Die Scuoler Autorin Mellita Breznik ist mit dem diesjährigen Literaturpreis ausgezeichnet worden und ist damit Jubiläumspreisträgerin.

„Der Duft der Bäume, die Stille und Ruhe, all das verzauberte mich.“, so beschreibt Mellita Breznik den Moment, indem sie vor der Clemgiaschlucht in Scuol steht. Die Ärztin und Psychaterin wurde jüngst von der Stiftung Bündner Literaturpreis mit der 10’000 Franken dotierten Auszeichnung geehrt. Breznik führte von 2004 bis 2009 eine eigene Praxis in Chur. Davor war sie in der Psychiatrischen Klinik in Cazis als Oberärztin tätig. Zwischendurch war sie jedoch auch in Basel engagiert.
„Die Stiftung hatte Frau Breznik schon vor einigen Jahren auf dem Zettel“, sagte die Präsidentin. „Aber dann zog sie nach Basel und die Statuten besagen, dass die Preisträgerin im Kanton wohnhaft sein müsse.“ Breznik fand den Weg wieder zurück nach Graubünden und damit stand einer Verleihung nichts im Wege.
Lange Stunden im „Nachtdienst“
Die gebürtige Österreicherin betont am Anlass nachdrücklich, dass sie sich in erster Linie über ihren Beruf als Ärztin identifiziert. Mit grossem Engagement baut sie derzeit mit ihrem Kollegen Dr. Hannes Graf  und mit Frau Rita Schönthaler die Clinica Curativa im Gesundheitszentrum Unterengadin auf.  Ihr Debütroman „Nachtdienst“ erschien im Frühherbst 1995. Darin erzählt die Autorin von einsamen Nächten auf ihrer Abteilung und von endlosen Stunden, aber auch vom schmerzlichen Abschied ihrer Eltern.
Mit einer öffentlichen Lesung wurde neben ihrem Beruf und den Bündner Bergen ihre dritte grosse Leidenschaft das Schreiben erst vor Kurzem im Engadin so richtig bekannt. „Mir ist es wichtig, dass meine Patienten nicht denken, dass ich über ihre Schicksale schreibe.“ In erster Linie schreibt die Psychotherapeutin nämlich von sich selbst.
Der Laudator Manfred Papst sagte, „ob die Erzählungen autobiografisch seien, müsse am heutigen Anlass nicht beschäftigen“. Papst ist Kulturredaktor bei der „NZZ am Sonntag“ und konnte von der Stiftung als ausgezeichneter Redner gewonnen werden. Anna-Alice Dazzi führte durch den von Oboe- und Violinenmusik umrahmten Anlass und hebt hervor, dass mit Melitta Breznik eine würdige Preisträgerin ernannt wurde. Der Preis wird seit 1999 verliehen und geht auf die Churer Lehrerin und Journalistin Milly Enderlin (1916-1997) zurück.
(Bilder: Mayk Wendt )