Anfang Februar veröffentlichte der Bündner Musiker, Rapper und Journalist Chris Bluemoon sein zweites Buch «20 Träume bis 30». In diesem wagt er sich daran, sein Leben in einem Jahr komplett auf den Kopf zu stellen und sich einige wichtige Träume zu erfüllen. Was alles geklappt hat und welche Träume Bluemoon jetzt noch hat, erfahrt ihr hier im GRHeute Interview.

GRHeute: Du wirst in wenigen Tagen 31 und hast bereits zwei Bücher geschrieben. Woher kommt deine Liebe zum Schreiben?

Chris Bluemoon: Seit ich lesen und schreiben kann, haben mich Worte immer fasziniert. Ursprünglich musste ich in der Schule ziemlich häufig Strafaufgaben schreiben, was mir vor allem bei der Rechtschreibung behilflich war und letztendlich auch ein wenig die Begeisterung für Literatur in mir weckte. Bevor ich überhaupt ein Instrument spielen konnte, hatte ich beispielsweise schon hunderte Lieder getextet, welche ich noch heute in Ordnern zu Hause archiviert habe. Das Texten auf Melodien und das Vermitteln von Inhalten standen bei mir immer höher im Kurs als die Musik an und für sich. Mit 18 entstand dann mein erster Roman namens «Das Ende der Sehnsucht», den ich in ganz kleiner Auflage meinen Freunden schenkte. Kurz vor meinem 30. wollte ich dann erstmals Nägel mit Köpfen machen und ein richtiges Buch schreiben, welches der Driftwood Verlag in Chur nun in alle Buchhandlungen stellt.  
 
Wie fühlt es sich an, ein Buch zu veröffentlichen? Ist es anders als eine CD zu veröffentlichen?

Das sind zwei total unterschiedliche Dinge. Bei den CDs habe ich über die Jahre hinweg viel Übung beim Veröffentlichen gesammelt und kann sagen, ich habe einen einigermassen konkreten Plan, wie der ganze Prozess dann ablaufen sollte. Bei einer Buchveröffentlichung im grossen Stil erkunde ich auch aktuell immer noch ein wenig Neuland, was aber auch seinen Reiz und einen grossen Lerneffekt beinhält. Das Gefühl, wenn man das fertige Produkt endlich in den Händen hält, ist es in beiden Fällen ähnlich, wobei auch hier zu sagen ist, dass es nach der 16. CD natürlich nicht wirklich das Gleiche ist, wie nach dem ersten professionell produzierten Buch. Ich bin ziemlich glücklich darüber, dass mein Verlag da viel Energie reingesteckt hat, da ich momentan beruflich recht stark eingespannt bin.  

Warum wolltest du unbedingt deine Träume veröffentlichen?

30 zu werden, war für mich immer so ein magischer Moment. Darum habe ich vorab schon mit der 3 geworben und neben der Bluemoon Musix Night an meinem Geburtstag, noch mein drittes Soloalbum veröffentlicht und das Buch zur musikalischen Laufbahn und meinem Leben in den vergangenen Jahren geschrieben. Das Dreierkonzept hat für mich echt gut funktioniert, denn so war ich in meinem Jubiläumsjahr regelmässig Thema für die Menschen in der Region und konnte auch zügig neue Projekte vorstellen und nachliefern. Zu den Träumen: Ich wollte einfach für mich herausfinden, wo ich im Leben stehe und in welche Richtung ich mich gerne weiterentwickeln würde. Deshalb begann ich damit, Sinn-Fragen für mich zu beantworten und wirklich etwas zu bewegen. Dabei war mir auch wichtig, der Gesellschaft etwas zurückgeben zu können, auch wenn es oft nur ein Tropfen auf den heissen Stein ist.

Nicht alle Träume sind wahr geworden. Enttäuscht?

Überhaupt nicht. Auch wenn ein Traum bisher noch nicht realisiert werden konnte, ist er ja nicht mit der Veröffentlichung des Buches begraben worden. Beispielsweise mit dem Rauchstopp werde ich sicher noch ein wenig länger kämpfen. Gewinnen kann man nur, wenn man es auch versucht und beim Buch waren oft auch einfach der Weg zum Traum und die damit verbundene Retrospektive interessant.

Du hast in deinem Leben schon viel erlebt. Was hat dich am meisten geprägt?

Ich denke, am meisten geprägt hat mich auf jeden Fall meine Frau Corina. Sie ist mein Sonnenschein und ist, auch wenn es etwas kitschig klingt, in schwierigen Zeiten nie von meiner Seite gewichen. Ich möchte mir nicht ausmalen, wie das vergangene Jahrzehnt verlaufen wäre ohne sie an meiner Seite. Klar, auf meinem Weg vom Verkäufer zum Journalisten gab es wichtige Mentoren, aber ohne dieses liebevolle Fundament von ihr wären viele Träume noch schneller zerplatzt als Seifenblasen.

Würdest du trotz Irr- und Umwegen nochmals alles gleich machen? Oder was würdest du ändern?

Im Nachhinein ist man immer schlauer und ich gebe es zu: Ja, ich würde gerne einiges anders machen. Zum Beispiel würde ich, wenn ich nochmals 18 wäre, direkt in den Journalismus wechseln und am MAZ in Luzern studieren. Da es aber noch keine Zeitmaschinen gibt, akzeptiere ich meine zum Teil naiven Ideen und sehe ein, dass mein umständlicher Weg mich auch ein wenig zu dem gemacht hat, was ich heute bin. Das Schreiben des Buches hat mir geholfen, mit mir selber ins Reine zu kommen und mich zugleich motiviert, voller Vorfreude in die Zukunft zu blicken.

Du gibst in deinem Buch viel Persönliches und Privates preis. Warum hast du diesen Seelen-Striptease gemacht?

Das war bei mir irgendwie immer schon so. Meine besten Texte sind meistens recht persönlich, da es nichts bringt, jemandem etwas Halbgares vorzuschwindeln. Gleichzeitig war das Buch auch eine Art Selbsttherapie, um die komischen Momente in meinem Leben richtig zu verarbeiten und mit offenem Herzen in die nächsten 30 Jahre zu starten. 

Du bist Verkäufer, Musiker, Journalist und nun auch noch Buchautor. Was von all dem ist dir am wichtigsten? Und was kommt als nächstes?

Das Verkaufen wurde schon länger zu den Akten gelegt und ist meinem Traumjob im Journalismus gewichen. Ich denke, das Schreiben wird auch in Zukunft meinen Weg bestimmen. Seit kurzem arbeite ich neben der freiberuflichen Tätigkeit beim Liechtensteinischen Vaterland auch noch frei bei der Zeitung Werdenberger & Obertoggenburger und baue gemeinsam mit Gilbert Piaser die kulturelle Onlinetageszeitung Qultur.ch auf, welche im Juni online gehen wird. Da ich nur noch bis Ende März beim Radio arbeite, bin ich momentan in der Bewerbungsphase und hoffe, bald einen neuen Tagesjob an Land ziehen zu können. Sobald dies eintrifft, finde ich sicherlich auch wieder ein wenig Muse für kulturelle Projekte. Momentan aber geniesse ich es auch einfach sehr, an kulturellen Veranstaltungen teilzunehmen und anschliessend darüber zu berichten.

Am Freitag präsentierst du dein Buch. Was erwartet die Besucherinnen und Besucher?

Es gibt eine Weltpremiere! Noch nie zuvor habe ich vor Leuten gelesen. Thomas Hobi vom Driftwood Verlag wird mir sicherlich ein paar spannende Fragen stellen und ich freue mich sehr darauf, mit vielen unbekannten und bekannten Gesichtern auf gemeinsame Träume und Visionen anzustossen.

Und was erwartest du selber von deinem Werk?

Es freut mich sehr, wenn Menschen sich mit dem Buch auseinandersetzen und so vielleicht einen Ansporn erhalten, selber ihr Glück in die Hand zu nehmen und ihr Leben in positive Bahnen zu lenken. Kommerziell wird es wahrscheinlich nicht ein mit dem Album «ZooM» vergleichbarer Erfolg, doch wenn es mir gelingt, mit dem Werk Menschen auf ihrem Weg zu begleiten und als Inspiration für eine bessere Zukunft zu dienen, bin ich der glücklichste Mensch der Welt.