Er sait, si sait mit zwei unterschiedlichen Perspektiven zu «Taharrush gamea».

 

Zehn Tage sind die gemeinschaftlichen Grapsch-Angriffe in verschiedenen deutschen und europäischen Städten nun schon her. Und noch immer sind wir irritiert. Irritiert, über das Ausmass der Übergriffe. Irritiert darüber, dass sich die Verantwortlichen so lange gewunden haben, bis sie eingestanden, dass Migranten und Asylsuchende die Täter waren. Irritiert, dass die Sex-Angriffe in einigen arabischen Ländern ein bekanntes Phänomen mit eigenem Namen ist. Taharrush gamea. Gemeinschaftliche sexuelle Belästigung. Irritiert, was das Ganze überhaupt soll.

Kann dies eine mehr oder weniger zufällige Gegebenheit sein, dass genau dasselbe Phänomen in derselben Nacht in verschiedenen Städten auftritt? Etwas, das in Europa zuvor völlig unbekannt war? Machen wir uns nichts vor: Wenn in der Schweiz meist Alkoholisierte dem weiblichen Geschlecht im Ausgang zu nah kommen, ist das etwas ganz anderes. Sie bedrängen ihre Opfer nicht in einer Gruppe und lassen sich im Normalfall auch leicht abwimmeln. Natürlich ist das immer noch demütigend und nervig, aber es ist auf jeden Fall harmloser als die Gruppenangriffe in der Silvesternacht, die in Einzelfällen zu Vergewaltigungen führten.

Wir sprechen hier von einer ganz anderen Dimension. Wir sprechen von jungen Männern, die das ganze Leben in einem anderen Wertesystem aufgewachsen sind. Die teilweise aus Regionen stammen, in denen sie gelernt haben, dass Frauen minderwertig sind.

In Skandinavien und Belgien müssen Asylsuchende in Einführungskurse, wie man bei ihnen mit Frauen umgeht und wie sie sich zu verhalten haben. Die ersten Resultate sind positiv. Aber einfach ist das nicht: Wer ein Leben lang auf eine Art sozialisiert worden ist, kann diese Grundhaltung nicht einfach mit einem Kurs wegfegen. Aber immerhin: Es ist ein Anfang.

Was Europa und die Schweiz nicht braucht, ist ein Schönreden der realen Zustände. Es braucht viel Arbeit bei den Integrationswilligen und eine harte Hand gegenüber den Kriminellen.

Die Frage, wie koordiniert und mit welchen wirklichen Intentionen die Aktionen in der Sylvesternacht passierten, wird die Behörden noch eine Weile umtreiben. Die Gruppen-Belästigungen verhöhnen aber auf jeden Fall unser Wertesystem und decken einmal mehr auf, wie angreifbar es ist.

Werte eines Landes zu verhöhnen, in das man selbst geflüchtet ist und das sich um einen kümmert, ist bösartig und dumm. Wir können nicht akzeptieren, das uns dies mit einem Lächeln um die Ohren geschlagen wird. Wer es nicht schafft, sich den Gesetzen und Sitten des Gastgebers anzupassen, verwirkt sein Bleiberecht.

 

(Bild: Screenshot Youtube – Sylvesternacht in Köln)