Kürzlich habe ich mich mit einem jungen Mann unterhalten und ihn gefragt, was ihn denn so sehr an der Politik zweifeln lässt. Er antwortete: «Politik ist ineffizient. Es könnte viel schneller zu Entscheidungen kommen. Politik machen Leute, die etwas werden wollen und meist geht es ohnehin nur um sie selbst. Politiker sind oft nicht glaubwürdig. Ich kann bei vielen Themen nicht mitreden, da ich nicht wirklich vom Fach bin. Es ist mir zu komplex. Politik schafft Probleme, wo keine sind.»

Gute Schule Graubünden. Die Doppelinitiative möchte, dass neu der Grosse Rat und damit im Falle des fakultativen Referendums die Bevölkerung über detaillierte Bildungsentwicklungen bestimmen kann. Alle könnten dann mitreden. «Politik ist ineffizient. Es könnte viel schneller zu Entscheidungen kommen.»

Selbstbestimmungsinitiative. Sie will etwas, was wir schon lange pflegen. Sie möchte es aber so sehr, dass sie Menschenrechte missachtet und Verträge, die uns schon lange sehr gute Handelsbedingungen schaffen, rückwirkend neu verhandelt werden müssen. «Politiker sind oft nicht glaubwürdig. Ich kann bei vielen Themen ohnehin nicht mitreden, da ich nicht wirklich vom Fach bin. Es ist mir zu komplex.»

Hornkuhinitiative. Sie verlangt (auf Verfassungsstufe!), dass Bauern dafür Geld erhalten, dass sie den Kühen ihre Hörner lassen. Sie verbietet nicht das Entfernen der Hörner bei Kühen. Die gleichen Bauern, die ihren Kühen die Hörner schon immer stehen lassen konnten, da ihre Voraussetzungen besser und beispielsweise ihre Höfe genügend gross sind, bekommen jetzt also plötzlich Geld. Es wird einseitig profitiert, ohne dass eine Leistung erbracht wird. «Politik schafft Probleme, wo keine sind.»

Wenn ich an den jungen Mann denke, frage ich mich, ob wir am 25. November mit unseren Entscheidungen etwas für unsere Zukunft, unsere Jugend, tun oder nicht. Ich bin überzeugt davon, dass seine Meinung von vielen anderen geteilt wird. Seine Worte sind repräsentativ für eine grosse Gruppe an jungen Menschen. Ich frage mich, ob der «gesunde Menschenverstand» vielleicht nicht doch attraktiver wäre als Worthülsen und gegenseitige Angstmacherei.

Das Politforum auf GRHeute besteht aus 14 PolitikerInnen aus Graubünden. Jeden Donnerstag nimmt eine/r zu einem aktuellen Thema Stellung, die anderen Mitglieder des Politforums können diesen Beitrag ihrerseits kommentieren.

 

(Bild: GRHeute)