Für den HCD schlägt die Stunde der Wahrheit – die Prognose

 

 

 

Ab heute Abend um 20 Uhr gehts für den HC Davos in der Vaillant Arena ums Überleben: In der Playout-Serie gegen die Rapperswil/Jona Lakers kämpfen die Bündner um den Ligaerhalt. Die Prognose.

 

Gewinnt der HC Davos die Playout-Serie, ist der Ligaerhalt nach einer erschöpfenden Saison – unter anderem mit dem Rücktritt der Legende Arno del Curto – geschafft und man kann sich auf die nächste Saison konzentrieren, bei der Davos besser aufgestellt scheint als im vergangenen Winter. Verlieren die Bündner hingegen die Serie gegen Rapperswil, dann haben sie noch eine letzte Chance im Überlebenskampf: In der Best-of-7-Ligaqualifikation müssten sie sich dann gegen den vor Selbstvertrauen strotzenden Meister der Swiss League (früher NLB) bestehen. Im Final – ebenfalls ab heute – stehen dort La Chaux-de-Fonds und Langenthal. Keine Frage, will sich der HCD um keinen Preis auf diese Zitterpartie einlassen und den NLA-Aufsteiger aus Rapperswil/Jona in die «Alles-oder-Nichts»-Serie schicken.

Momentum

Auf dem Papier ist der Traditionsverein aus Davos sicher leicht favorisiert. In der Platzierungsrunde hingegen haben die St. Galler eine bessere Figur abgegeben als die Bündner, die zuvor im neuen Jahr eine deutliche Steigerung hatten erkennen lassen. Rapperswil/Jona hat zwar die ganze Saison die rote Laterne gehalten, sich aber ruhig auf den finalen NLA-Fight vorbereitet. Ausserdem hat der HCD keine Erfahrung mit Playout-Spielen: Seit dem Wiederaufstieg in die NLA 1993 schaffte Davos bis zu dieser Saison immer die Playoffs. Die Rapperswiler hingegen kennen die Ligaqualifikation und setzten sich letztes Jahr als NLB-Meister gegen Kloten durch. Der ehemalige Davoser SCRJ-Verteidiger Timo Helbling, der in seiner Karriere schon 14 Playout-Spiele bestritten hat, gegenüber dem «Blick»: «Man darf keine negativen Gedanken zulassen, sondern muss versuchen, das grosse Ganze auszublenden… wir haben unser Spiel gefunden.» 

Fazit: Vorteile für den SCRJ.

Bisherige Spiele

In der Quali hat der HCD in dieser Saison alle vier Spiele gegen die SC Rapperswil-Jona Lakers gewonnen – 2:0 und 4:2 zuhause, 2:1 nach Penaltyschiessen und 3:1 auswärts. In der Abstiegsrunde hingegen verloren die Bündner zweimal (1:3 in Davos und 1:2 in Rapperswil). Dazu kam im Schweizer Cup im Viertelfinal 3:4-Heimniederlage nach Verlängerung gegen die Lakers. Vorteile sind da nirgendwo auszumachen.

Fazit: Unentschieden.

Goalies

Torhüter Melvin Nyffeler war einer der grossen Figuren bei «Rappis» Aufstieg letzte Saison. Auch in diesem Winter bestätigte er seine Qualitäten und hatte insgesamt eine bessere Fangquote als die Davoser Goalies Gilles Senn und Anders Lindbäck. In der Abstiegsrunde wies er gar den besten Schnitt aller Goalies auf. Senn und Lindbäck haben sich dafür im Verlauf der Saison – wie die ganze Defensive -gesteigert und dürften keinen entscheidenden Faktor darstellen.

Fazit: Leichte Vorteile für den SCRJ.

Verteidigung

HCD-Trainer Harjis Witolinsch hat dem Team seit seiner Übernahme ein solideres Defensivkonzept verpasst. Dazu ist im Verlauf der Saison mit Tomas Kundratek ein spielstarker Leader ins Team gekommen. Neben dem Tschechen sorgen die Routiniers Félicien Du Bois und der Schwede Magnus Nygren für die Stabilität, die den Jungen bis Weihnachten fehlte. Rapperswil setzt in der Defensive auf Schweizer Power, da alle Ausländerpositionen im Angriff vergeben wurden. Beide Teams kassierten diese Saison in etwa gleich viele Tore, wobei der HCD im neuen Jahr insgesamt stärker wurde, Rappi dafür in der Platzierungsrunde defensiv etwas besser stand.

Fazit: Leichte Vorteile für Davos.

Angriff

Rappi-Topskorer Casey Wellman hat diese Saison mit 18 Saisontoren deutlich mehr gebucht als der beste HCD-Skorer Perttu Lindgren (14). Aus Davoser Sicht ist Anton Rödin im neuen Jahr und auch in der Platzierungsrunde (3 Tore und 3 Assists in 6 Spielen) richtig gut in Schuss gekommen. Entscheidend wird aber sein, ob die «grossen» Bündner Namen beim HCD eine mehrheitlich verkorkste Saison positiv abschliessen können. Mit Andres Ambühl, Enzo Corvi, Marc Wieser und Inti Pestoni ist Davos (trotz «nur» zwei Ausländern im Sturm) besser besetzt als der SCRJ. «Auch bei uns herrscht keine nervöse Stimmung. Wir sind eine junge Mannschaft, eher unbekümmert. Das hilft in dieser Situation», so Ambühl gegenüber dem Blick. Man habe die Zeit genutzt, um bestmöglich zu trainieren und sich darauf einzustellen: «Wichtig ist, an die eigenen Stärken zu glauben.» 

Fazit: Vorteile für Davos.

Coaching

Die beiden Playout-Coaches bringen viel Erfahrung in wichtigen Spielen mit: HCD-Trainer Harijs Witolinsch wurde mit Russland Olympiasieger und Weltmeister sowie KHL-Champion mit Dynamo Moskau und St. Petersburg. Rappi-Coach Jeff Tomlinson führte sein Team zurück in die National League  und war im November 2014 Cheftrainer der kanadischen Nationalmannschaft.

Fazit: Unentschieden.

Weitere Faktoren

Die HCD-Fans könnten in der Playout-Serie ein wichtiger Baustein für den Ligaerhalt sein. In Rapperswil selbst ist die Davoser Anhängerschaft traditionell (laut-)stark vertreten, so dass am Zürcher Obersee eine Wahnsinnsatmosphäre zu erwarten ist. Offen ist die Frage, ob die Davoser Fans auch in der Vaillant-Arena den nötigen Effort bringen, zumal letzte Woche ein Teil der Hardcore-Fans mit einem Stadionverbot belegt wurde. Für den HC Davos steht etwas mehr auf dem Spiel, da sie diese Serie unbedingt gewinnen wollen. Auch Rappi will natürlich siegen, für die St. Galler dürfte aber auch der Gang in die Liga-Qualifikation (noch) kein Unglück darstellen.

Fazit: Leichte Vorteile für Davos.

Tipp

Davos wird gegen Rapperswil im Angriff wie die Feuerwehr starten und gleichzeitig auf eine gesicherte Defensive setzen. Bleibt zu hoffen, dass die Bündner auch vom Wettkampfglück begünstigt werden und die nötigen Tore fallen. Einer der Schweizer Stürmer wird heute Abend in Spiel 1 den Unterschied machen.

Resultat-Tipp: HC Davos – Rapperswil/Jona Lakers 4:2.

 

 

 

(Bild: Twitter HC Davos)

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