Gestern Mittwoch fand im Stadtpark in Chur ein Treffen statt, bei dem die aktuelle Lage und die Zukunft der Bündner Drogenszene thematisiert wurde.

Am Treffen dabei waren neben Vertretern der Stadtpolizei Chur auch Fachleute aus der Suchtarbeit, Direktbetroffene, engagierte Bürgerinnen und Bürger sowie Grossratsdelegierte der SP. «Wir froren eine Stunde lang bei Minusgraden, ungeschützt im Schatten. Ein alltägliches Schicksal der Randständigen in unserem Kanton», so Tobias Rettich, der mit seinem Vorstoss für eine Kontakt- und Anlaufstelle mit Konsumraum für Menschen mit Drogenabhängikeit im Grossen Rat Initiant des Projekts war.

Beim Treffen gabs Einigkeit darüber, dass Kontakt- und Anlaufstellen mit Konsumraum und Hygieneräumlichkeiten von allen Seiten gewünscht werden. Eine fachliche Betreuung zur Gewährleistung der Hygiene und der Schaffung von Sozialer Interaktion sei unabdinglich. «Wir wollen Ordnung im Park», lautete der Tenor der Stadtparkbewohnenden. «Wir haben eine Verantwortung für alle Bündner», war die Kernaussage der Bürgerinnen und Bürger. Die Fachleute konstatierten, ein erster Schritt in die richtige Richtung sei gemacht. «Ein Sparangebot, das wenig kostet, aber nicht auf die Bedürfnisse der Drogenabgängigen eingeht, ist verschenkte Liebesmüh. Ein geeignetes Konzept ist interdisziplinär zu entwickeln. Alle Betroffenen müssen die Möglichkeit bekommen, sich in die Planung miteinbringen zu dürfen», so Rettich. «Der entsprechende Auftrag an den Kanton ist erteilt, alle Beteiligten sind sich einig. Nun ist es Zeit zu handeln. Die Situation der Suchtmittelabhängigen wird durch dieses Angebot verbessert. Die Hygiene wird gesteigert, die Betroffenen und die Gesellschaft geschützt.»

Die finanziellen Kosten seien langfristig zu betrachten, auch wenn klar sei, dass dies eine Investition für den Kanton bedeuteten. «Dafür sinken die Gesundheitskosten auf Grund von Infektionen», meint Rettich, «dazu kommt, dass ausserkantonalen Konsumenten der Zugang zur Szene durch das Registrationssystem erschwert wird. Unter dem Strich profitieren alle Seiten von einer fachlich hochwertigen Betreuung und angemessen Räumlichkeiten vor Ort. Graubünden hat die Chance, in diesem Bereich einen notwendigen Fortschritt zu erzielen. Wir hoffen die Regierung packt sie am Schopf.»

(Symbolbild: GRHeute)