Um die medizinische Versorgung im Albulatal weiterhin zu gewährleisten, eröffnet das Spital Thusis einen Rettungsstützpunkt in Bergün. Vor allem verunfallte Wintersportler sollen so schneller versorgt werden können, um gleichzeitig den Bergüner Hausarzt zu entlasten.

Nach der Schliessung der Praxis von Dr. med. Peter Keller in Alvaneu ist die medizinische Versorgung im Albulatal akut gefährdet. Mit Dr. med. Domenic Ganzoni in Bergün ist in naher Zukunft nur noch ein Hausarzt im Albulatal tätig. Um den Hausarzt in den zwei Problembereichen der hausärztliche Grundversorgung und der medizinischen Notfallversorgung zu unterstützen, soll nun ein neuer Rettungsstützpunkt eröffnet werden. Die hausärztliche Grundversorgung, welche im Verantwortungsbereich der Gemeinden liegt, ist aufgrund des schweizweiten Hausärztemangels schwer zu gewährleisten, insbesondere in den peripheren Regionen. Die Aufnahmekapazitäten in der Bergüner Arztpraxis sind begrenzt, Hausarztbesuche in dem weitläufigen Territorium in diesem Umfang nicht mehr möglich. Eine Weiterführung der Praxis Bergün in der jetzigen Form ist nur bedingt möglich.

Die medizinische Notfallversorgung obliegt dem Kanton und dem zuständigen Spital. Der Grossteil der Gemeinden des Albulatals gehören zur Spitalregion Thusis. Das Spital Thusis nimmt die Verantwortung wahr und hat sehr kurzfristig ein Konzept für einen Rettungsstützpunkt in Bergün umgesetzt. Die verunfallten Wintersportler wurden bisher von den Bergbahnen in die Arztpraxis transportiert. Vom 12. Dezember bis zum 31. März nächsten Jahres wird ein Rettungsfahrzeug mit einem Team vom Spital Thusis während den Öffnungszeiten der Schlittelbahn Preda-Bergün in Bergün stationiert sein. Alle Einsätze werden von der Sanitätsnotrufzentrale 144 koordiniert und in enger Zusammenarbeit zwischen den Bergbahnen Bergün, Dr. Ganzoni und dem Spital Thusis versorgt. Der Bergüner Hausarzt erhält so eine Entlastung und die medizinische Versorgung für Einheimische wie Gäste ist weiterhin gewährleistet. „Für den Tourismus in Bergün und im gesamten Albulatal ist das von höchster Wichtigkeit.“ heisst es in der Medienmitteilung. Der Rettungsstützpunkt soll sich aber nicht nur um verunfallte Wintersportler kümmern, sondern auch alle anderen notwendigen Einsätze der näheren Region leisten.

Heim des zukünftigen Stützpunkts wird das Gebäude «Schutz und Rettung» in Begrün, wo man bereits über die notwendige Infrastruktur verfügt. Aufgrund der peripheren Lage und der begrenzten Einsätze sei ein solcher Rettungsstützpunkt aber nicht kostendeckend zu betreiben. Das Spital Thusis nimmt das finanzielle Risiko auf sich, da die Aufrechterhaltung der medizinischen Notfallversorgung oberste Priorität habe. Vor allem für den kommenden Winter konnte durch diese Massnahme die medizinische Versorgungssituation im Albulatal etwas entspannt werden. Weiter heisst es in der Medienmitteilung des Spitals Thusis, die Tätigkeit des Stützpunktes über den Winter wird im Frühling ausgewertet und dann über das weitere Vorgehen entschieden.

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(Bild: zVg.)