Der HC Davos hat die Regular Season 2018/19 mit einem sauberen 4:1-Sieg gegen den EHC Biel beendet. Ein Blick auf die Statistik der letzten Spiele zeigt, dass auch dieses Jahr die Playoff-Quali im Grunde drin gelegen wäre. Stattdessen folgt nun die sinnlose Abstiegsrunde mit dem anschliessenden Playout-Finale gegen die Rapperswil-Jona Lakers.

Ein Blick auf die Statistik zeigt eindrücklich, wie die Bündner vor allem in den letzten zehn Spielen mächtig aufgedreht haben. Zieht man nur diese zehn Begegnungen in Betracht, läge der HCD in der National League auf dem 3./4. Platz – und dies in einer Zeit, in der fast alle Teams um die Playoff-Quali kämpften.  Stattdessen tummeln die Bündner seit langem auf dem zweitletzten Rang herum – und werden beim Blick auf die Tabelle auch dort bleiben. Die Gründe für das Davoser Scheitern in dieser Saison wurden lange und ausgiebig diskutiert, auch auf GRHeute: Bis kurz vor Weihnachten brachte Davos kein Bein vors andere, gewann nie zwei Spiele in Serie und verlor früh den Anschluss an die Strich-Teams. Die Misere endete im sofortigen Rücktritt von HCD-Coaching-Legende Arno del Curto, der beim Traditionsklub eine Schockwelle auslöste und kurze Zeit später bei seiner zweiten grossen Liebe, den ZSC Lions, anheuerte. Es ist nicht del Curtos Hockey-Jahr: Am Montagabend fiel er mit dem Zett im letzten Spiel unter den Strich und darf nun gegen seinen Ex-Klub in der Abstiegsrunde ran. Böse Zungen sagten unmittelbar nach der 2:3-Niederlage in Genf, dass AdC dieses Jahr gleich zwei Teams die Playoffs gekostet habe…

Ausländer als Sinnbild für den HCD 2018/19

Zurück zum HCD: Der Substanzverlust Ende letzter Saison war grösser als befürchtet, dazu tummelten die arrivierten Schweizer Kräfte in der ersten Saisonhälfte in einer bemerkenswerten Formkrise umher. Die ausländischen Verstärkungen schlugen sich mit Verletzungen herum, dazu erwies sich del Curtos letzter Transfer kurz vor Saisonbeginn (Goalie Anders Lindbäck) als kolossaler Faux-pas, der das Gefüge im Team mit den beiden jungen Keepern Gilles Senn und Joren van Pottelberghe ins Wanken brachte. 

Der Wechsel an der Bande brachte dann aber die erhofften Impulse. Der vor Weihnachten verpflichtete Harjis Witolinsch brachte den HCD wieder in die Spur zurück. Nicht sofort zwar, aber das konnte angesichts der Pleiteserie auch nicht erwartet werden. Dass die Bündner seither aber in keinem einzigen Spiel sang- und klanglos untergingen, ist allein schon ein gutes Zeichen -angesichts der Davoser Pleiten im Spätherbst (0:7 gegen Langnau, 3:7 gegen Biel, 0:5 gegen Ambri, 1:6 gegen Lugano, 1:8 gegen Zug, 1:6 gegen Fribourg).

Harjis Witolinschs Handschrift

Witolinsch stellte sicher, dass seine Mannen – selbst als es längst um nichts mehr ging – stolz kämpften und mit physischem, defensiv disziplinierterem Spiel auch den arrivierten Teams die Stirn boten. Dass es seit dem Jahreswechsel auch auf den Söldner-Positionen wieder funktioniert, half dabei sicher auch. Vor allem Perttu Lindgren, aber auch Anton Rödin haben ihren Torriecher wieder entdeckt. Dass gleichzeitig zahlreiche junge Spieler zu viel Eiszeit kamen, die die meisten auch nutzen konnten, dürfte für die nächsten Jahre ebenfalls nicht zu unterschätzen sein. Auch gegen Biel feierte ein junger Davoser, der 19-jährige Mischa Bleiker, bei seinem ersten NL-Einsatz gleich ein Tor.  

Kurz gesagt: Es macht wieder Spass, dem HC Davos zuzuschauen. Dass die Bündner klammheimlich auch wieder erfolgreich geworden sind, zeigt die folgende Grafik der gesammelten Punkte in dieser Saison.  Neben dem Überlebenskampf auf dem Eis trieben die HCD-Macher die Professionalisierung des Vereins in der Post-del-Curto-Ära mit der Eröffnung der Trainingshalle, der Modernisierung des Eistempels (bis 2021 abgeschlossen) sowie der Verpflichtung des Nati-Sportchefs Raeto Raffainer auch neben dem Eis weiter. Als wichtige Puzzlesteine für die kommenden Saisons gelang es dem HCD ausserdem, die einheimischen Leistungsträger Andres Ambühl und Enzo Corvi in Davos zu halten. 

Jetzt muss es nur noch mit dem Ligaerhalt klappen, dann darf man in Davos mit Fug und Recht behaupten, aus der scheinbar hoffnungslosen Situation, die noch im Dezember herrschte, das Beste herausgeholt zu haben und die Basis für eine erfolgreichere Zukunft gelegt zu haben. Bleibt zu hoffen, dass die Gelb-Blauen ihre derzeitige Pace bis zum Playout-Final gegen Rapperswil-Jona halten können.   

 

 

(Archivbild: Twitter HC Davos)