Anfang Juni belebte das Kunstprojekt «Begegnung» den in Vergessenheit geratenen Churer Rosenhügel. Am Freitag, 31. August, und am Samstag, 1. September 2018, kommt es nun zur zweiten «Begegnung» – und damit zur Möglichkeit, bereits Erlebtes noch einmal zu geniessen sowie Neues zu entdecken.

Textinstallationen und Performances, Klanginstallationen und Konzerte, Theaterdarbietungen und Führungen: Die erste «Begegnung» auf dem Churer Rosenhügel bot Anfang Juni ein reichhaltiges Programm. Ende August kommt es nun zur zweiten «Begegnung» auf dem Rosenhügel, der einst als Richtstätte diente, dann die erste öffentliche Parkanlage in der Ostschweiz bildete, aber in den letzten Jahrzehnten nur noch ein Schattendasein am Fusse des Churer Hausbergs «Pizoggel» fristete.

Reflexionen zu Vergangenheit und Zukunft
Auch wer bereits an der ersten «Begegnung» teilgenommen hat, wird an der zweiten «Begegnung» einiges Neues entdecken und erleben können. Der Schriftsteller Tim Krohn etwa hat für den Anlass eine zweite Textinstallation geschaffen: die Henkersgeschichte «Mundus Carnifici». Erneut zu erleben ist Tim Krohns «Mundus Moritzii», eine botanisch-literarische Exkursion in die Welt des Parkbegründers Alexander Moritzi. Unter dem Titel «Der Fall Spescha» wird der Autor Rico Tambornino die letzte Hinrichtung in Graubünden in einer Lesung aus seinem neuesten Buch schildern, woraufhin der Historiker Dr. Martín Camenisch die damalige Sicht auf Straftaten und Urteile aus verschiedenen Perspektiven erläutern wird.

Reflektiert wird während der «Begegnung» nicht nur die Geschichte des Rosenhügels, sondern auch dessen Zukunft: Harry Wolfensberger, Leiter Freiraumplanung der Stadt Chur, wird aufzeigen, wie der Park künftig erweitert und neu erschlossen wird. Neu im Programm der «Begegnung» ist auch ein Freiluftkonzert mit zwölf Bläsern der Kammerphilharmonie Graubünden: Diese lassen Wolfgang Amadeus Mozarts «Gran Partita» und Serenade Nr. 10 in B-Dur erklingen. Isabelle Kriegs Performance «Rosenkranz» erfährt zudem eine gedankliche und gesangliche Ausweitung – und zwar durch das Dresdner Gesangsquartett Treta Mominka.

Kunst auf hohem Niveau – aber frei zugänglich
Elitär geht es auf dem Rosenhügel gemäss den Veranstaltern nicht zu und her: Die zweite «Begegnung» bietet etwa ein «Picknick auf dem Hirschbühl» mit Bratwurst und Bier. Zudem ist es ein erklärtes Ziel des veranstaltenden Vereins Art-Public Chur, Kunst in den öffentlichen Raum einzubringen – und damit die Kunst und den öffentlichen Raum zur Diskussion zu stellen. Das Kunst- und Kulturschaffen, das an der «Begegnung» gezeigt wird, ist zwar hochkarätig – aber deswegen nicht exklusiv, sondern vielmehr frei zugänglich. Sämtliche Veranstaltungen der «Begegnung» sind dementsprechend kostenlos. Aufgrund der sehr begrenzten Platzzahl wird für einige Veranstaltungen allerdings eine Anmeldung unter www.begegnung-2018.ch empfohlen.

Erneut – oder auch erstmals – zu erleben ist an der zweiten «Begegnung» Luca Sisera’s Requiem «Deer Haven» für sieben Stimmen und für wundervollen Hörgenuss unter freiem Himmel. «Einblicke in den «Hortus conclusus» ermöglicht der Künstler Remo Albert Alig während einer Begehung des Rosenhügels, die zugleich ein Eintauchen in den Schaffenskosmos des Künstlers ermöglicht. Peter Conradin Zumthor wiederum sorgt für musikalische «Wirbel» im Springbrunnen auf dem Rosenhügel und bietet zusammen mit Vera Kappeler auch «halb sichtbare Konzerte für sehr wenige Personen» in der Brunnenstube der Parkanlage an. Die Kunsthistorikerin Ludmila Seifert rollt, ausgehend vom einstigen «Galgenbühel», noch einmal detailreich die Geschichte des Rosenhügels auf, und der Verein Churer Medizinalgarten bietet eine «Kräuter-Führung» an. Der Künstler Pascal Lampert wird mit «Il chapè da M.» – einer Aktion für zwei Akteure in zwei Akten – eine poetische Begehung des Rosenhügels ganz ohne gesprochene Sprache ermöglichen.

Aus der «Begegnung» werden «Begegnungen»
Die zweite «Begegnung» auf dem Rosenhügel ist übrigens nicht die letzte. Im kommenden Jahr weitet der Verein Art-Public Chur sein Engagement für die bessere Wahrnehmung und die Aufwertung der Parkanlage aus – und hat für die «Begegnungen» gleich ein Dutzend Kunstschaffende eingeladen, um ortsspezifisch bald kritische, bald reflektierende, bald witzige oder auch poetische Werke zu entwickeln.

Die zweite «Begegnung» beginnt am Freitagabend, 31. August, und dauert den ganzen folgenden
Samstag an. Detaillierte Informationen und Anmeldung unter: www.begegnung-2018.ch

 

(Bild: zVg.)