Der Alptraum für die Schweizer Footballszene war Mitte Juli 2015 perfekt (natürlich abgesehen von den Calanda Broncos und seinen besten Fans der Footballschweiz): Die Bündner hatten nach dem Vizemeistertitel 2014 den Meisterpokal wieder ins Bündnerland zurück geholt.

«Die Broncos sind höchstens ein mittelmässiges NLB-Team», hatte Basels Meistercoach Dwaine Wood vor der letzten Saison herausposaunt – und musste nach der Saison Kreide fressen. Die Gladiators scheiterten schon im Halbfinal an den Bern Grizzlies, die Broncos legten eine fantastische Saison hin, verloren nur ein Spiel und zogen mit dem siebten Meistertitel mit dem bisherigen Rekordmeister Zürich Renegades gleich. Angesichts der beiden europäischen Titel dürfen sich die Broncos nun «offiziell» als erfolgreichstes Team in der 33-jährigen Schweizer Football-Geschichte rühmen.

Josh Dean und Jamal Clay sind zurück

Die Bündner Footballer gewannen jedes Spiel der Saison mit mindestens 16 Punkten Unterschied. Nur ein einziges Mal patzerte die junge Broncos-Equipe: Ausgerechnet gegen den späteren Absteiger Luzern Lions verloren die Bündner im vierten Saisonspiel knapp in der Overtime.

Die Broncos wurden je länger je stärker und zeigten in Offense und Defense unter ihren neuen US-Verstärkungen Josh Dean (Quarterback) und Jamal Clay (Safety) immer komplettere Vorstellungen. Dean wurde am Ende nach einer fantastischen Saison mit 33 Pass- und 20-Lauf-Touchdowns auch die Krone des Liga-MVPs vergeben – die Broncos-Fans dürfen sich zweifellos auf eine weitere spektakuläre Saison des jungen amerikanischen Quarterbacks in Diensten der Broncos freuen.

Broncos feiern nach dem 7. Meistertitel im Juli '15 in Basel.

Broncos feiern nach dem 7. Meistertitel im Juli ’15 in Basel.

Am Ende hatten die Bündner letzte Saison durchschnittlich 41,5 Punkte pro Spiel erzielt und nur 15,5 pro Spiel erhalten. Im Final wurde «Lieblingsgegner» Bern Grizzlies mit 49:21 auf den zweiten Platz verwiesen – die Grizzlies, die am Ostermontag um 14 Uhr zum Season Opener an der Churer Ringstrasse antreten werden.

Als heimliche Stars der letzten Saison konnten sich die jungen einheimischen Bündner freuen, die die Lücken souverän füllten und Leader-Qualitäten zeigten. Allein Lukas Lütscher und Adrian Sünderhauf skorten je 14 Touchdowns, dazu kamen 9 Scores des jungen Running Backs Orlando Frehner.

Knappe Niederlage in Polen

Die Saisonvorbereitung glückte ziemlich gut, auch wenn ein Testspiel in Polen gegen die Wroclaw Panthers knapp mit 27:35 verloren ging. Broncos-Headcoach Geoff Buffum sagt auf der Broncos-Webseite: «Ich bin stolz auf den gezeigten Einsatz meines Teams in der zweiten Halbzeit. Insbesondere, darüber, dass wir uns als Team gesteigert haben. Dieser Trip nach Polen war grossartig für unseren Teamspirit. Ich weiss, dass unsere Spieler von den Fehlern lernen und nächste Woche ‘hungrig’ sein werden noch besser zu spielen.»

Randnotiz: Die Broncos standen 2015 zum 10. Mal in Serie in einem Schweizer Final: 2006 und 2007 noch im NLB-Final, ab 2008 bis heute im Swiss Bowl der höchsten nationalen Liga. Die 7-3-Bilanz – darunter 6-2 in den Swiss Bowls – kann sich sehen lassen (die beiden in dieser Zeitspanne gewonnenen europäischen Titel nicht einrechnet).

Schwer einschätzbare NLA

In der Saison 2016 – der 25. in der Klubgeschichte – finden sich die Broncos in einer bekannten Rolle wieder: Nach einem Jahr in der Rolle des Jägers werden sie nun wieder selbst von der Schweizer NLA gejagt. Die Ausgangslage scheint – ähnlich wie 2015 vor Saisonbeginn – ziemlich offen: Die Broncos gehören als amtierende Meister naturgemäss zum engsten Favoritenkreis. Auf dem Papier ebenbürtig sind die entthronten Basel Gladiators und Vorjahresfinalist Bern Grizzlies. Auch den Zürich Renegades wird der Anschluss ans Spitzentrio wieder zugetraut. Als Aussenseiter starten die Winterthur Warriors und Aufsteiger Lausanne Owls in die Saison.

Ring

Football kommt am Ostermontag an die Churer Ringstrasse zurück.

 

(Bilder: GRHeute)

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