Der Spengler Cup ist 91 Jahre alt. In dieser Zeit gab es grosse Siege, bittere Niederlagen, und Jahr für Jahr ein Volksfest zu bestaunen. Und einige Stories, die rückblickend sehr komisch sind:

 

1. Zwei Sieger in einem Jahr

An seinem zehnjährigen Jubiläum feierte der Spengler Cup nicht ein, sondern zwei Sieger. Das damalige Turnier war von Hektik geprägt. Zuerst wurden die Akademiker aus Zürich am zweiten Tag ausgeschlossen, weil der Kanadier McAlpin für St. Moritz, und nicht für Zürich spielberechtigt war. Später wurde jedoch nur das Spiel für ungültig erklärt, weil der Zentralpräsident der Zürcher für den entsprechenden Spieler die Spielerlaubnis erteilte, was gegen die Regeln verstiess. Kompliziert? Ja. Im Finale standen sich dann schlussendlich Prag und Oxford gegenüber. Nach einem harten Kampf blieb die Partie ausgeglichen 0:0, und auch drei (!) Verlängerungen brachten keinen Sieger hervor. Das Spiel musst abgebrochen werden, und auf dem Plan stand eine Wiederholung des Finales am Neujahrstag. Da die Oxforder aber sich nicht bereit erklärten, am 1. Januar noch einmal anzutreten (sie waren schlichtweg zu überangestrengt), entschied die Organisation, beide Finalisten zum Sieger zu kühren. Damit gewann Oxford den Pokal zum vierten Mal. Da die Engländer aber nicht alleiniger Sieger waren, verzichteten sie auf den Pokal. Sehr ehrenhaft.

 

 

2. Kuhschellen waren offizieller Bestandteil

Bis 1939 gab es keine Sirenen, keine Schiri-Pfiffe und keine Scoreboards. Ein Spiel galt als beendet, wenn die Kuhglocke klingelte. Richtig: Die Offiziellen, die an einem Tisch am Spielfeldrand sassen, läuteten mit einer Kuhschelle, und das war dann das Zeichen, dass die Partie zu Ende war.

 

 

3. Der Spengler Cup hatte mal einen anderen Namen

Es gab eine Zeit, da pflegte der HC Davos eine enge Zusammenarbeit mit einer Vereinigung: Die Vereinigung Hamburger Sportärzte spendierte dem Zweitplatzierten den Pokal. Und so hiess der Spengler Cup 1931 tatsächlich «Spengler und Hanseaten Cup». Damals spielten übrigens neun Teams, in drei Gruppen unterteilt, am Turnier: Oxford University, Cambridge University, Akademischer Eishockey-Club Zürich, Grasshopper Club Zürich, der Berliner Schlittschuh-Club, der SC Riessersee, der Racing Club de France, LTC Prag und der HCD.

 

4. Das erfolgreichste Jahr der Geschichte

1933 war das erfolgreichste Jahr in der Geschichte des HCD. Es ist der Beginn des legendären «-ni»-Sturmes um Bibi Torriani und den Cattini Brüdern. Der HC Davos wurde damals zum siebten Mal Schweizer Meister, gewann den Aspang Cup, den Birmingham Cup und den Gold Cup von Arosa. Und natürlich auch den Spengler Cup – der zweite Spengler Cup Titel in der Club Geschichte nach 1927.

 

 

5. Das Finalspiel im Februar

1939 gab es ein Unikum: Der Spengler Cup Sieger wurde erst am 15. Februar gekürt. Der Grund dafür: Am 31. Dezember (am traditionellen Tag) kam es zum Finalspiel zwischen dem HC Davos und dem LTC Prag. Dieses musste allerdings abgebrochen werden. Als Pic Cattini auf dem Eis stürzte und den Tschechen Josef Malecek mit dem Stock am Kopf traf, rastete dieser aus und ging auf Cattini los. Eine Schlägerei brach aus, die es in sich hatte. Nicht nur Spieler, auch das Publikum griff ein, Mike Buckna von LTC Prag dreschte auf den Schiedsrichter ein, und ein allgemeines Chaos brach aus. Erst als die Polizei einschritt, konnten sich die Gemüter beruhigen. Die Tschechoslowaken verliessen aber das Eis und kamen nicht mehr zurück. Das OK und die Verbandspräsidenten suchten dann die Diskussion und entschieden, die Partie weiterzuführen. Da LTC Prag sich in der Zwischenzeit aber bereits umzog und die Garderobe verliess, musst des Finalspiel an einem neuen Tag wiederholt werden. Und da in beiden Ländern im Januar die Meisterschaft wieder lief, wurde erst Mitte Februar das Finale wiederholt. Der Rematch war übrigens geprägt von Fairness, da beide Teams zeigen wollten, dass Eishockey ein ehrenvoller Sport ist: Während der gesamten Partie gab es keine einzige Strafe. Der HC Davos gewann das Finale übrigens und sicherte sich so den dritten Titel.

 

6. Das schwarze Jahr

Nur dreimal fand der Spengler Cup seit Einführung vor 91 Jahren nicht statt. Wegen des zweiten Weltkrieges und der Mobilmachung wurde das Traditions-Turnier 1939 und 1940 nicht ausgetragen. Stattdessen spielten die Schweizer Vereine Basel, ZSC Zürich, Arosa/Bern (kombiniert) um den Coupe de Davos. Laut Carl Spengler ging es ihm bei der Gründung des Cups darum, «nach dem ersten Weltkrieg die verfeindeten Nationen in sportlichen Kontakten wieder zusammenzuführen». 1941, bei der Wiederaufnahme des Spengler Cups kam es zu einem bis heute hässlichen Tolggen in den Spengler Cup Annalen. Im Finale standen sich der Berliner SC und der HC Davos. Hässlich dabei ist, dass der Berliner SC unter dem Hakenkreuz und dem Namen NS Berliner SC auflief. Als Landesangabe: Deutsches Reich. Keine andere Nation nahm teil. Gut, dass der HCD die Nazis damals mit 9:0 abfertigten.

 

7. England, Deutschland und Italien als Hockey-Mächte

Der LTC Prag und der HC Davos waren bis Ende der Vierziger-Jahren die dominantesten Teams im europäischen Eishockey. Die Tschechoslowaken waren übrigens die ersten, die den Spengler Cup Wanderpokal zu sich nehmen durften: Nach dem dritten Titel 1937 (nach 1929 und 1930) gehörte der Pokal den Pragern (1932 gab es wie erwähnt zwei Sieger, darum galt dieser Titel noch nicht). Aber in den ersten 13 Jahren des Traditionsturnieres waren es andere Clubs, die Geschichte schrieben. Clubs aus Ländern, die heute keine Relevanz mehr im internationalen Eishockey haben. England (mit Oxford University) gewann in den ersten zehn Austragungen drei Titel, genau so wie der Berliner SC. Und die Diavoli Rossoneri Milano sicherten sich zwei Spengler Cup Titel. Mehr als die Hälfte aller Sieger kamen zu Beginn also aus England, Deutschland oder Italien. (Milano holte sich übrigens in den 50er Jahren nochmals drei Titel).

 

8. Nationalteams sind kein Novum

Die Teilnahme der Schweizer Nationalmannschaft steht dieses Jahr im Zentrum, aber es ist keines Falls ein Novum. In den 70er Jahren standen regelmässig Nationalmannschaften im Einsatz: 1971 nahm das Olympiateam von Japan als Vorbereitung für die Spiele in Sapporo teil, 1974 stiess die polnische Nati bis ins Finale vor, 1975 gewann das Olympiateam der Tschechoslowakei den Spengler Cup gegen die Nationalmannschaft von Finnland, 1976 siegte die russische B-Nationalmannschaft. (In diesem Jahr hiessen die weiteren Teilnehmer übrigens: B-Nati von Finnland, A-Nati der Schweiz, A-Nati von Japan und B-Nati der Tschechoslowakei. Eine reine Nati-Angelegenheit also.) Und Anfang der 80er Jahre begann die fixe Teilnahme des Team Canada und zeitweise auch des Team USA. Der Spengler Cup hat eben wirkliche internationale Ausstrahlung.

 

9. Bekannte Spieler

Lester B. Pearson, kanadischer Premierminister und Namensgeber des Lester Pearson Award der NHL, stand 1923 beim allerersten Spengler Cup als Sieger mit Oxford auf dem Eis. Genau so wie George Stanley. Das ist zwar nicht der Stanley vom bekannten Cup-Erfinder, aber immerhin der Designer der offiziellen kanadischen Flagge. Die beiden Kanadier studierten damals in Oxford und holten sich kurzerhand den ersten Spengler Cup.

 

10. Viele Teams bestimmen den Europameister

15 Teams kämpfen bei der zweiten Austragung um den Sieg. Den Siegerpokal nimmt der Captain des Berliner SC nach dem Finalsieg gegen den HCD in Empfang. Mit diesem sowohl zahlenmässig als auch qualitativ stark besetzten Turnier wird Davos auf einen Schlag zum Eishockeyzentrum Europas. Der Spengler Cup wird während langer Zeit als ungekrönte Europameister, der Pokal entsprechend seinem Wert als Trophäe dem berühmten Davis Cup der Tennisspieler gleichgestellt.

 

1926 stand der HC Davos so nahe am ersten Titel. Drei Stunden lang bekämpften sich der Berliner SC und der HC Davos. Als Schneefall beim Stande von 5:5 einsetzte, musst die Entscheidung vertragt werden. Am 5. Januar wurde das Finale dann wiederholt, und der Berliner SC setzte sich mit 2:1 durch.

 

(Bild: Spengler Cup)