Hockey Pauer Ranking: Olympia-WM-Skandale und (un-)faire Checks

Das Hockey Pauer Ranking ist eine wöchentliche Hockey Kolumne mit den zehn interessantesten Meldungen, besten Spielern und lustigsten Aktionen der Woche. Ein Ranking, das man nicht immer all zu ernst nehmen sollte.

 

 

 

10. Lesestoff der Woche

Der EHC Chur ist schon länger in der Offseason. Die Fans der Hauptstädter machen aber noch nicht Pause und sorgen mit dieser lustigen Anekdote für ein paar Lacher. Ach, der gute alte Domenig.

 

9. Olympia-Update der Woche

Es sieht nicht gut aus… Der NHL Chef Gary Bettman hat letzte Woche an seinem Standpunkt festgehalten und erneut gewarnt: “Man sollte davon ausgehen, dass die NHL nicht an den olympischen Spielen teilnehmen wird.“  Der kanadische Verband hat diese Woche zum ersten Mal darüber sinniert, was das für das Kader für Konsequenzen hätte. Und das wäre alles andere als cool. Der Plan B, der letzte Woche publiziert wurde, liest sich schlechter als ein Deutschland Cup Kader:

Defencemen:
(unter anderem) … Maxim Noreau, SC Bern (Switzerland); Daniel Vukovic, Genève-Servette (Switzerland)

Forwards:
(unter anderem) … Chris Didomenico, SCL Tigers (Switzerland); Andrew Ebbett, SC Bern (Switzerland); Cory Emmerton, HC Ambri-Piotta (Switzerland); Dustin Jeffrey, Lausanne HC (Switzerland); Jacob Micflikier, EHC Biel-Bienne (Switzerland); David McIntyre, EV Zug (Switzerland); Marc-Antoine Pouliot, EHL Biel-Bienne (Switzerland); Mason Raymond, Geneve-Servette (Switzerland); James Sheppard, EHC Kloten (Switzerland); Nick Spaling, Genève-Servette (Switzerland);

Wäääh….Didomenico? Micflikier? Vukovic? Was ist denn das für eine kanadische Nati? Wer möchte so eine Auswahl schon wirklich sehen? Das ist nicht Plan B, das ist Plan Z. Da ist selbst das IIHF WM Kader noch weit attraktiver. Klar, auch die Schweiz würde die besten Spieler verlieren. Unter anderem Nino Niederreiter und Roman Josi – die einzigen zwei Eidgenossen, die auf internationalem Parkett mithalten könnten. Aber auch die „zweite“ Garde Schweizer in Übersee (wie zum Beispiel Sven Bärtschi, Kevin Fiala, Nico Hischier,  Sven Andrighetto, Denis Malgin, Timo Meier, Christoph Bertschy, Joel Vermin, Mirco Mueller, Marc Streit, Luca Sbisa, Yannick Weber und neu auch Noah Rod) wäre nicht dabei.

 

Die olympischen Spiele verkommen zu einem drittklassigen Event, den niemand vom Hocker reisst. Bitte nicht.

 

8. Skandal der Woche

Und auf zum nächsten internationalen Thema. Die Frauen-Nati der Schweiz spielt ab Freitag an der Frauen WM in Plymouth USA um den Titel. Und es bahnt sich ein Skandal der ganz grossen Sorte an: Seit 1990 hiess das Final jedes Jahr Kanada gegen USA. Es ist langweilig. Die beiden Teams aus Amerika dominieren jedes einzelne Spiel seit über 20 Jahren, meist mit Stängeli-ähnlichen Resultaten. Die anderen Nationen spielen seit je her nur um Platz drei.

 

In Nordamerika hat Frauen-Eishockey einen relativ hohen Stellenwert. Und die Rivalität der beiden Nationen ist gross. In beiden Ländern spielen die Damen teilweise voll-professionell Eishockey – das heisst sie erhalten einen Lohn, um hauptberuflich Eishockey zu spielen. Das Spiel Kanada versus USA bildet dabei den Zenith für die Ladies. Man will den Rivalen um jeden Preis schlagen.

 

Und nun zur Bombe, die platzte: Vor zwei Wochen publizierten die Frauen von USA Hockey ein Statement, in dem sie zum Boykott aufriefen. Und zwar, weil sie zu wenig Mittel erhalten, um sich adäquat gegen Kanada vorbereiten zu können. Die Ami-Ladies, aktuelle Weltmeisterinnen, erhalten während sechs Monaten je 1’000 Dollar pro Person, um sich für die olympischen Spiele 2018 vorzubereiten. Das ist ihnen zu wenig, und daher streiken die Damen der USA. Dieser Streik hat eine Lawine ins Rollen gebracht.

 

USA Hockey, der amerikanische Verband, soll zahlen. USA Hockey ist aber eine Non-Profit-Organisation, die zwar 42 Millionen Dollar umsetzt, aber gerade mal einen Gewinn von 40’000 Dollar schreibt. Zu wenig, um den Forderungen der Spielerinnen nach zu geben. Die Spielerinnen wiederum zeigen sich unnachgiebig und wollen wie die männlichen Profis verdienen (auch wenn diese nicht vom Verband, sondern von den NHL Teams entlöhnt werden). Schlussendlich muss Kanada um jeden Preis besiegt werden.

 

USA Hockey zeigte sich bisher ebenfalls unnachgiebig und gab den Forderungen nicht nach. Die Konsequenz: Alle Spieler wurde ausgeladen, der Verband hat nun Ersatzspieler angefragt. Diese aber zeigten sich solidarisch mit den weiblichen Stars und lehnten das Aufgebot unisono ab. Mittlerweile hat USA Hockey sogar High School Schüler angefragt, ob sie für ihre Nation auflaufen wollen. Der Druck auf die Ladies ist aber derart hoch (nicht als Verräterinnen zu gelten), dass selbst die Teenagers im Plenum die Aufgebote ablehnten.

 


Mittlerweile geht das Ganze soweit, dass selbst die männlichen Stars aus Solidarität damit drohen, an der IIHF WM nicht aufzulaufen, wenn der Verband den Frauen nicht entgegen kommt. Es ist ein skandalöses Dillemma. Auf der einen Seite ist es nicht verständlich, dass die amerikanischen Frauen nicht die gleichen Opfer bringen wie dies andere weibliche Amateur-Athleten tun. Zumal der Verband wenig bis kein Profit am Frauen-Eishockey abschöpfen kann. Auf der anderen Seite ist es verständlich, dass sie ein Stück vom Kuchen haben wollen. Ein Albtraum zeichnet sich ab – die USA werden weder an der Frauen WM noch an der Herren WM mit einem Team antreten…

 

7. Prognose der Woche

…was wiederum der Schweiz zu gute kommt. Zum ersten Mal seit 27 Jahren könnte das Frauen-Finale nicht mehr USA gegen Kanada lauten, sondern eventuell Kanada gegen Schweiz. So gute Chancen hatten die Eidgenossinnen auf jeden Fall noch nie, ins Finale zu kommen. Auch wenn es da voraussichtlich eine Klatsche gegen Kanada absetzen würde – wenn der Titelverteidiger aus den USA nicht antritt, wird der Weg für die Schweizer Ladies frei.

 

Am Freitag geht die WM in Michigan los (mit den Bündnerinnen Evelina Raselli und Monika und Isabel Waidacher, aber ohne Nina Waidacher, die sich die Schulter verletzte), die Schweiz spielt in der Gruppe B in der Vorrunde gegen Schweden, Tschechien und Deutschland.

Update: Heute Nachmittag dann die neuste Meldung in der Skandal-Geschichte: Anscheinend sind USA Hockey und die Ladies auf dem Weg zu einer Lösung. Also wahrscheinlich doch Drama um nichts…

6. Hit der Woche

Das ist mal ein Knaller Check. Die Frage, ob der Spieler seine Füsse noch auf dem Eis hat, oder ob er in den Check reinspringt, erübrigt sich wohl… Die schwedische Liga sorgt diese Woche auf jeden Fall für Schlagzeilen. Lustiges Nebengerücht zum brutalen Check: Josis Mitspieler Filip Forsberg (Leksand Supporter) und Mattias Ekholm (Mora Supporter) reden seit dem Vorfall nicht mehr miteinander.

 

 

 

5. Tor der Woche

Rasmus Dahlin ist 16 Jahre alt und spielt in den schwedischen Playoffs. Und sorgt dabei für grosse Augen. Der Gitterlibuab lässt drei Spieler leer laufen und zieht dann trocken ab. Ganz geil.

 


 

4. Spiel der Woche

Heute Abend kann der HC Prättigau-Herrschaft den Sack zu machen. Mit einem dritten Sieg können die Nordbündner zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte 2. Liga Ost Champion werden. Gut verständlich, wenn Prättigauer Hockey-Fans heute Abend sagen: Ich geh nicht nach Davos, ich schau mir das Finalspiel in Grüsch an. Viel Erfolg!

 

3. Save der Woche

Koskinen in der KHL mit dem Save der Woche und dem Kandidat für den Save des Jahres.

 


 

2. Verlierer der Woche

Die Checks in der Schweiz sorgen für viel Diskussion, aber vor allem sorgen sie dafür, dass das Schweizer Eishockey verliert.

 

Der HC Lugano musste gegen Bern physisch unten durch. Zuerst kassiert Julien Vauclair einen harten Check nahe der Bande von Simon Moser (Spiel 1), und am Weekend muss Ulmer von Tristan Scherwey einstecken. Beides Boarding, beides Strafen. Oder?

 


 

Dino hat nicht unrecht. Ja, der Schiri kann zwar gemäss Reglement Strafen für solche Checks aussprechen. Zum Beispiel auch Zwei-Minuten-Strafen. Aber muss es gleich jedes Mal eine Spieldauer-Disziplinarstrafe sein? Die Schweiz ist ohnehin eine der softesten Ligen der Welt. Wenigstens in den Playoffs sollte ein etwas härterer Wind wehen, sonst gewöhnen sich die Spieler weiter ein Spiel an, dass dazu führt, dass die Eisgenossen bei WM/Olympia wieder wie Schulbuben rumgeschubst werden.

 

Ein weiteres Beispiel? Beat Forster: 2+10 Minuten wegen „Check gegen den Kopf“.

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Echt jetzt?

 

Es soll sich niemand wundern, wenn bei internationalen Spielen die Schweiz einmal mehr physisch dominiert wird. Fans rufen hier zu Lande bei jedem Hit sofort und permanent aus, egal ob fair oder nicht. Coaches reklamieren sofort und in jedem Fall, und die Schiris geben nach. In vielen anderen Ligen werden solche Checks eingesteckt und es wird weitergespielt. Ohne Gejammere, ohne Justiz-Skandal.

 

Ein Beispiel, wie in der NHL auf ein Boarding-Call (2-Minuten-Strafe) reagiert wird… sorry, aber das ist, wie heute Eishockey gespielt wird. Und die Schweizer Spieler, Fans, und Medienschaffende sollten diesen Massstab (ohne den Suckerpunch am Ende) akzeptieren. Brace yourself.

 

1. Story der Woche

Die Novizen des HCD sind Schweizer Meister! GEIL.

 

 


 

(Bild: GRHeute)