Eine mögliche Bündner Kandidatur für die olympischen Winterspiele 2026 muss unter Umständen mit weniger Kosten und dafür auch mit weniger Spektakel rechnen.

Die Situation ist delikat: Zum ersten Mal seit fast 20 Jahren scheinen sich der Internationale olympische Verband und die NHL nicht mehr einig zu werden. 1998 unterzeichneten die beiden Parteien einen einzigartigen Deal: Seit Nagano, Japan, bezahlt der IOC die Transport- und Versicherungskosten für die Eishockey-Stars aus der NHL. Nun hat das IOC laut einer Meldung von Sportnet entschieden, die Sonderkosten nicht mehr zu übernehmen. Das IOC spricht von 20 Millionen US Dollars, einige Quellen wie InsideTheGames sprechen von rund 34 Millionen. Das IOC befürchtet, dass in Zukunft andere Sportler ähnliche Bedingungen stellen werden, und dreht den Geldhahn zu.

Die bisherige Situation ist einzigartig, da sonst keine andere Sportart diese Sonderbehandlung erhält. René Fasel, Präsident des IIHF, ist aber überzeugt, dass diese Kosten gerechtfertigt sind. Schlussendlich sind die Eishockey-Events der einzige Mannschafts-Wettbewerb, seit der Teilnahme der NHL-Stars immer an der Spitze des öffentlichen Interesses und sorgen mitunter für die höchsten Einschaltquoten.

Die Kosten wären für die NHL nicht wirklich ein Thema. Hinter verschlossener Hand sind es andere Interessen, welche die grösste Hockey Liga der Welt skeptisch stimmt. Für die NHL gibt es viele Gründe, die gegen eine Teilnahme sprechen: Die Liga muss den (lukrativen) Spielbetrieb für drei Wochen unterbrechen und ihr Verkaufsprodukt, die Superstars, setzen sich einem Verletzungsrisiko aus. Die NHL könnte auf eine Teilnahme an den olympischen Spielen verzichten – wären da nicht die Gewerkschaft und die Spieler: Die NHLPA und die Superstars sprechen sich schon seit langem für eine unbedingte Teilnahme aus. Alexander Ovechkin von den Washington Capitals bestimmte bereits letztes Jahr, dass er auf jeden Fall an den Winterspielen 2018 teilnehmen werde, egal, wie das Abkommen zwischen der NHL und dem IOC aussehen werde.

Die NHL scheint noch eine andere Agenda zu verfolgen: Der südkoreanische Markt hat zu wenig Potential, dementsprechend gering ist das Interesse der Liga an einer Teilnahme. Anders die olympischen Spiele 2022: Die NHL hat bereits verlauten lassen, dass sie für die Spiele in Peking allenfalls offen ist. (Der chinesische Markt ist um einiges interessanter, was übrigens auch die KHL erkannt hat und nächste Saison ein Team in Peking auf die Landkarte setzt). Fasel zeigt sich von dieser Haltung aber unbeeindruckt und kommuniziert klar: «Das ist kein Restaurant, wo man wählen kann. Entweder beide Teilnahmen oder keine Teilnahme.»

Und die NHL hat für eine allfällige Absenz bereits einen Plan im Köcher, der auch eine Bündner Kandidatur beeinflussen könnte: Diesen Sommer wird der World Cup of Hockey stattfinden – der Ersatz-Events für alle Hockeyfans, die gerne im Vier-Jahres-Rhythmus die Superstars der Welt gegeneinander spielen sehen möchten. Der World Cup of Hockey ist ein Thema für ein anderes Mal, aber im Grundsatz ist es eine direkte Konkurrenz zur IIHF WM und auch zu den olympischen Winterspielen. René Fasel verneint diese Aussage im Interview mit dem Blick zwar und zeigt sich von der korrekten Seite: «Ich sehe das vollkommen anders, c’est le dessert! Das wird etwas Aussergewöhnliches, eine Show ohne die üblichen Begleitumstände und trotzdem mit den besten Spielern der Welt.»

Fasel macht es richtig, wenn er den grossen Bruder in jedem Fall unterstützt. Denn auch wenn er selbstverständlich weiss, dass der World Cup of Hockey eine Bedrohung für die grösste Einnahmequelle, die IIHF WM, ist, so gibt er sich nach aussen kooperativ mit dem grossen Player. In der Hoffnung auf eine Einigung bezüglicher der olympischen Spiele, wo er schlussendlich das bestmögliche Produkt zeigen will.

Und wenn man den Faden nun wieder zu Olympia 2026 zurückspinnen möchte und ein langfristiges Worst Case Szenario ausmalen möchte:

Der World Cup of Hockey wird ein riesiger Erfolg und endet mit einer Cinderella-Story. Die NHL wird sich mit dem IOC nicht einig, und nimmt zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten nicht mehr an den olympischen Spielen teil. Zwei Jahre später, 2020, wird die zweite Austragung des World Cup of Hockey in der Szene so stark gehyped, dass ein (Hockey)-Pendant zur Fussball-WM entsteht. Der IOC bleibt trotz Bemühungen Fasels seiner Linie treu und bestätigt, dass die NHL auch 2022 in Peking nicht teilnehmen wird. Die Bündner/Walliser/Schweizer Kandidatur 2026 gewinnt überraschend den Zuschlag und muss nun leider ohne den grössten Event der ganzen Spiele auskommen. Und während 2026 die Spiele in Graubünden stattfinden, sorgt Nino Niederreiter in der NHL mit einem Rekord für grössere Schlagzeilen als die Schweizer Nationalmannschaft.

Eine düstere, unwahrscheinliche Prognose. Und unabhängig davon, ob es 2026 vielleicht ganz anders aussehen wird, so wäre es extrem schade, wenn die NHL und der IOC sich nicht finden und die Stars 2018 in Pyeongchang, Südkorea nicht dabei wären.

 

(Bild: Daniel Goetzhaber/Gepa, EQ Images)