Wer glaubt, dass am Weltwirtschaftsforum in Davos (immer noch) Business Leaders darüber sprechen, wie sie die Welt unter sich aufteilen, liegt falsch. Die grossen Herausforderungen für die Menschheit auf der Erde liegen nicht nur in wirtschaftlichen Fragen. Selten wurde dies derart klar wie dieses Jahr: So ist beispielsweise die Klimakrise keine Dekoration, sondern eines der grossen Themen des WEF 2019.  

Die Globalisierung drückt die Welt in vielen Bereichen an die Wand: Derweil die politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen bereits seit längerem deutlich sind, sind nun auch die dramatischen klimatischen Veränderungen und der rasante technologische Wandel für viele am eigenen Leib spürbar. Kein Wunder, hat WEF-Chef Klaus Schwab diese Themen ganz zuoberst auf die diesjährige Agenda gesetzt. «Die Globalisierung hat in den letzten 24,25, 50 Jahren viele Gewinner produziert – aber jetzt müssen wir uns auch um die Verlierer kümmern, um diejenigen, die von der Entwicklung zurückgelassen wurden», so der 80-Jährige WEF-Gründer. Eines der Inhalte des diesjährigen Forums sind darum beispielsweise auch psychische Krankheiten wie Depressionen und Angststörungen, die in den letzten Jahrzehnten in alarmierender Tendenz angewachsen sind. Der britische Prinz William wird dazu eine Rede halten und dabei fordern, die Unternehmen mehr in die Pflicht zu nehmen.

Der Klimawandel ist real

Bezüglich Umweltschutz bricht am WEF ebenfalls ein neues Zeitalter an: Der Klimawandel ist mittlerweile bei den meisten Unternehmen und Politikern angekommen. Nicht zuletzt durch die diversen extremen Wetterphänomene auf der ganzen Welt wurde das Thema Klimakrise in der alljährlichen WEF-Umfrage als weltweit grösstes Risiko für die Wirtschaft eruiert. Unglücklicherweise stehen die gleichzeitig immer schwieriger werdenden internationalen Beziehungen gemeinsamen Lösungen im Weg. «Der Klimawandel ist die grösste Herausforderung für die Menschheit in den letzten Tausenden von Jahren», so der bekannte 92-jährige Naturforscher David Attenborough, der am WEF den Mahnfinger heben wird, «wir stehen heute vor einem Mensch-gemachten, weltweiten Desaster.»

Ebenso eindringlich wird UNO-Generalsekretär Antonio Guterres die WEF-Teilnehmenden warnen: «Wenn wir bis 2020 nicht eine Kursänderung hinbekommen, droht uns, dass wir den Punkt erreichen, an dem wir die Entwicklung nicht rückgängig machen können.» WEF-Macher Klaus Schwab betont, dass die Globalisierung auch eine Chance für den Umweltschutz darstelle: «Aber es wird einen bisher noch nicht gesehenen Level von Zusammenarbeit und Innovation brauchen, auch von den Unternehmen ausserhalb des öffentlichen Sektors.»

«In früheren Zeiten der Globalisierung entstanden»

Wie jedes Jahr werden auch zahlreiche Inhalte mit Überschneidungen zu den Hauptthemen besprochen, zum Beispiel der weltweit steigende Populismus, der Brexit und die digitale Transformation, die die Weltwirtschaft möglicherweise auf den Kopf stellen wird. Dazu sind auch die wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten, die «in früheren Zeiten der Globalisierung entstanden sind», eines der dominierenden Themen am WEF 2019. Diese stünden der Entwicklung der Welt im Weg, so Winnie Byanyima, CEO der Oxfam, des internationalen Verbunds verschiedener Hilfs- und Entwicklungsorganisationen. Er fordert von den Wirtschaftsführern eine «neue soziale Revolution».

In Davos dabei sind dieses Jahr Regierungschefs und -mitglieder aus über 100 Ländern, Spitzenkräfte von mehr als 1000 Unternehmen und zahlreiche Repräsentanten von internationalen Organisationen, NGO, Wissenschaft und Kultur. Rund 500 Medienschaffende berichten für in- und ausländische Medien über das WEF. Die Themen werden in über 350 Sitzungen diskutiert, ein Grossteil davon kann man online und kostenlos in Webcasts miterleben. Die offizielle WEF-Webseite bietet ausführliche Vorschauen, Analysen, Forschungsberichte und anderen Lesestoff, wie man sich auch ausserhalb von Davos am weltweit wichtigsten Forum des Jahres informieren und aktiv beteiligen kann. 

 

(Bild: WEForum.org)