Nach dem gestrigen Jahresrückblick auf das Geschehen im Bündner Fussball, Unihockey, Basketball und Badminton sind nun also noch Eishockey, Volleyball und Tischtennis an der Reihe.

Bündner Eishockey zwischen Himmel und Hölle         

Die Konkurrenz für die Bündner Eishockeyaner wurde in den letzten Jahren immer härter, weil die Unterländer Clubs zumeist über wirtschaftlich bessere Voraussetzungen verfügen und scheinbar auch besser und erfolgsorientierter zusammenarbeiten.

 

Wer ist schuld am Absturz des HC Davos?

Über die sportlichen und strukturellen Probleme des HC Davos ist in letzter Zeit schon genügend debattiert und auch geschrieben worden, sodass wir uns auf zwei Aspekte beschränken können. Es ist eindrücklich, wie schnell eine Ikone wie der ehemalige HCD-Trainer Arno Del Curto, der die Geschicke des Vereins und des Schweizer Eishockeysports in den vergangenen zwei Jahrzehnten geprägt und massgeblich beeinflusst hat, in Frage gestellt und schliesslich demontiert wurde. Da scheinen einige Leute relativ schnell vergessen zu haben, welche Verdienste dieser eigenwilligen, aber durchaus integren Persönlichkeit zukommen und was Arno del Curto dafür investiert hat. Es ist erschreckend, wie kurzlebig unsere Zeit ist.

Es zeugt zudem nicht gerade von grosser Sachkenntnis, wenn es derzeit immer noch Leute und Medien gibt, die im Zusammenhang mit dem HC Davos weiterhin von den Playoffs träumen. Die Hoffnung stirbt zwar zuletzt, aber der Substanzverlust in den letzten Jahren und die momentane Verunsicherung der Mannschaft waren bzw. sind derart gross, dass es in dieser Saison realistisch gesehen eigentlich nur noch um die Wahrung der Ligazugehörigkeit gehen kann. Drücken wir den Davosern deshalb die Daumen, dass sie noch rechtzeitig die Kurve kriegen und das Schlimmste abwenden können.

 

Auch der EHC Chur steckt in der Krise

Ähnliche Probleme, einfach auf tieferem Niveau, plagen auch den EHC Chur, der in der MySports League als Schlusslicht ins neue Jahr gehen muss. Nachdem die Churer schon im Vorjahr grosse Mühe bekundet und vor allem davon profitiert haben, dass es mit dem frühzeitig distanzierten HC Université Neuchâtel eine noch schwächere Mannschaft gegeben hat, sehen sich die Steinböcke auch in der laufenden Saison erneut mit dem Problem konfrontiert, überfordert zu sein und somit nicht um den Schweizer Meistertitel der Amateure spielen zu können, sondern als Tabellenletzter in den Abstiegskampf verwickelt zu sein und ums sportliche Überleben kämpfen zu müssen.

Man scheint sich in der Vereinsführung nicht einig zu sein, in welche Richtung es kurzfristig gehen soll. Fakt ist, dass ein Abstieg in die überregionale 1. Liga keinen Beinbruch, sondern eine kleinere Katastrophe darstellen würde, sodass der Ligaerhalt wohl mit allen verfügbaren Mitteln angestrebt werden sollte. Sich nun einfach darauf zu verlassen, dass es mit dem Star Forward HC nicht zum ersten Mal einen Westschweizer Club aus finanziellen Gründen verblasen könnte, wäre wohl mehr als blauäugig.

 

Positives vom EHC Arosa und dem HC Prättigau-Herrschaft

Nachdem der EHC Arosa im Vorjahr in den Playoffs der überregionalen 1. Liga knapp vor dem Ziel gescheitert ist, haben die Verantwortlichen des Traditionsclubs alles unternommen und das Team ganz gezielt ergänzt und vor allem auch verstärkt, um nochmals einen Schritt vorwärts machen zu können. Und die Aroser sind derzeit durchwegs auf Kurs und liegen trotz einer zwischenzeitlichen Baisse auf dem zweiten Tabellenplatz. Die sportlichen Ziele des EHC Arosa sind klar definiert und man darf gespannt sein darauf, ob Marc Haueter und seine Spieler diese auch umsetzen können.

Auch der HC Prättigau-Herrschaft ist derzeit wie in der Vorsaison auf Playoffkurs, auch wenn ihm die Konkurrenz im Nacken sitzt und es bis zuletzt wohl noch einen harten Kampf absetzen dürfte. Erwartungsgemäss verspüren die Vorderprättigauer in der schwierigen zweiten Saison nach dem Aufstieg einen steifen Gegenwind, denn sie werden nun nicht mehr unterschätzt und die Gegner haben sich auch auf ihre spezielle Spielweise eingestellt. Etwas enttäuschend sind zweifellos die Zuschauerzahlen in der allerdings auch sehr frostigen Atmosphäre der Eishalle Grüsch, denn der HC Prättigau-Herrschaft könnte schon etwas mehr Unterstützung gebrauchen. Vielleicht bessert sich die Situation ja auch noch.

 

Engadiner Clubs mit unterschiedlichen Ambitionen

Unterschiedliche Ziele verfolgen in der regionalen 2. Liga sicher auch der EHC St. Moritz und der Club da Hockey Engiadina, denn während die Oberengadiner in den Kampf um den Gruppensieg involviert sind und die Playoffqualifikation beinahe gesichert haben, sind die Unterengadiner zwar noch nicht ganz durch, weisen aber immerhin fünf Punkte Vorsprung auf den EHC Schaffhausen auf, der gegenwärtig unter dem Strich platziert ist.

Im Jahr nach dem Abstieg aus der regionalen 2. Liga ist der EHC Lenzerheide-Valbella auf gutem Weg, die Aufstiegsspiele bestreiten zu können, sind die Heidner doch momentan Tabellenzweiter. In der Südbündner 3. Liga-Gruppe streiten sich derzeit mit dem HC Zernez, dem EHC Samedan, dem SC Celerina und dem HC Albula noch vier Teams um die Teilnahme an den Aufstiegsspielen. Punktelos ist dagegen noch der HC Silvaplauna-Segl.

 

Stagnation im Bündner Volleyball

Nachdem Rätia Volley am Ende der letzten Saison sang- und klanglos aus der nationalen 1. Liga der Frauen abgestiegen ist, schaffte der VBC Chur überraschend den Aufstieg aus der regionalen 2. Liga der Männer, sodass Graubündens Volleyball auch jetzt im nationalen Geschehen vertreten ist. Ein riesiger Schock war im Frühjahr zweifellos der Rückzug des VBC Viamala Thusis aus dem Aktivbereich.    

Das Gastspiel des Männerteams des VBC Chur in der nationalen 1. Liga dürfte allerdings nur von kurzer Dauer sein, liegen die Churer doch noch sieglos am Tabellenende, sodass der Ligaerhalt in weite Ferne gerückt ist. Dafür peilt das auf diese Saison hin stark verjüngte Frauenteam von Rätia Volley, das in der regionalen 2. Liga verlustpunktlos und deshalb unangefochtener Tabellenführer ist, selbstbewusst und konsequent nicht nur den Gruppensieg, sondern wenn möglich auch den sofortigen Wiederaufstieg an.

Positiv in Szene setzen konnten sich in der Regionalliga bisher auch die beiden Frauenteams des VBC Arosa und von Volley Zizers, während diejenigen des VBC Bonaduz und des VBC Davos zu den Enttäuschungen gehören. Der Rest hat im Herbst keine allzu dicken Stricke zerrissen, zumal erstmals auch der Nachwuchs von Rätia Volley in der SM-Qualifikation vollumfänglich gescheitert ist. Auf der Minitour haben bereits die Turniere in Arosa, Trimmis und Näfels stattgefunden, wobei die eklatante Überlegenheit von Volley Näfels schon bald zu einem Problem werden könnte.

 

Nachwuchssorgen beim Tischtennis Club Chur?

Ein Wechselbad der Gefühle erlebte das in der NLC spielende Fanionteam des Tischtennis Clubs Chur, das sich wie im Vorjahr aus den drei Routiniers Beat Battaglia, Karl Stumpfecker und Dorian Muncan zusammensetzt. Drei Erfolgen stehen fünf Niederlagen gegenüber, sodass die Churer nur den vorletzten Tabellenplatz belegen und sich im Frühjahr unbedingt steigern müssen.

Verletzungspech und das zweimalige Fehlen eines Stammspielers, das jeweils durch den Einsatz des allerdings sieglosen John Flückiger kompensiert wurde, führten unter anderem dazu, dass der TTC Chur nach acht von vierzehn Begegnungen klar unter Wert platziert ist. Anscheinend fehlt der Nachwuchs, der bereit ist, in die grossen Fussstapfen der drei gestandenen Spieler zu treten.

Besser abgeschnitten haben von den dreizehn an der Meisterschaft teilnehmenden Mannschaften des TTC Chur unter anderem das viertplatzierte 2. Liga-Team, das erstplatzierte 3. Liga-Team und die in der 1. Liga O40 auf dem dritten Tabellenplatz liegenden Senioren.

 

Woran krankt der Churer Sport?

Wenn man sich die Bilanz der Churer Sportclubs im Fussball, Unihockey, Basketball, Badminton, Eishockey, Volleyball und Tischtennis zu Gemüte führt, fährt einem der Schreck in die Glieder. Sie fällt nämlich von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen geradezu vernichtend aus, wobei sich daran wohl auch in den nächsten Jahren kaum etwas ändern wird. Denn das würde voraussetzen, dass man sich mit offenkundigen Problemen auseinandersetzen und dann auch versuchen würde, sie zu lösen. Viel einfacher ist es, die Fehler irgendwo zu suchen, nur nicht bei sich selbst.

Ich habe versucht, in den letzten Monaten möglichst objektiv über das Churer Sportgeschehen zu informieren und habe mich strikt an den Tatsachen, das heisst an den Leistungen und Resultaten orientiert. Waren sie gut, habe ich das Positive hervorgehoben. Waren sie aber schlecht, habe ich mir auch das Recht herausgenommen, Kritik zu üben. Deshalb bin ich wiederholt als Nörgler und Kritiker bezeichnet worden. Hätte ich jedoch der weit verbreiteten Schönschreiberei gefrönt, wäre mein Beliebtheitsgrad zweifellos gestiegen.

Die Öffentlichkeitsarbeit einiger Churer Vereine ist beinahe inexistent, denn es wird nicht orientiert, sondern möglichst alles zurückgehalten und dadurch die Gerüchteküche angeheizt. Oftmals geht es leider nicht um die Sache, das heisst den unbedingten Erfolg im Sport, sondern um das eigene Ego. Deshalb bezweifle ich, dass sich die Situation im Churer Sport in absehbarer Zeit verbessern wird.

 

(Bild: GRHeute)

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