Tourismus.Total: «Fünf Nationen für ein Kaninchen.»

Es ist noch früh am Morgen des 30 Juli, als die Kolonne von 60 Fahrzeugen am Bodensee über die Grenze rollt. Darunter mehrere Lastwagen und Sattelschlepper. Zahlreiche, von schweren Zugmaschinen gezogene, Trailer fahren ebenso über die Grenze in die Schweiz wie mehrere Limousinen. Insgesamt reisen über 130 Frauen und Männer aus Deutschland, der Tschechei, Frankreich, Italien und Rumänien mit dem Konvoi an. Ziel; das Bergell. Und alle sind auf der Jagd nach dem rosa Kaninchen. Dem rosa Kaninchen, das Anna 1933 auf ihrer Flucht nach Zürich in Berlin zurücklassen musste.

Die autobiografische Geschichte von Judith Kerr „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ gehört mit einer Auflage von 10 Millionen Büchern weltweit zu den wichtigsten Geschichten über Heimat, Flucht und Integration. Seit dem 17. Juli wird diese in Berlin, München, Prag, Soglio und Bodo verfilmt. Mit einem Budget von nahezu über 10 Millionen Franken eine der aufwendigsten Filmproduktionen, die je in der Schweiz realisiert wurde. Bereits im Frühjahr hat ein Location Scout von Scuol bis Bondo mehr als 10’000 Bilder von Strassen, Gassen, Häusern und Ställen gemacht. Aus dieser Flut von Bildern hat das kreative Team um die Regisseurin und Oscar Preisträgerin Caroline Link das Bergell als Drehort für den Schweizer Teil der Geschichte ausgewählt. Als den Teil im Film, den Judith Kerr als sicheren Ort, als Heimat auf ihrer langen Flucht wahrnahm.

Kulissenbauer und Patineure versetzen Bondo und Soglio zurück in die 30-iger Jahre. Dachrinnen werden abmontiert und Beschriftungen geändert. Komparsen zeitgerecht eingekleidet. Während 10 Tagen ist die Equipe in Bergell am Drehen. Dabei ist der Hollywood-Start Carla Juri (Bladerunner 2046) und der Netflix-Star Oliver Masucci (Dark). Die kleine Anna wird von der bezaubernden Riva Krymalowski gespielt. Das Bundesamt für Kultur, das Schweizer Fernsehen und das Amt für Wirtschaft und Tourismus sowie das Amt für Kultur Graubünden unterstützen, wie schon 2014 die Schellen-Ursli Filmproduktion, auch das Filmprojekt „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“.

Die Unterstützung aus dem Kanton Graubünden soll als Standortförderung angesehen werden. So sollen flankierend zum Film kulturelle Engagements entstehen, die zum touristischen und wirtschaftlichen Nutzen der Region beitragen. So soll aus einem gemeinsamen Engagement von kreativen Mitarbeitern aus sechs Nationen und der lokalen Bevölkerung eine gemeinsame langfristige touristische Inwertsetzung geschaffen werden, die über die aktuelle mediale Berichterstattung hinaus mit kulturellen Events nachhaltig wirken soll. Bereits im Nachgang der Dreharbeiten zum Kinoerfolg Schellen-Ursli konnte ein vom Kanton Graubünden beauftragtes Marktforschungsinstitut darlegen, dass zielführende touristische Aktivitäten massgeblich zur Steigerung der Bekanntheit und des wirtschaftlichen Erfolges im Unterengadin geführt haben. So bekommt die Kultur nach langen Bemühungen, wie damals die kleine Anna, im Bergell eine neuen Heimat und Chance zum Neuanfang, Wo ist es denn, das rosa Kaninchen… 

 

ALS HITLER DAS ROSA KANINCHEN STAHL erzählt die Geschichte von der Flucht einer jüdischen Familie, die 1933 Berlin verlassen muss und über die Schweiz und Frankreich letztendlich in England sesshaft wird. Der ernste Hintergrund wird schon im Titel deutlich. Doch vielmehr geht es darum, wie eine Familie an den immer neuen und immensen Herausforderungen zusammenwächst – mit Happy End. Gerade heute, 85 Jahre später, ist diese Geschichte hochaktuell, da Flucht, Emigration und Integration, aber auch die wachsende Ausgrenzung erneut zentrale, brisante, politische und gesellschaftliche Themen in Europa sind. 

 

Die Tourismus-total-Expertenrunde von GRHeute berichtet und kommentiert einmal wöchentlich über aktuelle Tourismusthemen für Graubünden.

Heute für Sie unverblümt und direkt von der Front: Ditti Bürgin-Brook, la siala entertainment GmbH.

 

(Bilder: alle Rechte bei la siala entertainment GmbH)