Wie wurde in den letzten beiden Wochen gemault und reklamiert über die Ski-WM 2019 in Are? 

«Wie kann die FIS eine WM an ein solches Wetterloch geben?», hiess es pauschal in diversen Kommentarspalten. Besonders die Abfahrt der Männer, die bei starkem Schneefall im Nebel zu einer vermeintlichen Lotterie verkam, weckte den Unmut vieler Schweizer Kommentatoren. Und als dann in der alpinen Kombination den Slalom-Cracks, die nach der Abfahrt zwischen Platz 20 und 30 klassiert waren, die Podestplätze praktisch auf dem Silbertablett präsentiert wurden, war das Urteil bei vielen endgültig gemacht: Diese WM ist unwürdig.

Die Wahrheit sieht anders aus: Blickt man auf die WM-Siegerlisten, dann fällt auf, dass in keinem einzigen Rennen ein Überraschungssieger die Rangliste toppt. Sieht man vom Slowenen Stefan Hadalin in der Männer-Kombi ab (Silber), dann stellt man fest, dass sogar auf allen Podestplätzen in sämtlichen Rennen ausschliesslich arrivierte Favoriten die Medaillen holten. So schlecht wie die WM von vielen gemacht wurde, können die Bedingungen schlichtweg nicht gewesen sein. Und Are 2019 schrieb auch einige erinnerungswürdige Geschichten: Aksel Svindals und Lindsay Vonns emotionale Abschiede vom Skizirkus mit einer Medaille, Kris Kristofferson, der seinen Marcel Hirscher-Komplex mit Gold in der Kombination überwand, Corinne Suters Tränen und auch – tja – dass zumindest am Ende halt wieder Österreich mit einem Dreifachsieg triumphierte. 

Dass die Schweizer gerade in der Abfahrt und in der Kombination mit dem Schicksal haderten, hat zwar ihre Gründe, ist letztlich aber übertrieben. Skifahren ist nun mal ein Outdoor-Sport, bei dem Glück und Pech nahe beieinander liegen und längst nicht alle Variablen kontrolliert werden können. Dasselbe gilt für die alpinen Kombination, bei der die Slalomfahrer grundsätzlich im Vorteil sind: Oder glaubt jemand im Ernst, Luca Aerni hätte bei einer besseren Abfahrt 2017 in St. Moritz ebenfalls den WM-Titel geholt, wenn er nicht als Erster auf den Slalomhang hätte gehen können? Damals nahmen die Schweizer «Experten» die Schnee-Lotterie euphorisch und dankend mit einem Schulterzucken zur Kenntnis. Und wie war das mit der WM-Abfahrt 2017 noch mal? Die musste wegen der Malojaschlange um einen Tag verschoben und letztlich ohne den freien Fall beim Start durchgeführt werden. Selbst in der Oberengadiner Sonnenstube lässt sich das Wetter nun mal nicht kontrollieren. Und so war auch Aernis WM-Sieg in St. Moritz 2017 nicht unverdient – denn so ist Ski alpin nun mal. 

Für die Bündner Athleten fällt die WM-Bilanz leider ernüchternd aus: Mauro Caviezel machte zwar den Eindruck, mit einem Exploit auf ein Speed-Podest fahren zu können – das «Wettkampfglück war aber nicht auf der Seite des Lenzerheidners. Für Thomas Tumler, Carlo Janka, Gino Caviezel und Jasmine Flury wars eine WM zum Vergessen. Mit Sandro Simonet holte Graubünden als Ersatzfahrer im WM-Team – zumindest zu einem Bruchteil – eine Goldmedaille, viel wichtiger ist aber die Erkenntnis, dass der 23-Jährige im Slalom ein Versprechen für die Zukunft ist. 

 

 
 
(Bild: Jan M. Lundahl/Are 2019)