Eine wöchentliche Hockey Kolumne mit den zehn allerwichtigsten Meldungen der Woche. (Ein Ranking, das man nicht zu erst nehmen sollte.)

 

10. EHC Arosa Saisonstart. Naja.

Arosa startet so in die neue Saison, wie die letzte aufhörte. Ein guter Auftritt, viel Chrampf, aber schlussendlich einfach nicht genug, um den Sieg heimzufahren. Mit 37 Strafminuten ist das auch relativ schwierig, obwohl das Penalty Killing der Schanfigger lupenrein blieb. Ein Doppelschlag in der 25. Minute (zwei Tore innert 15 Sekunden!) brach Arosa schlussendlich das Genick.

Eigentlich hätte hier die legendäre Reaktion von Jaromir Jagr stehen sollen, aber wir geben Arosa jetzt (noch) den Heimbonus. (Zur Erklärung: Jagr hatte einen One-Night-Stand, die Dame schoss danach ein Selfie, während Jagr schlief, und versuchte dann, ihn damit zu erpressen. Seine Reaktion: I don’t care.)

9. Die Tücken der Penalty Box

Niklas Burström musste in der swedischen Elite Serien auf die Strafbank und war hässig. Gott straft die kleinen Sünden sofort.

 

 

8. Samuel Walser

Samuel Walser bucht letzte Woche zweimal – und die Sprüche folgen. Dabei wird Walser zu Unrecht kritisiert, erfüllt er doch mehrheitlich die Rolle, die damals Sandro Rizzi zum Fan-Liebling machte. Walser hat bisher sehr ähnliche Karriere-Werte wie der Engadiner damals (im Schnitt 10-15 Punkte), und diese Saison könnte seine beste werden. Der Oltener im Diensten des HCD ist oftmals unterschätzt und könnte noch eine lange und erfolgreiche Karriere als Defensiv-Stürmer feiern. Wird Walser diese Saison die 25-Punktegrenze knacken?  

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7. Auston Matthews

Dafür wird um einen anderen Spieler einen Riesenhype gemacht: Auston Matthews. Matthews hier, Matthews da. Nach genau zwei Spielen. Zugegeben, der Ami wirkt dominant. Sein Spiel beim Zett wirkt mühelos, obwohl er zwei Takte schneller spielt als die Gegner. Der Schweizer NHL-Scout Thomas Roost war im Interview dementsprechend euphorisch. Die Frage stellt sich: Kann der 17-jährige Matthews die Erwartungen, die nach den ersten Auftritten noch höher geworden sind, erfüllen? Schlussendlich ist er nicht hier, um zu skoren, sondern um seine eigene Entwicklung voran zu treiben. Es ist ja wahnsinnig, wenn ein Teenager bei seinem ersten Penalty bereits Standing Ovations erhält und als Messias gefeiert wird. Auf den Social-Media-Kanälen ging sein erstes Tor innert wenigen Minuten um die Welt. Es bleibt spannend, und seine Saison könnte wegweisend für die Zukunft sein: Schlägt Matthews ein und wird danach im Draft als Nummer 1 gezogen, dann werden bald weitere nordamerikanische Talente folgen. Die NLA könnte zu einer Talentschmiede für Spieler werden, die sich bereits an das nordamerikanische Spiel gewöhnt haben, aber noch Arbeit im technischen Bereich brauchen. Sprich: Der gegenteilige Weg, den Timo Meier oder Nino Niederreiter gegangen sind.

6. NHL: Training-Camps

À propos Niederreiter: Letzte Woche haben in der NHL die Training-Camps begonnen und die Schweiz kann einen neuen Rekord verzeichnen. Insgesamt 20 Eidgenossen versuchen den Sprung in die beste Liga der Welt, so viel wie noch nie. Ich tippe, dass mindestens 12 Schweizer Spieler regelmässig zum Einsatz kommen werden. Ein ausführlicher Bericht dazu folgt.  

5. Lust auf Wetten?

Wenn wir schon in Nordamerika sind: Die ersten Quoten für die NHL wurden veröffentlicht. Gemäss den Buchmachern haben sich die Chancen von Ninos Wild leicht verschlechtert gegenüber der Vorsaison. Die sicheren Tipps sind nebst den Chicago Blackhawks die Anaheim Ducks, die Tampa Bay Lightning und (komischerweise) die New York Rangers und Los Angeles Kings. Wer gerne auf Risiko spielt, setzt auf Hillers Calgary Flames (28:1). Wer Illusionen hat, setzt sein Geld auf die Arizona Coyotes (150:1).  

 

Ok, zurück in die Schweiz:

4. Ambühl gewinnt den Oscar, den Nobelpreis und den Prix Walo

Hab’s ja gesagt, der Büali stellt die Konkurrenz bei den Awards in den Schatten. Reto von Arx wurde übrigens auch geehrt, das veranlasste Johni auf 20min zum Kommentar der Woche:

 

Ohne Reto werden die Steinbockschiggen mit dem Oberlaveri als Trainer nie mehr Meister.

Danke Johni.

 

3. Davos Nummer 1 im Strafen sammeln und Boxplay spielen

Letzte Woche hab ich Dino Wieser für seine Strafen kritisiert, und diese Woche rächt sich der Kübliser mit drei Skorerpunkten und zeigt seine Qualitäten. Touché. Trotzdem ist es interessant, die Strafenstatistik des HCD mal genauer anzuschauen:

HCD hat das zweitbeste Penalty Killing der Liga (85%)

HCD hat am zweitmeisten Unterzahl-Situationen in der Liga (26)

HCD hat das schlechteste Strafenverhältnis der Liga (-8)

HCD hat am zweitwenigsten Powerplay Chancen der Liga (18)

HCD hat das zweitschlechteste Powerplay (17%)

 

2. Und wie sieht es über die ganze National League A aus?

Lugano hat das beste +/–Strafenverhältnis (+6)

Genf hat die besten Special Teams (79% PK + 42% PP)

Lausanne, Ambri und Kloten haben die schlechtesten Special Teams

Ambri hat das schlechteste +/–Strafenverhältnis (-5)

Lausanne ist nach 19 Powerplays noch ohne Tor (0%)

Kloten hat das schlechteste Penalty Killing (58%)

Das Ganze ist nach fünf Spielrunden natürlich überhaupt noch nicht aussagekräftig, nichts desto trotz ist das Davoser Unterzahlspiel wie so oft ganz vorne anzutreffen und hat bisher einen vorzüglichen Job gemacht.

 

1. EHC Chur: Saisonstart total

Was für ein Start! Der EHC Chur, der übrigens seit dieser Saison das (unnötige) «Capricorns» nach einer Dekade wieder aus dem Namen gestrichen hat, dominiert den Saisonauftakt in der 1. Liga Ost und gewinnt zu Hause gegen den Auftsteiger klar mit 5:0. Zwei Sachen sind hierbei heraus zu heben:

Leon Sarkis feiert im ersten Spiel gleich einen Shutout. Der junge Torhüter war bereits letzte Saison einer der stärkeren Goalies in der 1. Liga, und er scheint auch dieses Jahr in Form zu sein. Ein guter Rückhalt im Torhüter ist die Basis für einen Sturm auf den Thron…

…denn der EHC Chur ist seit ca. zwei Jahren in einem Aufwärtstrend. Das Team aus der Hauptstadt hat sich kontinuierlich verbessert, verfügt über alle wichtigen Rollen, die es in einem erfolgreichen Team braucht, und hat sich mit dem jungen Däscher (von Prättigau-Herrschaft) und dem alten Peer (Rückkehrer von Pikes) ideal verstärkt. Es hilft, dass der ärgste Widersacher EHC Winterthur letzte Saison aufgestiegen ist, und so muss man es nicht mehr hinter versteckter Hand sagen: Chur hat das Zeug zum 1.-Liga-Champ und könnte endlich wieder in die NLB aufsteigen. Es ist noch ein sehr weiter Weg, aber ich hoffe und glaube, dass der EHC das packen wird.

 

(Bilder: Tatiana Scolari, Melanie Duchene/EQ Images)