Was kann man noch erzählen über den Schellenursli? Die Geschichte kennt jedes Kind. Xavier Koller hat es dennoch versucht und einen wunderbaren Streifen hingelegt.

Samstagabend, 22 Uhr, Bahnhof Chur. Martin Rapold, einer der Hauptdarsteller im Schellenursli-Film, stromert am Bahnhof umher. Zuerst schaut er auf den Fahrplan, danach kauft er sich ein Billet. Wahrscheinlich nimmt er den 22.16-Uhr-Zug, der letzte, der noch direkt ohne Umsteigen nach Zürich fährt.

Stunden zuvor hatte er erst die Erstaufführung, dann die Welturaufführung im Churer Kino Apollo besucht. Rapold spielt im Schellenursli den Vater von Uorsins Freundin Seraina. Seraina ist die von Uorsin, die ebenso wie Schellenurslis Erzfeind Ramon zum neu erfundenen Cast gehört.

Die Story, wie sie Alois Carigiet erfunden hat, blieb dieselbe. Nur – damit lassen sich keine 100 Minuten füllen; eine Wanderung in ein Maiensäss dauert für gewöhnlich Stunden oder man kann mit dem Auto vors Haus fahren, also wäre ein Marsch ins Maiensäss in Echtzeit eh flach gefallen. Mal von der Spannung abgesehen, die so eine Wanderung mit sich bringt.

Die Story, wie sie Xavier Koller erfunden hat, ist eine Mischung zwischen Abenteuer, Detektivgeschichte, Pferdeflüsterer und Heimatroman. In wunderschönen Unterengadiner Bildern erzählt, wie sie auch Alois Carigiet niemals hätte zeichnen können. Auf jeden Fall lohnt sich der Besuch für alle – für Grosse ebenso wie für Kleine. Nur Angst vor Wölfen dürfen sie nicht haben.

 
 
Kinostart am 15. Oktober.

 

(Bild: Die Schauspieler werden am Samstagabend an der Welturaufführung im Apollo Chur ausgezeichnet.)