Die FA Rätia hat das Toreschiessen doch noch nicht verlernt und gewinnt ihr letztes Spiel an der WM gegen Chagos Islands 6:5.

Was für ein Spiel! Was für ein Sieg. Super-Fan Vanja (6 Jahre) erlebt auf der Tribüne ein Wechselbad der Gefühle. Zu Beginn der Partie spricht der schwedische FIFA-Schiedsrichter wieder einmal einen Penalty gegen die Räter aus. Der fünfte an dieser WM! Die Bündner lassen sich aber nicht unterkriegen. Der zum Stürmer umfunktionierte Innenverteidiger Alonso erzielt per Kopf endlich die langersehnte Torpremiere für die Räter.  Welch Geniestreich vom am Vorabend noch heiss diskutierten Trainer von Winkelried! Die perfekt getimte Vorlage per Freistoss lieferte Nevin Serki. Beim Torjubel entlädt sich der ganze Frust über den unglücklichen Turnierverlauf. Serki – in Folge der Totalumstellung neu als Innenverteidiger fungierend – sollte gleich nochmals im Zentrum des Geschehens stehen.

Neo-Stürmer Alonso wird im Strafraum gefoult – für einmal pfeift der Schiri Penalty auf der Gegenseite. Abgeklärt verlädt Serki den Torhüter von Chagos und trifft zur Führung. Doch die Insulaner sind noch lange nicht geschlagen. Ein unglücklicher Abpraller landet im Tor hinter dem Räter Schlussmann Thomas Genzo im Netz. Und es sollte noch dicker kommen. Plötzlich drehen die konditionsstarken Männer von Chagos Islands nochmals auf und  treffen kurz vor Spielschluss zum 3:2.

Es läuft bereits die Nachspielzeit, als Trainer von Winkelried, der alte Fuchs, nochmals einen Taschenspielertrick aus dem Ärmel zaubert: Völlig überraschend bringt er in der 92. Minute Altstar Luigi Datoni. Der Wechsel sendet den richtigen Impuls aus, kommt im richtigen Moment. Im aller-allerletzten Angriff schlägt Team-Senior Cornaldo den Ball in einer Verzweiflungstat in den gegnerischen Strafraum. Alonso kann mit dem Kopf verlängern und Serki den Ball irgendwie über die Torlinie drücken! Ausgleich! Die beiden sind ganz klar die Spieler des Tages. Unmittelbar danach pfeift der Schiedsrichter das Spiel ab. Statt in die Verlängerung gehts direkt ins Penaltyschiessen – ein weiteres Kapitel im nervenaufreibenden Krimi: Mehrere verdiente Bündner wie Anton Pepe scheitern an ihren Nerven. Der zuvor überragende Serki versucht einen Lupfer à la Panenka – und schiesst über das Tor. Zum Glück für die Räter sind die Insulaner ihrerseits keine grossen Penaltyschützen und vergeben reihenweise. Nachdem Grgur Girtanner seinen Versuch souverän in die hohe linke Ecke versenkte, kann der starke Bündner Goalie Thomas Genzo den letzten Penalty des Gegners parieren.

Das wars! Der erste Sieg der Steinböcke ist im Trockenen. Das Turnier wird auf dem vorletzten Rang beendet. Ein versöhnliches sportliches Ende. «Hauptsach nid Letschta!» Und: 11. an einer Weltmeisterschaft zu werden – wer kann das schon von sich behaupten?

 

(Bild: zVg.)