Die FA Raetia duellierte sich mit der Papst-Elf

Die FA Raetia – die inoffizielle raetische Fussball-Nationalmannschaft – hat ein besonderes Wochenende hinter sich. In einem Freundschaftsspiel mit der Nationalmannschaft der päpstlichen National-Elf aus dem Vatikan trennten sich die Amateur-Fussballer freundschaftlich mit 2:2. Ein Erlebnisbericht.

Die Luft ist schon ein bisschen warm. Der Lärm Roms dringt über die hohen Mauern des Vatikan bis zum Konvikt Casa Bonus Pastor herüber. Die Fussball-Auswahl Raetia ist am Vortag angereist, mit dem schnellsten Zug Italiens. Ziemlich direkt in den Vatikan. Die wackeren Tschutter aus Graubünden residieren auf vatikanischem Territorium. 

Vor etwas mehr als sieben Jahren wurde die raetische Fussball-Mannschaft ins Leben gerufen. Gründer Gimma wollte damals mit seinem FC Haldenstein gegen den Vatikan spielen. Aus dem heiligen Staate kam dann auch eine Antwort, nur offizielle Nationalmannschaften würden als Gegner akzeptiert.

Gimma reagierte, indem er mit ein paar Fussball-begeistern Freunden die Fussball Auswahl Raetia – kurz FA Raetia gründete. Am Samstag war es soweit. Auf dem Kunstrasen der Cavallieri Comombo Sportanlagen mit Blick auf den Petersdom wurde das Freundschaftsspiel der FA Raetia gegen den Vatikan angepfiffen. Als Mitglied der CONIFA, des alternativen Weltfussballverbands hatte Raetia in den letzten Jahren an den WMs in Kurdistan und Abchasien teil. Dazu kamen zahlreiche Turnierteilnahmen und Freundschaftsspiele in aller Herren Länder. 

Bevor in Rom die Fussballschuhe angezogen wurden, ging es erstmal auf Visite zur Schweizer Garde. Dank guten Freundschaften zum vatikanischen Fussball-Verband und zur Schweizer Garde von Aurelio Balbis, der guten Seele der FA Raetia, durfte die Fussball-Auswahl fernab der Massentourismus-Ströme den Vatikan besichtigen. Ein einmaliges Erlebnis für Spieler und Funktionäre.

Einzelnen Gardisten begegnete die raetische Mannschaft am Abend wieder auf dem Fussballfeld. Die Startphase für Raetia war eine Herausforderung, spielten doch einige neue Sportler in den eigenen Farben. Prompt folgte ein Pfostenschuss und die frühe 0:1-Führung für den Vatikan. Interimscoach Boris Tadic reagierte umgehend mit den nötigen Umstellungen. Raetia konnte Druck machen, viele gute Chancen herausspielen und einen Lattenschuss verbuchen. Aber es blieb beim 0:1 bis zur Pause.

Die 2. Halbzeit gehörte dann Raetia. Stammspieler Mirco Oswald traf einmal, zweimal – wunderschön, zweimal herausgespielt und gut in die Ecke platziert. Jubel im raetischen Sektor auf der kleinen Metalltribüne. Der Match blieb äusserst spannend. Gründer Gimma klebte vor Nervosität förmlich am Zaun des Matchfeldes. Eine kleine Unachtsamkeit in der raetischen Abwehr zum Schluss verwandelten die gelb-weissen Gastgeber kalt zum Ausgleich.

Schliesslich blieb es beim Spielstand von 2:2. «Mit etwas mehr Cleverness hätten wir das Spiel gewinnen können», erklärte Kapitän Mirco Oswald nach dem Spiel im Interview. Am anschliessenden Apéro, organisiert vom Vatikan, gab es aber nur zufriedene Gesichter und es wurden schon die nächsten, spannenden Begegnungen geplant.

 

(Bilder/Text: Daniel Luginbühl/zVg.)

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