Wenn das neue Jahr beginnt, zählt Graubünden noch 108 politische Gemeinden, vor genau 20 Jahren waren es noch 212.

Es hat sich also vieles verändert, was die Institutionen im Kanton Graubünden betrifft. Auch für Bergün/Bravuogn stellt das Jahr 2018 eine wichtige Zäsur dar: Zusammen mit Filisur bildet Bergün/Bravuogn die Gemeinde Bergün Filisur. Mit der Gemeindereform verändert sich einiges auf der administrativen Ebene. Beileibe nicht alles ändert. Sowieso nicht, wenn es um derart verwurzelte Traditionen geht wie das Silvestersingen. Ein Stelldichein von Bergünerinnen und Bergünern, auch von solchen, die schon lange nicht mehr am Ort leben. Eine höchst eindrückliche gesangliche und emotionale Angelegenheit…

Seit Jahrzehnten besammeln sich Sängerinnen und Sänger an Silvester, um singend den Jahreswechsel zu feiern. Der Gesang erklingt auf den gewohnten Plätzen. Man zieht durch das Oberdorf, in die Giassa, hinunter in die Fuschena und wandert singend bis ins Unterdorf. Um Mitternacht trifft sich die zu einem grossen Chor angewachsene Schar auf dem Dorfplatz, um mit dem traditionellen Lied „Ün mumaint e l’ura batta“ Abschied vom vergangenen Jahr zu nehmen und das Neue zu begrüssen. Das Silvestersingen ist total lokal (es wird in Bergün/Bravuogn und in Latsch gesungen), aber eigentlich ganz grosses Kino. Man/frau fühlt sich am Ort verwurzelt, mit der Welt verbunden, von den Leuten (auch Unbekannten) getragen, Teil eines grösseren Ganzen, wichtiges Element einer uralten Tradition. Heimatgefühl, Demut, Stille, Ausgelassenheit, Freude, Wehmut und viele Emotionen mehr verbinden sich in einem Augenblick. Die Grenzen zwischen Mikro- und Makrokosmos sind für einen Moment aufgehoben.

(Bild: Bergün Filisur Tourismus)