Wie wurden wir vor drei Jahren doch berieselt mit Plakatkampagnen, Kinderumzügen und einer Gilli’schen Enthusiasmus-Welle! Emotionen sollten die mehrheitlich knorrigen Bündnerinnen und Bündner in einen Strudel der Begeisterung ziehen. Auf der andern Seite standen die SP und die Grünen, die in populistischer Art und Weise zwei, drei nicht messbare Angriffsflächen rauspickten und diese gebetsmühlenartig wiederholten. Was soll man auf die Aussage, dem IOC sei nicht zu trauen, sagen? Oder, dass die Olympischen Spiele zwingend ein Minus verursachten, weil das bis dato meist so gewesen war? Das sind keine Argumente, sondern ist diffuse, populistische Meinungsmache. Die Olympia-Befürworter waren auch noch so «nett», den Gegnern – die mit schwarzen Grabstein-Plakaten (!) gegen das Vorhaben wetterten – an unzähligen Podiumsdiskussionen eine Plattformen zu bieten, um Unsicherheit zu schüren.  

Bei Olympia 2026 haben die Initianten viele damalige Kritikpunkte aufgenommen, nicht zuletzt auch wegen den neuen Olympia-Richtlinien: Die Spiele sollen dezentral stattfinden, das Budget wird – aufgrund deutlich gesenkter Infrastruktur-Kosten – abgespeckt. Für die Gegner haben sich damit einige gewichtige Argumente in Luft aufgelöst. Ihre Strategie ist aber mehrheitlich gleich geblieben: Die Schlagworte heissen ‘Fremdbestimmung durch das korruptes IOC’ und ‘progammiertes Finanzdesaster’. Das kann man alles behaupten, ohne es weiter erklären zu müssen. Denn – auch wenn sie das Gegenteil behauptet -, es war für schon immer klar, dass die SP aus Prinzip gegen Olympische Spiele in Graubünden ist. Die Hoffnung, aus der letzten Olympia-Abstimmung auch politisches Kapital zu schlagen, schlug trotzdem fehl. Der von der SP propagierte Massnahmenplan, mit dem der Tourismus anstelle Olympias gerettet werden sollte, entpuppte sich als warme Luft. Ein «Furz», der im Sturm der Tourismuskrise als politisches Manöver, als taktischen Abschluss der erfolgreichen Abstimmungskampagne, entlarvt wurde.

Kein Wunder, hegen die Bündner Promotoren für die Abstimmung im Februar 2017 Hoffnungen. Zwar gibt es wohl einige, die den erneuten Olympia-Anlauf als Zwängerei beurteilen und deswegen mit Nein stimmen. Andererseits dürfte es auch einige ehemalige Gegner geben, die die Angstmacherei diesmal nicht mehr abkaufen. Zumal sich die wirtschaftliche Perspektive für Graubünden in den letzten Jahren tatsächlich dramatisch verschlechtert hat. Die Investitionskraft im Kanton nimmt mittlerweile bedrohliche Ausmasse an. Die Olympia-Initianten um den gewieften Geschäftsmann Andreas Wieland machten bisher fast alles richtig. Vor allem, dass man den Bündnern nicht mit Aktionitis und teurer Werbung Begeisterung «einimpfen» will. Das braucht das Weiterverfolgen einer Olympia-Kandidatur auch nicht. Das Gegenteil ist der Fall: Viele haben vor drei Jahren ‚Nein‘ gesagt, weil sie das Gefühl hatten, von schönen Worten und einer teuren Hochglanzlawine einer Gehirnwäsche unterzogen zu werden. Niemand wird gerne manipuliert, schon gar nicht Bündner «Stieragrinder». Die Befürworter sollten eigentlich wissen, dass Herr und Frau Bündner diesbezüglich immer schon kritische Geister waren. Oder kurz gesagt: Olympia braucht derzeit keine Jippie-Begeisterung – die kommt dann schon von selbst, und zwar authentisch, spätestens wenn das IOC in drei Jahren «Graubünden» ausruft. Was die Bündner Kandidatur braucht, ist Nüchternheit und Pragmatismus – darin liegt die Stärke von Graubünden 2026. 

Den Initianten droht allerdings andere Gefahr. Es ist unbedingt zu vermeiden, dass sich «Schattengesellschaften» im Sog der Olympia-Kandidatur entwickeln, die sich mit Konzepten, Projekten und Interessensgruppen aus dem Topf der öffentlichen Gelder «bereichern». Das wäre das Ende für Olympia 2026 in Graubünden. Effizienz und eine strikte Budgetkontrolle sind zwingend. 

Interessant ist auch die Rolle der Somedia, die sich mit ihrem Medienmonopol im Kanton bekanntlich nicht scheut, auf die Meinungsbildung Einfluss zu nehmen – wie zuletzt bei den Churer Stadtratswahlen erlebt. Bisher hat sich die Südostschweiz vornehm zurückgehalten, im Gegenteil: Patron Hanspeter Lebrument hat sich schon mehrfach in markigen Worten für Olympia 2026 in Graubünden ausgesprochen. In der Südostschweiz vom Mittwoch räumte Lebrument unumwunden ein, dass er auch aus wirtschaftlichen Gründen für die Spiele 2026 weible. Als Unternehmer einer der wenigen grossen Firmen Graubündens kennt er den seidenen Faden, an dem unsere Randregion wirtschaftlich hängt, nur zu gut. Ähnliche Leitartikel wie gestern verfasste der Verleger allerdings auch schon vor der letzten Olympia-Abstimmung, ehe die kritischen Olympia-Geister in der SO-Redaktion von der Leine gelassen wurden und die Bündner Kandidatur 2022 Stück für Stück auseinandernahmen. Bleibt abzuwarten, ob die Olympia-Gegner in der Somedia-Schreiberzunft wieder zum Zug kommen, nachdem die Werbeverträge für die Abstimmungs-Inserate 2017 unter Dach und Fach sind.

 

(Symbolbild: Kanadische Eishockeyfans an den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver/EQ Images/Valeriano di Domenico)