Es gibt Aperos und es gibt Aperos. Und dann gibt es den Zuckerbäcker – der Meister aller Aperos. Ein kulinarischer Jahresrückblick.

Nicht allen behagt das Apero-Konzept. Es sind meist viele Kohlenhydrate, man isst im Stehen und eigentlich nichts «Richtiges». Jedenfalls nichts, das die eigene Grossmutter als vollwertige Mahlzeit akzeptieren würde. Dazu gibt es oft, aber nicht immer, Rot- und Weisswein, Orangensaft und Wasser mit und ohne Kohlensäure.

Originelle Präsentation im Pfännchen und nicht alltäglichen Kombinationen am Churer Fest.

Als Journalistin gibt es Tage, da hangelt man sich von Apero zu Apero. Die innere Stimme, genährt von der Grossmutter, verspricht viele zusätzliche Sporteinheiten, die man dann doch nicht einhalten kann. Aber das sind andere Themen, die jeder mit seinem eigenen inneren Schweinehund abmachen soll.

Zurück zu den Aperos: Sie sind alle fein. Wirklich. Was ich ein bisschen gesehen habe sind Capuns im Kleinformat, Gerstensuppe aus dem Glas und ein kleines Stück Nusstorte zum Abschluss. Aber selbst da ist an der Qualität nichts zu rütteln.

Was ich letztens unglaublich mochte, waren Mini-Flammküchlein mit Äpfeln, Rosinen und Creme Fraiche, bestäubt mit einem Hauch von Zimt. Leider hab ich den Dreh nicht gefunden, wie ich das zuhause nachmachen könnte – sie waren nicht annähernd so fein wie an jenem Mittagessen. Und ob die Grossmutter das gemocht hätte, kann auch nicht abschliessend beurteilt werden.

Ein «Morgenessen» der anderen Art: Wer danach noch schlafen kann, hat verloren.

Die meisten Anbieter servieren belegte Brötli, meist in vier Teile geschnitten, manchmal in kleinen Sandwiches dargeboten. Es ist wirklich, man kann es nicht genug betonen, immer beste Qualität. Ich kann nach diesem Jahr auch gar nicht sagen, wen ich, mal abgesehen davon, dass man einem geschenkten Gaul eh nicht ins Maul schaut, am liebsten mochte.

Bis auf den einen: den Zuckerbäcker. Seine Lachsgipfeli sind einfach unerreicht. Und da passierte es, dass Arthur Bühler an einer Veranstaltung den Organisatoren ein Kompliment machte: «Das Publikum ist wirklich anständig. Es ist oft so, dass sich die Leute wie Aasgeier auf das Zeug stürzen. Hier bei ihnen gar nicht.»

Mir blieb das Lachsgipfeli halb im Mund stecken. Ich drehte mich leicht beschämt, weil ertappt, weg. Erst beim Nachhausegehen kam mir in den Sinn: Es kann wohl kaum ein grösseres Kompliment geben, als dass einem die Leute das Essen buchstäblich vom Tisch reissen. Zum Glück hab ich mir für nächstes Jahr geschworen, nur noch die Hälfte von dem zu essen, was einem angeboten wird.

(Bilder: GRHeute. Das Titelbild zeigt die Präsentation von Rahm und Zucker an der Bar der SSTH in Passugg.)