Selina Bieler will hoch hinaus. Nicht nur, dass die 26-Jährige die eidg. Prüfungen zur Betriebswirtschafterin HF problemlos schaffte, sie erzielte gleich auch noch das beste Resultat aller Studierenden in der Südostschweiz.

Um dieses ausserordentliche Ergebnis zu würdigen, erhielt sie an der Diplomfeier der ibW Höhere Fachschule Südostschweiz in Chur, wo sie die dreijährige Weiterbildung absolviert hatte, auch eine entsprechende Auszeichnung. «Das hätte ich nicht erwartet, es war das Tüpfelchen auf dem i, eine schöne Überraschung», so die 26-jährige Mitarbeiterin der Graubündner Kantonalbank (GKB). Die Assistentin des Regionalleiters in Thusis war aber in erster Linie froh, das Studium erfolgreich zu Ende gebracht zu haben. «Rückblickend war es eine anspruchsvolle, strenge aber sehr lehrreiche Zeit», so die gebürtige Bonaduzerin. «Die Theorie mit der alltäglichen Praxis zu verknüpfen hilft gewisse Themen besser zu verstehen, kostet aber auch Zeit.»

«Arbeitswelt 4.0 und die Generation Y bei der GKB»

Ein Grund für die «Überzeit» war sicher auch die Diplomarbeit, welche die Studierenden im letzten Semester abliefern müssen. «Mir war es wichtig, ein sinnvolles Projekt für meine Arbeitgeberin anzugehen», erinnert sie sich. Bieler beschäftigte sich dabei mit der Frage, wie die Arbeitswelt von morgen aussehen wird. «Arbeitswelt 4.0 & Generation Y bei der GKB», so der Name der Studienarbeit, die sauber recherchiert sein und einen möglichst praktischen Nutzen aufweisen sollte. Als Fazit der Arbeit bringt sie auf den Punkt, dass zukünftig Mobilität und flexible Arbeitszeitmodelle noch an Bedeutung gewinnen würden. Die Vertiefung ins Personalwesen hat der 26-Jährigen, die in ihrer Freizeit am liebsten Outdoor-Sport betreibt («Langlaufen, Biken, Rennvelofahren»), zugesagt. Beruflich möchte Sie in den Human Resources Fuss fassen. «Ich bin davon überzeugt, dass Firmen den anstehenden Generationenwechsel nur dann meistern können, wenn die Unternehmenskultur stimmt», so Bieler. «Dabei ist Offenheit und Mut gefragt: Es würde mich reizen, ein Unternehmen diesbezüglich mitzuprägen.» Bieler windet ihrem Arbeitgeber ein grosses Kränzchen: «Die GKB versteht es dies umzusetzen. Sie hat mich während des Studiums unterstützt, war sehr offen und grosszügig, als ich den Wunsch nach dieser Weiterbildung äusserte.»

Empfehlenswert, wenn man einen KV-Abschluss mitbringt

Das eidg. anerkannte HF-Studium ist nicht spezialisiert, sondern generalistisch ausgelegt. «Ich kann das HF Betriebswirtschafts-Studium vor allem jenen empfehlen, die einen KV-Abschluss mitbringen und sich nicht ganz sicher sind, wo und ob sie sich spezialisieren wollen. Man sieht während des Studiums in die wirtschaftlichen Fachbereiche rein und bekommt ein gutes Gefühl für die einzelnen Abteilungen.» Bieler gibt aber auch zu, dass ihr nicht alle Fächer wirklich zugesagt hätten. Statistik sei beispielsweise ein Thema gewesen, das «weniger spannend» gewesen sei, lacht sie. Insgesamt aber hält sie die Erfahrung des dreijährigen Studiums an der ibW in sehr guter Erinnerung. «Wir waren eine sehr lustige Klasse. Das zweitägige Start-Seminar gleich zu Beginn war sehr wichtig – wir haben uns sofort gut kennengelernt und verstanden. Das war letztlich motivierend und wertvoll.» Das habe eine gute Harmonie in die Klasse gebracht, sagt sie: «Ich habe mich tatsächlich meist darauf gefreut, in die Schule zu gehen und die Kolleginnen und Kollegen wieder zu sehen. Vor allem das letzte halbe Jahr schweisste uns so richtig zusammen.» Kein Wunder war der Jubel gross, als die Klasse Ende Juni das Resultat der eidg. Prüfungen zu später Stunde vernahm: «Wir hatten die letzten Präsentationen hinter uns und gingen abends zusammen essen, als ein SMS von Fachvorsteher Michael Meier eintraf, in dem er uns mitteilte, dass alle Studierenden der Klasse die Prüfung bestanden hätten.» 

Ein Happy-End – nicht nur für Selina Bieler. 

 

(Bild: zVg.)