Ich erwartete eine Elektroscheibe irgendwo zwischen Scooter und David Guetta, doch ich erhielt ein wundervolles Souvenir für den Sommer. Willkommen zur ausführlichen Plattenkritik von «The Butterfly EP» des Churer Elektroduos «Youth on Uppers».

Elektronische Musik sagt mir wenig. Bei Genrepositionierungen in meinen Freundschaftskreis positioniere ich mich stets irgendwo zwischen Pop, Rock und Rap. Ich als grosser Fan von Lyrik fand bisher irgendwie nie einen richtigen Zugang zu elektronischer Musik. Wann Elektro, dann bitte so wie die Liricas Analas mit Style, viel Rapattitude und gerade nach vorn.

Doch jetzt höre ich zum wiederholten Male diese Schmetterlings- EP des kongenialen Churer Duos Youth on Uppers und es berührt mich unglaublich fest. Man muss dazu vielleicht sagen, ich kenne den Sänger Tama Carigiet seit bald zehn Jahren und habe jeden seiner Karriereschritte miterlebt. Er ist mir immer ein guter Freund gewesen und vielleicht hätte ich ohne ihn nie einen Zugang zu elektronischer Musik gefunden. Danke an dieser Stelle für den Zugang zu einem interessanten und mir recht frischen Genre.

Wenn ich an elektronische oder wie ich sie auch nenne, Computermusik denke, kommt mir schnell mal die Kultband Scooter in den Sinn, die auf mich wie ein Autounfall wirkt. Man sollte zwar nicht hinschauen, doch man kann seinen Blick nicht abwenden. Immer Party to the fullest, jedoch keine bleibenden Eindrücke, höchstens bleibende Schäden am Gehör. Ich bin ehrlich: Trance, Eurodance und diese überproduzierten David Guetta Hymnen interessieren mich nicht die Bohne.

Doch die Churer Y.O.U. eröffnen mir gerade mit ihren vier Liedern «Butterfly», «More», «Love Drunk» und «Goodbye for good» einen Zugang zu elektronischen Musik. Hier klingt Elektro nicht nach Boom-Boom-Sound ohne lyrischen Inhalt. Hier streichelt sich der Sound fein direkt über meine Gehörgänge ins Herz. Der Sound ist sanft ohne belanglos zu werden. Tama’s Stimme harmoniert so homogen mit den Beats von Daniel, als ob die zwei nie ein anderes Projekt gehabt hätten und das Duo schon seit 10 Jahren betreiben würden.

Das hier passt perfekt zu meiner Ferienstimmung, holt mich aus meinem stressigen Alltag ab und lässt mich entspannen. Während «Love Drunk» definitiv sehr tanzbar ist und zu einem Clubhit werden dürfte, ist «More» eine zauberhafte Ballade, die hypnotisiert und träumen lässt.

Ich denke, der grosse Unterschied zu anderen Elektroprojekten ist hier, dass Y.O.U. es schaffen, ihre Leidenschaft für die Musik zum bestmöglichen Resultat zu formen ohne Kompromisse einzugehen. Das beste aus zwei Welten trifft aufeinander, die Leidenschaft für die Musik der Beiden wird in die Waagschale geworfen und es bleibt ein Werk, welches nicht mehr loslässt. Neben dem wunderschönen Zusammenspiel beweisst vor allem der grossartige Geschichtenerzähler Tama Carigiet auf dem Werk, das Lyrik mehr ist als irgendwelche sinnlose Silbenaneinanderreihungen wie sie beispielsweise bei einem DJ Antoine an der Tagesordnung sind.

«The Butterfly EP» ist fesselnd, entspannend und leider ein wenig kurz geraten. Dies ist aber nicht negativ gemeint, denn die vier Songs machen unheimlich viel Lust auf mehr. Die Scheibe ist ideal als Sommersouvenir und Soundtrack für lange Sommernächte geeignet. Wir sind gespannt, was dieses kongeniale Duo in Zukunft noch im Köcher haben wird.

«The Butterfly EP» kann unter https://soundcloud.com/youthonuppers
oder
https://youthonuppers.bandcamp.com/album/the-butterfly-ep gratis heruntergeladen werden.