Gestern wurden anlässlich der Eröffnung der 116. Schluchten-Saison in der Viamala die Zwillingsbrücken von Jürg Conzett getauft. «Pùnts da tgavorgia» ist Sutsilvan und bedeutet schlicht und einfach «Schluchtenbrücken».

Genau ein Jahr ist vergangen, seit die neuen Conzett-Brücken in der Viamala-Schlucht für die Besucherinnen und Besucher frei gegeben wurden. Seither begeistern sie Gäste aus aller Welt als gelungene Zusatzattraktion im Herzen dieses eindrücklichen Naturmonuments. Heute wurden sie im Rahmen einer kleinen Feier und unter der Mitwirkung von Vertreterinnen und Vertretern von Gemeinden und touristischen Partnern rund um die Schlucht auf den Namen «Pùnts da tgavorgia» getauft. Das ist in Sutsilvan und heisst auf Deutsch «Schluchtenbrücken».

Knifflige Suche nach passendem Namen
So simpel und einfach wie der Name klingen mag, so herausfordernd war die Suche danach. Während die Namen der zwei bereits bestehenden Conzett-Werke in der Viamala – Traversinersteg und Pùnt da Suransuns – den Flurnamen ihrer jeweiligen Standorte entsprechen, war das bei den Zwillingsbrücken nicht möglich. In der unmittelbaren Umgebung der Brücken existiert leider kein solcher. Und sie deshalb einfach «Conzett-Brücken» zu nennen, fiel allein aufgrund der Verwechslungsgefahr ausser Rang und Traktanden. Zudem hatte Jürg Conzett ausdrücklich davon abgeraten mit der Begründung, Autorennamen bei Brücken seien unüblich und höchsten inoffiziell. Wildener- und Premolibrücken wären da die Ausnahme. Auf der Suche nach einem neuen Ansatz wurde rasch klar, dass der Bezug zum Standort über einen Namen in romanischer Sprache und zwar in Sutsilvan geschaffen werden soll. Mögliche Varianten wurden mit fachkundiger Unterstützung der Lia Rumantscha evaluiert und am Ende schafften es zwei Kandidaten ins Finale: «Pùnts soras» (Schwesterbrücken) und «Pùnts da tgavorgia» (Schluchtenbrücken).

Die neuen Brücken werden mit Wasser aus dem Hinterrhein getauft

Wer kann das schon aussprechen?
Die Jury war sich rasch einig, dass «Pùnts da tgavorgia» eleganter und melodiöser klinge und deshalb zu favorisieren wäre. Allerdings wurde bemängelt, dass dieser Name von den meisten Nichtromanen nicht auszusprechen sei. Dass die Wahl trotzdem auf diesen Zungenbrecher fiel, ist der erneuten Unterstützung durch den Übersetzungsdienst der Lia Rumantscha zu verdanken. Dieser wandelte den Begriff in Lautsprache und so prangt unter dem Namensschild bei der Brücke nebst der  Aufschrift «Pùnts da tgavorgia» nun auch dessen Übersetzung in Lautsprache als [pųnß då ćåwɔrģiå]. Und sollte es mit der Aussprache trotzdem nicht klappen, sind auf dem Schild auch noch Übersetzungen in diverse Fremdsprachen aufgeführt.

 

(Bilder: zVg.)