien und wurde aufgefasst als Ausdruck einer wertschätzenden Willkommenskultur.

Zurück in Graubünden werde ich das Gefühl nicht ganz los, dass wir uns im Tourismus hin und wieder das Leben selber schwer machen und allzu leichtfertig Kritik üben. Solche top Anlässe wie die Ambani-Party sind eine tolle Chance für unseren Tourismus, der schwierige Jahrzehnte hinter sich hat. Sie bringen Wertschöpfung und nebenbei kostenlose Werbung, die auch mit einem riesigen Marketing-Budget so nicht zu haben wären.

Die Tourismus-Total-Expertenrunde von GRHeute berichtet und kommentiert einmal wöchentlich über aktuelle Tourismusthemen für Graubünden.

Heute für Sie unverblümt und direkt von der Front: Brigitte Küng, Projektleiterin, Macherin und Strategieberaterin bei Hanser Consulting AG, Chur.

(Bilder: Screenshots Instagram)