„Die Schule braucht jetzt Ruhe“ heisst es. damit soll die noch kaum begonnene Diskussion unterdrückt werden. Natürlich braucht es Ruhe. So aber wird sie nicht einkehren. Die aktuelle Einführung des neuen, nicht deklarierten Systems in unseren Schulen erzeugt zurecht Unruhe, weil die Eltern noch immer nicht wirklich wissen, worauf das Ganze hinausläuft und wie sich die Änderungen schlussendlich konkret auf das Lernen und das Wohlbefinden der Kinder auswirken. Es gibt aber Änderungen, von denen man weiss, dass sie ständige Unruhe bringen.

Den Initianten der Fremdspracheninitiative gebührt grossen Dank. Sie haben keinen Aufwand gescheut, auf einen solchen Unruheherd aufmerksam zu machen und eine Lösung anzuregen. Viele Eltern und Lehrer stellten fest, dass Primarschüler die gleichzeitig zwei ganz verschiedene Fremdsprachen lernen sollten, unproduktiv viel Lernzeit verbrauchen, dies nicht zuletzt, weil die Muttersprache als Grundlage noch nicht gefestigt ist. Für diese Feststellung braucht man keine „Erhebung“, man müsste nur damit beginnen, auf die Eltern zu hören. Dass die Sprachen Promotionsfach sind, hat den Leistungsdruck zusätzlich verstärkt und viele Notendurchschnitte gesenkt. So können weder Freude noch Interesse aufkommen. Mehr Zeit und Ruhe zur Vertiefung der Muttersprache wäre grundlegend wichtig. Eine Fremdsprache in der Primarstufe genügt. Damit könnten erste Erfahrungen im Erwerb einer Fremdsprache gemacht werden, es würde aber auch der nötige Spielraum geschaffen, sich gemeinsam im gewünschten Sinne, wertschätzend und mit Respekt dieser anderen Sprache und der damit verbundenen Kultur zu widmen. Studien zeigen, dass Sprachen in der Oberstufe effizienter gelernt werden. Es geht also lediglich darum, welche Sprache zwei Jahre später, dafür effizienter gelernt wird. Die Annahme der Initiative würde also ein grosses Stück Ruhe bringen! Es wäre ein fruchtbarer Weg, für alle Lehrer, Schüler und Schülerinnen in unserem Kanton die wertvolle Sprachenvielfalt zu pflegen und zu würdigen.

Marlies Klesse, Fanas