Die zwei Bündner Jürg Hartmann und Livio Wellinger machen ihre Leidenschaft für Videospiele zu einem grossen Ding im Netz. Wir haben mit ihnen über ihre neusten Projekte gesprochen und dabei einiges über die Szene erfahren.

Warum faszinieren sich zwei Erwachsene immer noch für das Gamen?

Jürg: Ich denke, man kann das Gamen nicht auf eine Altersklasse reduzieren. Gamen hat, wie jedes andere Hobby, mit Leidenschaft und Faszination zu tun. Das Alter spielt dabei kaum eine Rolle.

Livio: Sehe ich auch so. Wir sind beide damit aufgewachsen und der Reiz blieb in allen Lebensabschnitten bestehen. Und das ist gut so.

Wann entstand erstmals die Idee, das Ganze zu Streamen?

Jürg: Hier muss ich vielleicht etwas ausholen. Die Idee für den Channel entstand nie mit der Überlegung regelmässig zu Streamen. Ich habe von Beginn weg den Fokus auf Let’s Plays gelegt. Das ist ja nicht dasselbe wie Streamen. Beim Let’s Play geht es in erster Linie darum, ein Game komplett durchzuspielen und dieses Erlebnis mit Followern zu teilen, was meist auch Reaktionen mit sich bringt. Man freut sich sozusagen gemeinsam auf die nächste Folge. Für mich geht es bei Let’s Plays um den Spass und die Faszination, ein Spiel mit anderen zu teilen und gemeinsam zu erleben. Die Kommentar-Funktion von Youtube ermöglicht es darüber hinaus interaktiv zu reagieren und sich auszutauschen. Es wird zum gemeinsamen Erlebnis.

Ursprünglich war ich bei der Playstation Community als Redakteur tätig. Das war so gegen 2007. Diese Community diente als mediale Plattform speziell für Gaming-Fans. Im weitesten Sinne könnte man es mit GRHeute vergleichen, halt einfach kleiner und thematisch voll und ganz dem Gaming gewidmet. Leider stiegen mit der Zeit immer mehr Redaktoren aus, bis wir letztlich nur noch zu zweit waren. Die Möglichkeiten für immer ausgedehntere Berichterstattung nahmen hingegen stetig zu. Schliesslich musste ich mir nach neun Jahren eingestehen, dass ich dem Potenzial dieses Projektes nebst meinem regulären Job schlichtweg nicht mehr gerecht werden konnte und so wurde die Playstation Community schweren Herzens beendet.

Über die Jahre sind dadurch allerdings prägende Freundschaften entstanden. Und auch wenn letztlich jeder seinen eigenen Weg ging, besteht das Netzwerk noch heute und die gesammelten Erfahrungen eröffneten allen neue Möglichkeiten und Ideen.
Ich entschied mich dafür, den YouTube-Channel „Vifye“ aufzubauen um somit weiterhin meiner Leidenschaft, dem Gaming sowie Videoproduktion mit Let’s Plays, nachgehen zu können. Dabei war es mir wichtig, mich nicht auf ein bestimmtes Game zu fixieren. Klar, FIFA und NHL sind bestimmt meine persönlichen Highlights, habe mir jedoch stets offen gelassen auch andere Games mit ein zu binden. Ich möchte meinen Follower/Abonnenten Abwechslung bieten.

Genau diese Abwechslung bringt uns zum neuen Format „Yeti Talk“. Livio meinte eines Tages „hey, wollen wir deinen Channel nicht weiter ausbauen?“ und schlug vor, ein eigenständiges Format zu entwickeln. Da war ich sofort dabei. Mit Stolz können wir nun sagen, dass es uns gelungen ist ein Konzept auf die Beine gestellt zu haben, welches uns völlig neue Perspektiven und mehr Abwechslung für den Channel „Vifye“ insgesamt bietet. Bis jetzt ist die Resonanz schon mal sehr gut. Wir bleiben auf jeden Fall dran und werden sehen wohin es uns führt.

In welchen Spielen seid ihr ungeschlagen?

Livio: Ich bin definitiv in keinem Game ein Pro. Aber das stand für mich auch nie zur Debatte. Ich spiele aus Freude an der Sache. In gewissen Games kann ich sicher mithalten, aber ungeschlagen bin ich in keinem.

Jürg: Bei keinem! Bei mir steht nicht das Gewinnen im Vordergrund, sondern der Spass. Da gibt es keine Verlierer und keine Gewinnern. Klar ist es cool, wenn man in einem Game zu den Besten zählt. Ich zocke so derart viele unterschiedliche Spiele, da wird es schwierig in allen zu den Besten zu gehören. Was jedoch ohnehin nicht mein Ansporn ist.

Konsole oder PC?

Livio: Konsole! Ich habe zwar in der Vergangenheit auch mal kurz auf PC geswitcht. Aber von grossem Interesse war das für mich zu keinem Zeitpunkt. Als PC-Gamer hat man doch irgendwie immer das Bedürfnis, die beste Technik verbaut zu haben…was an sich auch cool ist. Sowas ist allerdings auch immer eine Frage des Geldes. Das hatte für mich nie einen Reiz. Ich will einfach nach Hause kommen, die Konsole einschalten und loslegen. Plug and Play quasi. Der technische Aspekt und die Möglichkeiten bestimmte Teile aufzurüsten war und ist mir ehrlich gesagt zu blöd. Aber das soll jeder für sich entscheiden. Nun gut, es gibt ja auch schon ein Weilchen die PS4Pro, das ist auch eine Art Verbesserung, ein Upgrade. Wenn man den passenden TV zu Hause hat, kann man so nochmals ein bisschen was aus der Konsole rausholen. Dennoch ist das Ganze bei den Konsolen sehr limitiert. Aufrüsten im eigentlichen Sinne gibt’s da nicht. Sind wir ehrlich, beim PC hört das nie wirklich auf. Trotzdem. Ich kann jeden verstehen, der lieber auf dem PC zockt.

Jürg: Jede Plattform hat seine Vor- und Nachteile. Beim PC hat man die bessere Grafik, jedoch auch das teure Nachrüsten um eben diese Leistung zu bekommen. Wie Livio sagt, die Konsolen haben mehr den Plug and Play-Charakter und ein Nachrüsten ist nicht wirklich möglich, wobei es natürlich auch immer wieder kleinere Upgrades bei den Konsolen gibt, so zum Beispiel von der PS4 auf die PS4Pro. Kurzum. Ich zocke auf allen gängigen Konsolen, sowie auch auf dem PC. Mein Favorit ist aber die PS4, nur schon, weil mir das Zocken mit dem Controller besser liegt als mit Maus und Tastatur.

Ihr wart an einer Gamemesse. Sind für die Zukunft mehr solche Aktivitäten geplant?

Jürg: Die Zürich Game Show war der Startschuss für unser Format „Yeti Talk“. Wir haben eben erst begonnen und ja, es wird bestimmt weitere Folgen über Messen und Events geben. Allerdings wollen wir uns nicht darauf beschränken. Wir versuchen das relativ breit zu halten. Seien es Reaktionen auf neue Gametrailer oder auf spezifisches Gameplay oder allgemeine Talkrunden rund ums Gaming.

Livio: Genau. Wir versuchen in naher Zukunft sicher auch Interviews mit Sportlern in Bezug auf bestimmte Games zu lancieren. Darüber hinaus werden wir anstreben Berichte über Gameentwickler etc. zu produzieren. Wir setzen uns keine Grenzen. Es kann auch sein, dass wir uns hie und da über Hardware unterhalten. Seien es neue Headsets, neue Controller und so weiter. Das hat bei uns alles Platz.

Was unterscheidet Hobbygamer von Profis?

Jürg: Danke, für diese Frage und nicht die Frage „Ist Gamen ein Sport“ 😉 Mit Profi meinst du vermutlich e-Sportler, also diejenigen, welche mit Gamen Geld verdienen und genau das ist der Unterschied. Ein „Profi“ verdient Geld mit dem was er tut und der Hobbygamer gibt Geld aus um dem Hobby nachgehen zu können.

Was braucht es um mit dem Gamen Geld zu verdienen?

Jürg: Es braucht sicher viel Freude und Leidenschaft. Dazu kommen Disziplin, Durchhaltewillen und die nötigen Skills für das Game. Eine Portion Glück um entdeckt zu werden spielt da sicherlich auch eine entscheidende Rolle.

Livio: Letztlich ist es wie bei jedem Sport…sofern du diese Frage jetzt auf den e-Sport beziehst. Man kann aber auch als Lets Player richtig gut Geld verdienen. Aber leicht ist das nicht. Auch hier braucht es Disziplin, viel Leidenschaft und enorm viel Zeit die man investieren muss. Wenn man über eine längere Zeit gute Qualität abliefert und die Followeranzahl kontinuierlich steigt, springen bestenfalls auch mal Sponsoren auf. Ab da wird’s dann auch für Let’s Player interessant.

Jürg: Als Let’s Player muss man sich permanent verbessern. Wenn ich an meine Anfänge denke und wie ich das Ganze jetzt mache, erkenne ich eine enorme qualitative Steigerung. Man kann sich nicht einfach filmen, wie man am Zocken ist, das dann auf Youtube stellen und erwarten, dass es sofort alle feiern. Unter anderem muss sich jeder Let’s Player auch mit Schnittprogrammen auseinander setzen, sich mit Technik beschäftigen, welche es braucht um überhaupt Let’s Plays produzieren zu können. Dazu kommt das Image und die Art und Weise wie man kommuniziert. Dabei erachte ich es als besonders wichtig, dass man sich selbst stets treu bleibt. Es geht nicht darum sich ein Image zu zulegen oder sich gar zu verstellen, Youtube ist nicht schauspielern. Authentizität ist enorm wichtig. Das macht alles wesentlich einfacher. Ausserdem muss man sich immer vor Augen führen, wie viel man von sich preisgibt, denn Youtube ist für alle zugänglich, also auch für den Arbeitgeber, Lehrer oder die Eltern. Dessen sollte man sich stets bewusst sein.
All das ist ein fortlaufender Lernprozess, da steckt viel Arbeit drin. Und wenn man das dann alles auf einen Nenner gebracht hat, kommen, wie Livio sagt, nicht nur die Abonnenten sondern irgendwann bestenfalls auch Sponsoren ins Spiel. Das kann einen ordentlichen Boost bedeuten. Sowohl finanziell als auch von der Reichweite her. Unter diesen Umständen kann man mit etwas Glück sogar davon leben.

Wie gross ist der Gameranteil in Graubünden?

Jürg: Leider gibt es darüber keine Studien…da man ja heutzutage auch auf dem Smartphone zocken kann ist doch irgendwie jeder ein Gamer oder eine Gamerin.

Was ist das beste Game aller Zeit und warum?

Jürg: Es gibt kaum das Game für Jedermann. Es existieren unzählige Genres in welchen es wiederum eine riesen Auswahl gibt. Für mich persönlich sind es Spieleserien wie NHL, FIFA, Call Of Duty, Tomb Raider und momentan auch Fortnite.

Livio: Sehe ich auch so, das ultimative Game existiert nicht. Bei mir sind es Serien wie Call of Duty, GTA, Resident Evil, Need For Speed um einige zu nennen. Fortnite steht bei mir aktuell auch hoch oben. Habe mich lange geweigert es an zu testen aber jetzt hat’s mich gepackt haha

Was haltet ihr von den vorherrschenden Klischees das Gamer vor allem Gammler sind und nur zu Hause vor dem Schirm sitzen?

Livio: Voll haha…nein Scherz! Ein Klischee birgt ja immer auch ein bisschen Wahrheit in sich. Aber so verallgemeinern kann man es dann auch nicht. Man kann durchaus Gamer sein und gute Sozialkontakte pflegen und dabei diversen anderen (Outdoor-) Aktivitäten nachgehen. So schlimm ist es zum Glück nicht.

Jürg: Absolut. Dieses Klischee hat vor vielleicht 20 Jahren eher noch zugetroffen. Heute muss man das differenzierter betrachten.

Livio: Unbedingt. Man muss einfach eine gute Balance finden. Und das ist möglich! Klar, Gamen ist ein Hobby, welches oft viel Zeit frisst. Irgendwie vergisst man ja auch die Zeit, wenn man gerade vertieft in einer Story ist. Ein Game zu zocken ist wie ein kleines Abenteuer durchleben, man kann dem Alltag entfliehen, den Kopf lüften. Da kann es schon mal vorkommen, dass man einen Monat lang intensiv mit einem Game beschäftigt ist. Dagegen spricht für mich nichts. Wenn es hingegen zur Sucht wird und einen völlig vereinnahmt…das ist ein anderes Thema. Darauf sollte man schon achten und das auch ernst nehmen. Wenn dadurch der Freundeskreis zu schrumpfen beginnt, man kaum mehr vor die Türe geht und sich soziale Kontakte ausschliesslich über das Online-Gaming definieren….dann ist Handeln angesagt.

Jürg: Dem schliesse ich mich an. Gerade bei Kindern ist es ratsam, dass die Eltern das gegebenenfalls thematisieren. Nicht jedes Kind das gerne zockt ist automatisch auch süchtig. Da gilt es abzuwägen, ob sich bereits eine Sucht entwickelt hat und wenn ja, wie man den Alltag etwas facettenreicher gestalten kann.

Wie sind die ersten Reaktionen auf Eure Videos?

Jürg: Mein Channel „Vifye“ besteht zum grössten Teil aus Let’s Plays, wobei die Reaktionen sehr positiv ausfallen. Dies zeigt sich anhand der steigenden Klicks, den positiven Bewertungen sowie Kommentaren zu den jeweiligen Videos und natürlich auch anhand der steigenden Abonnentenzahlen. Natürlich gibt es auch Kritik, für die ich genauso dankbar bin, solange diese konstruktiv ist. Ich nutze diese gerne um mich und meine Videos zu verbessern.

Die Reaktionen auf das erste „Yeti Talk“ Video, das neue Format mit Livio zusammen, sind durchgängig positiv. Via Instagram habe ich eine private Mitteilung erhalten, welche zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und ein Format geschaffen haben, welches so noch nicht existiert, jedoch das Bedürfnis da ist. Und diese Mitteilung ist: „Dieses 15 Minuten sind mir wie 5 Minuten vorgekommen. Macht weiter so!“ Sowas hört man als Youtuber natürlich gerne.

Wie geht es weiter mit dem Projekt? Sind weitere Ausbaupläne schon fixiert?

Jürg: Wir stehen noch ganz am Anfang mit dem Format. Dass es weiter geht steht ausser Frage. Da wir uns keine Grenzen setzen, halten wir laufend Ausschau nach Themen, die uns, sowie hoffentlich auch die Abonnenten, interessieren. Dabei haben wir schon das eine oder andere im Auge, wozu wir jedoch noch keine genaueren Angaben machen können.

Livio: Genau. Es wird so oder so weitergehen mit dem Format „Yeti Talk“. Wir denken in die Breite und versuchen zudem eine gewisse Regelmässigkeit rein zu bekommen. Wie bereits erwähnt, konzentrieren wir uns nicht nur auf Events. Wir sind so gesehen ja auch keine Journalisten, wir arbeiten autonom, haben kein Medienhaus im Rücken, welches uns Türen öffnet. Plus gibt es nebst Events genügend andere Sparten welche wir aufgreifen können, um Videos zu produzieren und genau dies werden wir tun.

Jürg: So ist es. In erster Linie sind wir noch private Content Creator. Natürlich haben wir den Wunsch, dass das Format in Zukunft als Online-Journalismus anerkannt wird. Als private Youtuber kommt man nicht immer überall rein. Berichterstattung an grossen Events setzt in der Regel eine Akkreditierung voraus, damit man da Filmen und Interviews führen darf. Das ist nicht immer ganz so einfach. Sicher ist, wir werden unsere Möglichkeiten fortlaufend prüfen.

Livio: Yup…und bis dahin erfreuen wir uns an jedem neuen Abonennten 🙂

Jürg: Genau! Falls wir Euer Interesse geweckt haben, folgt uns doch auf Youtube und Instagram um stets auf dem Laufenden zu sein. Ein nächstes „Yeti Talk“ Video folgt bald und bei den Let‘s Plays habe ich im neuen NHL soeben eine neue Saison mit dem HCD gestartet. Langweilig wird’s nicht!