Die Stadt Chur hat ihren Masterplan Sport- und Eventanlagen Obere Au mit dem Siegerprojekt vorgestellt. Alles in allem soll das Projekt 44 Millionen Franken kosten – die die Stadt quasi aus der Portokasse bezahlt.

«Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach», sagte Stadtpräsident Urs Marti am Donnerstag vor den Medien in Chur. Das Sprichwort hatte einen lustigen Beigeschmack: Zuvor war ein kleiner Spatz ins Sitzungszimmer des Gemeinderates geflogen, hatte einen Moment innegehalten und war dann wieder aus dem Zimmer verschwunden.

Nach der kurzen, ungeplanten Showeinlage wurde es ernst: Urs Marti informierte über das Siegerprojekt des Masterplan für die Sport- und Eventanlagen Obere Au in Chur. Vier Jahre ist es her, dass das Stimmvolk das Projekt ablehnte: Zu teuer, zu überdimensioniert. Zuviel Luxus für eine Steuererhöhung, war der allgemeine Tenor.

Von Luxus kann heute keine Rede mehr sein. Das Siegerprojekt «Eisball» der HRS Real Estate sieht in einen Rasenplatz mit einer erhöhten und überdachten Tribüne vor. Es ist 1.-Liga-konform und American-Football-tauglich. Es gibt mindestens 500 überdachte und 2500 Stehplätze, 6 Mannschaftsgarderoben, 4 Schiedsrichtergarderoben und vieles mehr. «Es gibt eine top Anlage», sagte Urs Marti. «Wir wollen wieder auf einem Stand sein, für den man sich nicht schämen muss.» Das gilt auch für die neue Eishalle, die als Trainingshalle gebaut wird, weil das jetzige Hallenstadion in zehn bis zwölf Jahren sowieso erneuert werden muss. Leichtathletik soll in Chur hingegen nicht mehr statt finden, dafür will man eine neue Bahn in Landquart unterstützen.

«Eine Eishalle kostet einfach Geld»

Die Umsetzung des Masterplans kostet 44 Millionen Franken, wobei ungefähr 10 Prozent vom Kanton bezahlt werden. «Das ganze Projekt kostet die Stadt Chur weniger als 40 Millionen Franken», sagte Urs Marti. Das Geld ist in den vergangenen Jahren bereits zurück gestellt worden und zieht demnach keine Steuererhöhung nach sich. «Wir sind auf dem gleichen Stand wie vor vier Jahren, einfach mit einer bereits bezahlten Sportanlage», fasste Urs Marti die finanzielle Situation zusammen. «Wer sich bei der Ablehnung vor vier Jahren erhoffte, Millionen einsparen zu können, wird enttäuscht sein: Eine Eishalle kostet einfach Geld.» Das Siegerprojekt sei zudem zufällig auch das günstigste Projekt.

Einziger Wermutstropfen, noch immer: Die Reithalle, die bis 2023 einen Vertrag hat. Die Verhandlungen über den Abriss und die Entschädigungssumme sind immer noch im Gange. Bisher ist keine Lösung in Sicht. «Schlimmstenfalls kann das neue Stadion also erst ab 2023 gebaut werden», sagte Urs Marti. Der Stadtrat arbeite jedoch mit Hochdruck an einer Lösung.

Das Projekt kommt im November vor den Gemeinderat. Mit dem Bau des Stadions kann frühestens im vierten Quartal 2019 begonnen werden. «Der Ball liegt jetzt auf dem Penalty-Punkt. Es ist nirgends Luxus, es ist nur das Nötigste», sagte Christian Theus, Verantwortlicher der Stadt. Die Projekte können im Rathaus Chur angesehen werden.

(Bilder: GRHeute. Auf dem zweiten Bild ist das drittplatzierte Projekt «Aufstieg» zu sehen.)