Wo immer ich hingehe, wird mir die Welt zumeist von Männern erklärt. Und ich habe immer weniger Lust darauf. Wo sind die Frauen?

Am 11. Geburtstag meiner Tochter wird das Frauenstimmrecht in Appenzell-Ausserrhoden 30 Jahre alt. Ich war nur wenig älter, als sie dann ist, als Frauen auch in den Landsgemeindering treten durften. Ich war drei, vier Mal dabei, bis die Landsgemeinde per Urnenabstimmung abgeschafft wurde. Ich habe die ersten Regierungsrätinnen, Alice Scherrer und Marianne Schläpfer, in den Regierungsrat und Hans-Rudolf Merz nicht in den Ständerat gewählt und ich habe dem Verkauf der Kantonalbank an die UBS zustimmen müssen.

Dass das Frauenstimmrecht ein Privileg ist, war in den Jahren bis zu meiner Volljährigkeit immer Thema. Man hatte das im Appenzellerland der späten 80er und frühen 90er immer im Kopf. Dass das nicht selbstverständlich ist, das man das einfach so darf, auch weil die Innerrhödler, denen man im Ausserrhodischen sowieso skeptisch gegenüber steht, «es» noch nicht hatten. In meiner Erinnerung gab es immer Frauen, die stark waren, die etwas zu sagen hatten. Auch wenn sie nicht Regierungsrätin waren.

Bei vielen der Diskussionen, dass Graubünden 2019 keine Regierungsrätin haben wird, fühle ich mich ins Appenzellerland der späten 80er und frühen 90er versetzt. Alles schon tausendmal gehört, alles schon tausendmal gesagt. Die Argumentationen haben sich nicht in ihrer Qualität verändert, nur die geografische Lage ist eine andere.

Die letzten drei Jahre habe ich an Medienkonferenzen oder anderen Anlässen zumeist Männern zugehört. Sie haben mir ihre Sicht der Dinge erklärt, und je länger dieser Zustand andauert, desto mehr frage ich mich: Wo verstecken sich die Frauen dieser Firma, dieser Departemente, dieser Organisation? Wissen die nicht, dass mich zumindest ihre Sicht der Dinge auch interessieren würde?

Noch 322 Mal schlafen bis zu den Nationalratswahlen

Der nächste Event steht schon vor der Türe: Die Nationalratswahlen. Noch 322 Mal schlafen, dann ist Zahltag. Bisher haben wir nur Vera Stiffler von der FDP als Frauenkandidatin und es wäre wahnsinnig cool, wenn sich nicht nur noch mehr Frauen stellen würden, sondern auch gewählt würden! Weil eben: Auch Frauen haben was zu sagen, und manchmal mehr als sie denken.

Wer jetzt kommt und sagt, das traue ich mir nicht zu, dem schlage ich die Lektüre der einzelnen Standesvertreter vor. Ja, es gibt Vorstösse, für die braucht es Fachwissen. Das man vielleicht schon hat oder sich aneignen kann. Für ganz viele braucht es nichts als eine zündende Idee am Morgen unter der Dusche und dann ein paar Mitstreiterinnen und Mitstreiter, von denen eventuell auch jemand das nötige Fachwissen hat und weiterhelfen kann.

Darum: Traut Euch! Viele fingen bei Null an. Und zum Vergleicht: Duri Campell reichte in der laufenden Legislatur einen Vorstoss, eine Motion und eine Anfrage ein und meldete sich zweimal in der Fragestunde des Bundesrates. Das ist weniger als meine Kinder während eines Mittagessens hinkriegen.

 

(Bild: GRHeute)