In der Rubrik «Musik jenseits der Berge» besprechen wir in unregelmässigen Abständen Bands, die keinen oder nur einen minimalen Bezug zu Graubünden haben. In der zwölften Ausgabe haben wir uns mit dem neuen Werk «For the Wildness» der Zürcher Rockband Shambolic Shrinks auseinander gesetzt.

Let the music do the talking. Let’s go.

The one to blame
Hui, nach einem kurzen Shotout von Sänger Simon, geht’s gleich ziemlich ruppig und treibend zur Sache. Bei den ersten Klängen wird sofort bewusst, das hier mit vollem Einsatz gespielt wird. Der erste Refrain ist so catchy, das er gleich heftig im Ohr kleben bleibt. Ist es böse, wenn ich sage, genau so sollten Incubus klingen und ich würde sie heute noch hören?

Don’t care
Und gleich das nächste Brett. Die Zürcher Oberländer sind mit Vollgas unterwegs und schreiben verdammt kreative Kracher. Das Schlagzeugspiel von Roman Brechbühl ist hier so facettenreich, dass ich meine Drumsticks mit gutem Gewissen auch noch länger im Schrank liegen lassen kann. Wie sich Bassist Mario Hasler und er zu tightem Battle herausfordern, ist eine Wohltat für jede Rockerseele.

For the Wildness
Der Titeltracks des Albums fängt mit verträumten Gitarren an und steigert sich zum stampfenden Headbangertrack. Wild und verspielt, aber trotzdem genau richtig auf den Punkt. Ja, die Herren haben geübt und obwohl das musikalische bei dieser Nummer sicherlich recht komplex ist, wird es hier leichtfüssig serviert, als wäre es das Leichteste der Welt.

Breathe again
Allerspätestens jetzt frage ich mich, warum ich dieses Scheibe mir noch nicht vorher reingezogen habe… Hier kommt eine echte Midtempoballade inklusive mitreissenden Chören auf der Hook. Das klingt abwechslungsreich und gibt der Platte etwas Luft zum Verschnaufen. (hehe wortwörtlich)

After all
Noch etwas mehr Luft lässt der Song. Ah, ich liebe Triolen-Rhythmen und auch wenn der Text hier ein wenig gar ins Kitschige abgleitet, feiere ich diese Ballade total. Die beiden Herren an den Klampfen Lukas und Andreas Egli harmonieren ziemlich elegant zusammen und zeigen trotz ziemlich popiger Melodie, dass ein richtig guter Radiosong nicht unbedingt immer nach dem gleichen Schema gestrickt sein muss. Zucker!

Get away
Oh wie geil, eine Crossovernummer. Ich bin ja auch so ein Typ, der nichts mehr verabscheut als Schubladen. Hier zeigen Shambolic Shrinks, dass ein Ausflug in ein anderes Rockgenre nicht immer plakativ sein muss und auch einen eigenen Stempel haben darf, wenn man denn wie sie einen solchen Wiedererkennungswert hat. 3 – 2 – 1 – Ja, sie sind definitiv back.

Iron Pump
Es wird noch einen Zacken härter, geht aber weiter mit ziemlich viel Druck. Sicherlich eine grandiose Livenummer, aber eher weniger ein Videokandidat. Sagt mir, bis jetzt am wenigsten zu auf dem Album. Doch das Lied rettet sich gegen hinten mit einem epischen Instrumentalteil als Aufbau zum letzten Refrain.

Pull the Trigger
Oh Gott, ich hatte bei den ersten Klängen einen kurzen Kelly Family-Moment, den die Eglis mit ihren Black Sabbath-mässigen Riff zum Glück ziemlich gut weg-geblastet haben. Es ist ein gelungenes Abdrücken, das zum Verweilen einlädt.

Our Way
Ihr Weg ist ein lauter und rockiger. Der Anfang mit den Pausen ist ein echter Earcatcher und führt zu einem groovigen Song, dem ein gewisses Mitsingpotenzial nicht abzuschlagen ist. Die Bandhymne auf die Freundschaft und ihr Drang die Bühnen der Welt in Flammen zu stecken. Gut, gibt es noch solche Bands, die ihr letztes Hemd für ihren Sound geben würden.

Photo
Die Sozialkritik an der Schönheitsindustrie und dem Verstellen der Frauen für ein perfektes Foto im Internet ist ziemlich witzig und wurde sogar verfilmt.

 

No End
Ja leider geht die CD dem Ende zu und schnauft nochmals kurz durch, um dann Stadiumrock-mässig aufzubauen und einen schönen Lovesong raus zu hauen. Zum Glück kann man gewisse Songs immer wieder hören. Der wird mir nämlich so schnell nicht mehr verleiden.

Something real
Auf dem letzten Song noch eine weitere Facette ans Tageslicht zu zehren, ist nicht ohne. Doch die Shambolic Shrinks haben einen echten Hit an den Schluss ihres Tonträgers geklatscht, was vielleicht bei manchem Hörer schnell mal überhört wird. Den hätte ich mindestens in der Region der Lieder 1-3 platziert. Aber wie sagt man so schön: Den Mutigen gehört die Welt.

Schlussfazit:

Das zweite Album der Shambolic Shrinks ist wie, als wäre es bereits das dritte. Denn die Jungs aus dem Zürcher Oberland haben nicht nur beim Cover im positiven Sinn ziemlich zugelegt, auch beim Songwriting, dem Zusammenspiel und der Abwechslung wurden ziemlich grosse Schritte nach vorne gemacht. Der Hitparadenplatz ist definitiv ziemlich verdient, denn anders als beim Debüt bleiben Songs wie Something real, Breathe again, No End oder auch Photo an einem haften wie Kaugummis. Ein gelungenes, abwechslungsreiches Album, das vor Kreativität und Selbstvertrauen nur so strotzt. Gut so, weiter so!