Ursula Bellwald spielt am kommenden Donnerstag, den 17. November, in der Werkstatt Chur. Ursula wer? Besser bekannt ist die 50-jährige Dame aus dem Wallis unter dem Synonym Sina. Im Frühling 2015 kam ihr letztes Album mit dem Titel «Tiger und Reh» heraus, welches sie immer noch als «Pärlu-Taucher»-Trio-Formation fleissig betourt. Wir hätten da aber noch ein paar Fragen.

Seit ihrem Mundart-Debütalbum «Sina» 1994 steht sie für den recht eigenständigen Walliserdialekt ein und bildet die Spitze der Walliser Musikkultur gemeinsam mit dem populären Open Air Gampel. Das sind 22 Jahre in den hohen Rängen der Hitparade, was höchsten Respekt verdient hat. Nun kommt sie wieder einmal nach Chur und beehrt die Altstadt mit einem Konzert.

Wie ist es, schon mehr als 20 Jahre erfolgreich als Sängerin zu sein?

Mein erster Soloauftritt fand in meinem Dorf Gampel statt, ich hatte meine Gitarre umgeschnallt und sang für den Mutterverein. Da war ich etwa 14 Jahre alt. Dann bin ich (neben meinem Job auf einer Genfer Bank) 10 Jahre lang mit Coversongs durch Clubs getingelt und an Dorffesten aufgetreten. Mit der ersten Mundartproduktion hat sich dann alles verändert. Die Musik wurde zum Beruf, ich hatte ein professionelles Management und eine Plattenfirma. Seit damals habe ich ca. 1’000 Konzerte gegeben und 11 Studioalben aufgenommen. Dazwischen habe ich viele Projekte mit andern Künstlern produziert.

Wenn ich das gestern und heute vergleiche, ist der Unterschied zu den 90ern schon deutlich. Die Plattenverkäufe haben sich halbiert, dadurch sind die Livekonzerte wichtiger geworden, Musik wird gestreamt oder heruntergeladen. Es gab noch nie so viele Musiker, die auf die Bühne drängen. Das Musikbusiness ist ein schnelles Geschäft und Umwälzungen gab es schon immer. Daraus entsteht auch wieder Neues, da kann man gespannt sein. Die wichtigste Konstante ist und bleibt ein guter Song. Dazu eine Geschichte, die berührt. Und das Quentchen Glück, dass das Lied die Leute erreicht. Ich habe mich immer wieder gefragt, wie ich wahrgenommen werden wollte. Absagen waren deshalb oft wichtiger, als die Entscheidung, überall stattfinden zu wollen. Meine Passion, die Musik und die Neugier auf Neues haben mich immer angetrieben. Manchmal kann ich es fast selbst nicht glauben, dass dies schon fast 25 Jahre mein Lebensmittelpunkt ist.

Ist es nicht wahnsinnig schwierig, nach einer solch langen Zeit neue musikalische Ziele sich zu stecken?

An Ideen mangelt es mir nicht. Manchmal sind sie einfach zu wenig gut oder es scheitert an der Umsetzung. Und manchmal passt alles und das Resultat stimmt. Immer besser werden in einer Sache kann eine lebenslange Aufgabe sein. Und mein persönliches Ziel.

 

Die lustigste Geschichte, die ich über dich gehört habe, ist, dass du einmal in den Charts in Holland vertreten warst. Wie kam es dazu?

Als 2008 die EM in der Schweiz stattfand, hat ein holländischer Sportsender meinen Song «Wänn nit jetz wänn dä» als Signet genommen. Daraufhin meldete sich eine Plattenfirma und das Wallisertitsch zog für ein paar Wochen in die holländische Hitparade ein (lacht). Im Netz wurde gewehrweist, was die Zeilen wohl zu bedeuten hätten, die die Leute während der EM mitsangen, bis jemand den Songtext auf holländisch übersetzte. Für eine Tour durch die Niederlande hätte ein Song wohl nicht gereicht. So bleibt mir eine schöne Geschichte.

Vor deinem Megaseller «Sina» hast du ein Schlageralbum aufgenommen. War Schlager für dich nachher nie mehr ein Thema?

Nein, obwohl ich als Teenager jeden Schlager auswendig kannte. Noch heute singe ich mit Michael von der Heide zweistimmig, was uns grad in den Sinn kommt. Diese Musik verbindet mich mit einer anderen Zeit. Das Schlageralbum war eine wichtige Entscheidung. Ich war mir danach sicher, dass meine musikalische Zukunft anderswo lag.

Du hast auch schon Songs in Hochdeutsch veröffentlicht. Hast du eine grosse Anhängerschaft im Ausland?

Wir entschieden nach den ersten Mundartalben mit unserer Plattenfirma, die passendsten Songs auf Hochdeutsch aufzunehmen. Eine etwas naive Idee, als unbekannte Künstlerin mit Songs, die thematisch in der Schweiz handeln, in Deutschland durchzustarten. Heute sieht man an Bands wie Boy, dass es wichtig ist, in Deutschland zu leben und Kontakte zu der heimischen Szene aufzubauen. Das braucht viel Zeit und Ausdauer. Und ich habe mich ganz bewusst für die Mundart und einen damit begrenzten Markt entschieden.

Du hast eine enge Beziehung zu Polo Hofer. Wie wichtig war er für deine Karriere?

Polo hat mir seinerzeit seine Schmetterband ausgeliehen für das 1. Album. Mein Produzent hatte dann die Idee, den Song «Preacher man» von Dusty Springfield auf Walliserdeutsch aufzunehmen. Die Übersetzung hat Polo gemacht, er hat es perfekt geschafft, den Song authentisch bleiben zu lassen und das Thema so umzusetzen, dass es ins Wallis passt. Nach dieser Kennenlern-Phase haben wir immer wieder Projekte zusammen gemacht.

 

Bist du oft in Graubünden, respektive wie gefällt es dir hier?

Natürlich gefällt es mir als Berglerin in Graubünden! Ich habe oft dort gespielt und vor zwei Jahren in Pontresina die 1. Augustrede gehalten. Nur zieht es mich halt schon eher auf die andere Seite Richtung Wallis, wo Familie und Freunde wohnen.

Wie gut kennst du die Bündner Musikszene?

Ich liebe die Stimme von Sergio Greco von Bündnerflaisch, mir gefallen Gimmas Reime, Ursina Giger, 77 Bombay Street und natürlich kenne und schätze ich Corin Curschellas. Ich kenne einiges nicht. Die Paralelle zum Wallis ist aber offensichtlich; es ist eine kleine Szene, die da versucht, sich Gehör zu verschaffen.

Was sind die nächsten Pläne fürs 2017?

Die «Pärlutaucher» -Tour, mit der ich mit meinen zwei Multiinstrumentalisten unterwegs bin, endet im Mai. Dann habe ich ein paar Anfragen, unter anderem ein Projekt mit Symphonieorchester und eine Filmmusik. Mal sehen, ob davon etwas zustande kommt. Vor allem aber habe ich ein paar neue Songideen, die ich nächstes Jahr unbedingt weiter verfolgen will.

 

Mehr Infos zu Sina findet ihr unter www.sina.ch. Tickets zum Konzert am Donnerstag, 17. November 2016, gibts auf der Webseite der Werkstatt Chur.

 

(Bilder: zVg.)