5. Wie geht’s weiter mit dem Schweizer Football?

2016 war sicher eine der spannendsten Schweizer Meisterschaften mit einem der besten Endspiele überhaupt in der über 30-jährigen Schweizer Footballgeschichte. Neben dem sportlichen Spektakel hat sich die Szene vor allem in der Vereinen verbessert. Auch beim neuen Meister aus Bern scheint man mittlerweile zu verstehen, dass Heimspiele die beste Visitenkarte für den Klub und den Sport sind. Endlich wird bei den Grizzlies regelmässig in einem echten Stadion gespielt, es gibt eine Festwirtschaft, die mehr ist als eine Einmann-Show hinter einem Grill, dazu einen Speaker – und schon schauen sich die Leute in der sportverrückten Schweizer Hauptstadt auch Football an. Der «Blueprint» ist in Bern angekommen. Auch die Basel Gladiators und die Winterthur Warriors, zwei weitere Schweizer Traditionsteams, folgen dem Erfolgsrezept seit längerem, so dass die Schweiz mittlerweile über eine NLA-Meisterschaft verfügt, die flächendeckend soliden Sport und Unterhaltung an den jeweiligen Heimspielen bietet. Wer stehen bleibt, fällt zurück – nichts symbolisiert dies mehr als der Niedergang der Zürich Renegades, die die Zeichen der Zeit in Witikon verschlafen haben – und nächste Saison nur noch zweitklassig sind.

Für die Zukunft scheint sportlich alles offen zu sein: Meister Bern Grizzlies, die entthronten Calanda Broncos, die Basel Gladiators mit ihrem beeindruckenden Nachwuchs, die weiter positiv auffallenden Winterthur Warriors, ja selbst der überraschende Aufsteiger aus Lausanne und die neu relegierten, finanzkräftigen Geneva Seahawks scheinen nächste Saison eine Rolle spielen zu können. Mit dem Abstieg Zürichs, dem Aufstieg Genfs und dem Meistertitel Berns ist das Epizentrum des Schweizer Footballs nach Westen gerutscht.

Bleibt die Frage offen, ob die Sportart, die in Nachbarländern wie Österreich oder Deutschland regelmässig, teils beachtliche vierstellige Zuschauerzahlen mobilisiert, auch in der Schweiz in der Öffentlichkeit an Bedeutung gewinnen wird. Eine nicht unwichtige Rolle könnte die Schweizer Football-Nati spielen: Am 2. September wird sie im B-EM-Halbfinale im italienischen Lignano gegen Serbien antreten. Bei einem Sieg würde sie schon zwei Tage später im Finale auf den Sieger des Spiels Italien-Israel treffen. Der Sieger wird dann 2017 gegen Schweden oder Dänemark um die Qualifikation für die A-EM 2018 in Deutschland spielen. Eine Teilnahme im Konzert der ganz Grossen könnte dem Schweizer Footballsport – so schwierig die Qualifikation auch sein möge – nach dem Eurobowl-Sieg der Broncos 2012 einen neuen Popularitätsschub geben.

 

(Bild: Pixabay)

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