Der EHC Chur empfing am Samstag in der 4. Runde der Meisterschaft der MySports League Hockey Huttwil und musste sich nach einem abwechslungsreich verlaufenen und auf gutem Niveau stehenden Spiel mit 4:6-Toren geschlagen geben. Nach der vierten Saisonniederlage verbleibt der Stadtclub mit nur einem Punkt am Tabellenende und ist somit in den nächsten Spielen schon fast zum Erfolg verdammt.

Nur gerade 518 Zuschauer fanden den Weg ins Thomas Domenig Stadion, um den ersten Auftritt der Steinböcke auf eigenem Eis zu verfolgen. Sie sahen die zwei unterschiedlichen Gesichter der Churer: Ein strahlendes, als sie ihren Gegner in der ersten Hälfte des zweiten Drittels förmlich an die Wand spielten und innert fünfeinhalb Minuten vier Tore schossen und ein nachdenkliches, weil sie den Huttwilern in der restlichen Spielzeit hinsichtlich Schnelligkeit, Genauigkeit, Körpereinsatz und Effizienz doch deutlich unterlegen waren.

Cheftrainer und Coach Konstantin Kurashev musste zwar aus verschiedenen Gründen wiederum auf zahlreiche Spieler verzichten, konnte aber immerhin drei Verteidigerpaare und vier Sturmlinien einsetzen. 

Kurzes Zwischenhoch der Churer nach Gästeführung

Im ersten Drittel diktierte Hockey Huttwil, der letztjährige EHC Brandis, das Spielgeschehen mehr oder weniger problemlos und ging in der 6. Minute durch Patrick Meyer auch absolut verdient mit 1:0-Toren in Führung. Dann passierte bis zur ersten Pause mit Ausnahme eines Pfostenschusses der Gäste nicht mehr allzu viel. Doch das sollte sich bald ändern!

Nach der ersten Eisreinigung kamen die Einheimischen wie verwandelt aus der Kabine und in der 23. Minute konnte Simon Scherrer ein Zuspiel von Dennis Ehinger zum 1:1-Ausgleich verwerten. In diesem Stil ging es weiter, denn nur gerade 19 Sekunden später traf Sebastian Roussette mit einem Slapshot von der blauen Linie zur erstmaligen Führung des EHC Chur. Nach dem Anspiel waren dann wiederum nur 9 Sekunden gespielt, bis Patrick Zahner und zwei Gästespieler jeweils für zwei Minuten auf die Strafbank wanderten. Die Platzherren konnten somit in Überzahl spielen und nützten dies in der 24. Minute durch Curdin Lampert auf idealen Querpass von Lukas Sieber zum 3:1 aus. 

Die Huttwiler waren nun völlig von der Rolle, sodass Lukas Sieber in der 28. Minute auf Pass von Siro Rutzer den nicht über jeden Zweifel erhabenen Lukas Gasser im Tor der Berner aus spitzem Winkel zum 4:1 erwischen konnte. Nach dem Timeout schienen sich die Gäste wieder gefangen zu haben und konnten in der 31. Minute durch den ungehindert durchgelaufenen Adrian Steiner auf 2:4 verkürzen. Es sollte aber noch schlimmer kommen für die Einheimischen, denn Torhüter Leon-Vincent Sarkis traf in der 35. Minute mit seinem Stock unabsichtlich einen Gegenspieler im Gesicht und erhielt dafür eine 2×2-Minuten-Strafe aufgebrummt, obwohl der Schiedsrichter kein Vergehen, sondern nur das blutige Gesicht gesehen hatte. Die Steinböcke überstanden aber die vierminütige Unterzahl, sodass das zweite Drittel mit dem Spielstand von 4:2 zu Ende ging.

Die überlegene Klasse Huttwils setzt sich durch

Die Churer schienen aber noch die vorübergehende 4:2-Führung vom letzten Mittwoch in Thun in den Köpfen zu haben, denn sie starteten nervös in die letzten zwanzig Minuten. Es dauerte dann auch nur bis zur 44. Minute, bis Patrick Meyer den Anschlusstreffer erzielt hatte. Derselbe Spieler, den die Platzherren nie in den Griff bekamen, sorgte in der 49. Minute auch für den 4:4-Ausgleich, während der EHC Chur im letzten Drittel mit Ausnahme eines Lattenschusses von Patrick Zahner kaum mehr zu nennenswerten Torchancen kam. 

Die Gäste drückten nun aufs Tempo und nützten die daraus resultierenden Fehler ihres Gegners konsequent aus. In der 52. Minute tankte sich Marco Meyer durch, während der gesamte Churer Block Spalier stand, und schoss Hockey Huttwil mit 5:4-Toren in Führung. Zweieinhalb Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit nahm Konstantin Kurashev sein Timeout und ersetzte Leon Vincent Sarkis durch einen sechsten Feldspieler. In der 59. Minute konnte aber Sandro Hain das Spiel mit seinem Emptynetter zum 6:4 endgültig zugunsten der Huttwiler entscheiden.

Der EHC Chur hatte also wieder einmal eine Führung nicht über die Zeit gebracht und stand am Schluss mit leeren Händen da. Es fehlt derzeit ganz einfach die Klasse und die Cleverness, um in solchen Situationen die Übersicht zu bewahren und einen kühlen Kopf zu behalten. Der Stadtclub hat leider nur ein halbes Drittel lang gezeigt, zu was er eigentlich fähig wäre, und hat gegen einen zweifellos starken, aber nicht unschlagbaren Gegner einen durchaus möglichen Coup verpasst. 

Am kommenden Mittwoch steht bereits das nächste Heimspiel auf dem Programm. Gast ist dann der Tabellenfünfte Star Forward, gegen den der erste Saisonsieg schon beinahe Pflicht ist, wobei der Spielbeginn im Thomas Domenig Stadion wie immer auf 20 Uhr festgesetzt ist.

   

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(Bilder: Jürg Kurath/GRHeute)