Die Zukunft der alpinen Ski-Kombination steht bekanntlich auf Messers Schneide. In der vielleicht letzten WM-Kombi bei den Männern überhaupt vertreten heute gleich drei Bündner – Mauro Caviezel, Carlo Janka und Sandro Simonet – die Schweizer Nationalmannschaft (neben Weltmeister Luca Aerni und Niels Hintermann). Wir verraten, warum es heute für eine Bündner Medaille reicht – oder eben nicht.

 

1. Caviezel im erweiterten Favoritenkreis

Die Schweizer Hoffnungen ruhen in erster Linie auf Mauro Caviezel, der bereits vor zwei Jahren an der WM in St. Moritz die Bronzemedaille gewann und dieses Jahr noch eine Schippe zugelegt hat. In Wengen – in der einzigen alpinen Kombination des Winters – verpasste er das Podest als Vierter denkbar knapp. sowie mit Sandro Simonet ein Youngster, der sein erstes WM-Rennen überhaupt bestreitet.

Pro Medaille: Caviezel wird nach den ungkücklichen Speed-Rennen (Ausfall im Super-G, 9. Rang in der Abfahrt) alles auf eine Karte setzen. Der Lenzerheidner ist einer der besten Allrounder weltweit und hat mit dem dritten Platz an der WM in St. Moritz gezeigt, dass er es auch an Grossanlässen drauf hat.

Contra Medaille: Caviezel konnte seine Pace aus den Nordamerika-Rennen in Europa nicht ganz halten und stand in seiner Karriere – ausser an der WM in St. Moritz – noch nie auf einem Kombi-Podest.

 

2. Carlo Janka wie Lindsay Vonn und Aksel Lund Svindal?

Für die Schweiz startet in der Kombination auch Evergreen Carlo Janka. Der Obersaxner ist zwar noch nicht am Ende seiner grossen Karriere, die abtretenden Lindsay Vonn und Aksel Lund Svindal haben aber gezeigt, dass auch Oldies in Are ihre Träume wahr machen können.

Pro Medaille: Carlo Jankas Tage als Weltklasse-Skifahrer nähern sich zwar ihrem Ende, was der Obersaxner in seiner Karriere – auch in der Kombi – aber gezeigt hat, macht ihn an einem guten Tag mit etwas Wettkampfglück immer zu einem Podestfahrer. Schon sieben Mal stieg er an einer Weltcup-Kombi aufs Treppchen und gewann auch dreimal – zuletzt im Januar 2015 in Wengen.

Contra Medaille: Janka hatte bisher eine unglückliche Saison – und auch Weltmeisterschaft. Ausserdem hat er in bisher sieben Grossanlässen (dreimal Olympische Spiele vier WMs) in der Kombination noch nie den Sprung aufs Podest geschafft.

 

3. Sandro Simonets WM-Premiere

Nach seinem 11. Platz in der Kombi in Wengen hat sich auch Sandro Simonet einen Platz im Schweizer WM-Kombi-Team gesichert. Vom jungen Lenzerheidner darf im Grunde natürlich kein Podestplatz erhofft werden.

Pro Medaille: Sandro Simonet kann ohne Druck starten, die jugendliche Unbekümmertheit des 23-Jährigen könnte sich mit etwas (viel) Wettkampfglück aber zu einem gewaltigen Plus auswirken. Simonet ist ein guter Slalomfahrer, und wenn er den Rückstand in der Abfahrt im Rahmen hält und sich die allfällige Startnummer im Slalom als Vorteil erweist, könnte auch Simonet ein Exploit zugetraut werden – Luca Aerni hats an der WM 2017 vorgemacht.

Contra Medaille: Etwas gar viele «wenns»…

 

4. Die Statistik lügt nie

In St. Moritz holte die Schweiz 2017 mit Weltmeister Luca Aerni und Mauro Caviezel (3.) zwei Medaillen, nur die österreichische Legende Marcel Hirscher (2.) vereitelte gar einen Schweizer Doppelsieg.

Pro Medaille: Die Schweiz hat in der Allround-Disziplin traditionell ein starkes Kader zusammen. Dies allein müsste auch heuer wieder zu einer Medaille reichen.

Contra Medaille: Den absoluten Siegfahrer hat die Schweiz in der Kombi nicht. Ausserdem sind mit den Wengen-Podestfahrern, dem Österreicher Marco Schwarz und den Franzosen Victor Muffat-Jeandet und Alexis Pinturault, drei andere Athleten die Top-Favoriten. Und dann sind da ja auch noch Athleten wie Sbfahrtsweltmeister Kjetil Jansrud sowie Romed Baumann und Vincent Kriechmayr, die die bisher schwache österreichische WM-Bilanz nur zu gerne aufpolieren würden. 

 

Die Kombi-Abfahrt startet heute um 11.00 Uhr, der Slalom-Start ist für 14.30 Uhr geplant. Die Schweizer starten in die Abfahrt mit den Nummern 2 (Janka), 13 (Caviezel), 14 (Hintermann), 20 (Aerni) und 27 (Simonet).

 

WM-SERVICE

 

(Bilder: Swiss Ski/SRF)