Die Theatergruppe Valendas spielt dieses Jahr Brecht: «Herr Puntila und sein Knecht Matti». Ein Stück voller Gegensätze, die ein Wechselbad von Gefühlen auslösen. Eine Theaterkritik von Alfred Bühler.

 

Bei «Herr Puntila und sein Knecht Matti» werden Sympathien mit Figuren geweckt, die sich dann doch wieder auflösen. Dafür verantwortlich ist die Hauptfigur, Herr Puntila. Oft betrunken, sinniert er vor sich hin, arrangiert und verkuppelt. Und dann hat er wieder seine nüchternen Momente, voll Klarheit und von scharfem Verstand geprägt.

Als Herr, als Mächtiger kann er sich das leisten.

Seine Umgebung macht seine Launen mit, vor allem auch sein Knecht und Chauffeur Matti. Und fast kommt es zur Verlobung mit Puntilas Tochter. Matti testet vor vielen Anwesenden auf verschiedene Arten,  ob sie wirklich für den Alltag in sehr bescheidenen Verhältnissen taugt.

Doch schliesslich sind die Unterschiede  dann doch zu gross. Und niemand der Anwesenden ist bei diesem Test eingeschritten: Der Pfarrer zieht von dannen, der Anwalt bietet auch keine Lösung. Matti verlässt schliesslich seinen Herrn, als dieser dem Alkohol abschwört, in der Überzeugung, dass Knechte nur dann ein erträgliches Leben führen können, «wenn sie erst ihre eigenen Herren sind«.

Damit ist gerade der letzte gesprochene Satz aus dem Munde des Knechtes Zugang zur Interpretation und Sinngebung: Zuerst sich selber Herr sein. Erst dann ist das Leben gut möglich.

Ein Stück, das bewegt und viele Facetten des sozialen Gefüges einer Gesellschaft aufzeigt und auch kritisiert. Die Valendaser Theatergruppe beweist, dass man auch «auf dem Land» anspruchsvolle Kulturkost geniessen kann. Die Schauspieler/-innen in Valendas leisten Grossartiges und bringen die Ideen und Gedanken dieses ganz starken Stückes zum Leuchten.

Und dahinter steht natürlich die Handschrift eines ganz Grossen: Bertold Brecht. Seine Themen sind gesellschaftlich längst noch nicht abgearbeitet. Natürlich war es eine ganz andere Zeit, doch Brecht ist zeitlos. Die Thematik «Herr-Knecht» oder «Herrin-Magd» kommt immer ins Spiel, sobald zwei oder mehrere Menschen miteinander zu tun haben.

Sie kann dann auf ganze soziale, politische und religiöse Systeme übertragen werden. Oder eher analytisch: So wie beim Knecht Matti, der sich die Frage in Bezug auf sich selbst stellt und entsprechend handelt.

Denn um die Frage, was in uns selbst Herr und was Knecht ist, kommen wir letztlich nie ganz herum.

 

Am Donnerstag, Freitag und Samstag finden drei weitere Vorstellungen von «Herr Puntila und sein Knecht statt. Infos unter www.theatergruppe-valendas.ch.

 

(Text: Alfred Bühler, Bilder: www.musikpost.ch)