An welchem Bildschirm auch immer, jeder schaut irgendwie «Fernseh». Und so ist auch jeder automatisch ein Experte darin, was ins Schweizer Fernsehen gehört und was nicht. Die Diskussion wäre hinfällig, wenn nicht ein Milliarden-schwerer Billag-Subventionstopf hinter der SRF-Marke stehen würde. Dieser ist seit Monaten und Jahren Objekt der Begierde verschiedenster politischer Strömungen. Die einen wollen die Billag-Gebühren halbieren, die anderen die SRF komplett vom Quotendruck befreien. Die einen stören sich an Superstar-Inhalten und amerikanischen Serien, die andern an Philosophie-Sendungen, die nur eine Handvoll Zuschauer finden. Schliesslich geht es immer um dasselbe: Um unser Geld. Die Bevölkerung zahlt jedes Jahr Billag-Gebühren, und das nicht zu knapp: 451 Franken muss ein Privathaushalt all 12 Monate für unser Staatsfernsehen und seine x-Ableger hinlegen, ein Zwangsbetrag, den man in Zeiten von Internet und Pay-TV-Modellen nur schwer rechtfertigen kann. Es gibt tatsächlich Menschen, die nie SRF oder eines seiner Angebote nutzen – bezahlt werden muss trotzdem.

Durch die Online-Möglichkeiten hat sich SRF in den letzten Jahren neu positioniert – und die Möglichkeiten gut genutzt. Statt eines ganzen Sport-Panoramas kann man online gemütlich nur die Matchberichte anschauen, die man will. Natürlich exklusiv auch in Video, was für SRF einen enormen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Privaten bedeutet. Billag-Scheine sei Dank. Nicht, dass dies kein bekanntes Politikum wäre. Wenn SRF auf ihrer Webseite aber Berichte wie «die zehn härtesten Fouls» oder Bildergalerien mit den «verrücktesten EM-Fans von Frankreich» publiziert, geht SRF ziemlich schamlos und unverhohlen auf Konfrontation mit privaten Webportalen wie blick.ch20min.ch oder watson.ch. Versteht sich von selbst, dass diese keine Freude daran haben, dass SRF ihren Grundauftrag neu so versteht, vorbehaltlos auch in den Klick-Gefilden der Privaten herumstochern zu dürfen. Seitdem Medienministerin Doris Leuthard dem SRF-Online-Auftritt sozusagen freie Hand gewährt hat, tobt der nationale Medienkampf noch härter. Die Privaten müssen nun auch online gegen ein Unternehmen bestehen, das durch Zwangsabgaben von der Bevölkerung finanziert ist. Um der Abwanderung der Werbefranken zu Google und Facebook zu verhindern, hat sich einer dieser grossen Privaten, der Blick-Verlag Ringier, bekanntlich mit dem «Bully» SRF arrangiert und hat dafür dem Schweizer Presseverband den Rücken gezeigt.

Die Zerfallserscheinungen in der Schweizer Presselandschaft zeigen: Die Branche ist angeschlagen, aber es geht in diesen Jahren um die Vormachtsstellung, über das vorherrschende Recht an Bild und Inhalt in der digitalen Schweizer Zukunft. Die kleineren Verlage katzbuckeln mehrheitlich. Sie anerkennen mittlerweile zähneknirschend den Online-Anspruch des SRF und schielen höchstens auf ein paar (Millionen-)Krümel, die vom Milliarden-(Kuchen) der Billag-Gebühren und Konzessionen abfallen. Je nach dem, wie die Würfel fallen, könnte irgendwann ja auch online gelingen, was bei den regionalen Radio- und TV-Stationen funktioniert hat. Ein staatlicher Auftrag für die Finanzierung der regionalen Online-Berichterstattung, mitfinanziert von der öffentlichen Hand. So illusorisch dies heute vielleicht tönt, hat die SRF schliesslich bewiesen, dass sie die Medienkontrolle um jeden Preis in den Händen behalten will. Auch wenn sie die Unterstützung der mittelgrossen Verlage «kaufen» muss. Für neue Unternehmen wiederum schafft dieses System enorme Markteintrittshürden und erschwert Innovationen.

Dabei gäbe es einen einfachen Lösungsansatz, fernab vom Streit um Billag-Gebühren. Die SRF (und vielleicht auch alle anderen Verlage, die öffentliche Gelder beziehen) müssten einfach ihre Inhalte in der Schweiz zur freien Weiter-Benutzung zur Verfügung stellen. So einfach ist das. Schliesslich werden alle SRF-Produkte von der Bevölkerung bezahlt, warum soll diese nicht das Recht haben, die Inhalte auch zu nutzen? Warum sollte beispielsweise GRHeute nicht ein SRF-Video eines HCD-Matchberichts auf der eigenen Webseite einbinden oder weiter verarbeiten dürfen? Schliesslich haben auch wir die Produktion mitfinanziert. In Zeiten von Creative Commons und Social Sharing wäre eine entsprechende Verbreitung auch zeitgemäss. Passieren wird es trotzdem nicht. Warum? Weil die SRF die Fäden in der eigenen Hand behalten will. Und die offizielle Schweiz eine Medienpolitik verfolgt, die mehr Interesse für die Weiterentwicklung und den Machterhalt des Staatssenders hat als für echte Medienvielfalt.

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(Bilder: Pixabay)