Andres Ambühl ist momentan der HCD Fan-Liebling. Zuvor waren es Spieler wie Beat Equilino, Gian-Marco Crameri, oder Magnus Svensson. Wer noch etwas älter ist, erinnert sich an Fausto Mazzoleni, Ron Wilson oder Lance Nethery. Grosse Namen in der Davoser Geschichte. Einer geht oft vergessen: Kelly Kisio. Der Kanadier, der nur eine Saison beim HCD spielte. Während einer Zeit, als (Verteidiger) Ron Wilson die Nummer 1 in der Skorerliste und in den Herzen der Fans war.

Was Kisio so speziell macht: Von den Lockouts mal abgesehen, ist es höchst selten, dass ein NHL Star in der Schweiz spielt. Normalerweise landen Kanadier nach ihrer Nordamerika-Karriere in der Schweiz, nicht vorher. Kisio hatte damals eine starke Juniorenkarriere in Kanada. Aufgrund von unglücklichen Umständen erhielt er aber nirgends einen NHL Vertrag. So entschied er sich kurzerhand, ein Zwischenjahr in der Schweiz zu spielen. In 38 Spielen für den HCD sammelte er 87 Punkte (49 Tore). Nach einer Saison in Davos erhielt der damals 23-Jährige Kisio einen Vertrag bei den Detroit Red Wings.

Kelly Kisio hatte danach eine illustre Karriere in der NHL, spielte 13 Saisons (761 Spiele) und skorte 658 Punkte (229 Tore) für die Red Wings, die San Jose Sharks, die Calgary Flames, und die New York Rangers, wo er während vier Saisons der Team Captain war. 1993 wurde er ans All-Star Game eingeladen. Kelly genoss in der NHL den Ruf des Teamleaders, Spielmachers, Checkers und Chrampfers. Er scheute sich auch nicht, die Fäuste sprechen zu lassen. Ein Fan-Liebling.

Kisio Rangers photo KisioRangers1.jpgGanz anders seine Zeit in der Schweiz: Beim HCD war Kelly Kisio ein Sniper. Und insbesondere ein Heimspiel verhalf ihm zu diesem Image.

Das zweitletzte Spiel der Saison 1983 ging in die Geschichte ein. Davos empfing den HC Lugano, das Spiel endet in einem der höchsten Schützenfeste der letzten 35 Jahre. Der HCD gewann 19:7. Kelly Kisio war dabei der Magier – mit 8 (!) Toren und 2 Assists schoss er die Luganesi praktisch im Alleingang ab. Drei Tage später kam das Angebot von Detroit – und Kelly Kisio war weg.

Kelly Kisio ist einer der wenigen Spieler, die nach ihrem Auftritt in der Schweiz eine brilliante NHL-Karriere erleben durften.

Der Erfolg ging auch neben dem Eis weiter. Der Kanadier war während 17 Jahren höchst erfolgreich Coach und General Manager der Calgary Hitmen und gewann unter anderem zweimal den WHL Executive of the Year Award (oben im Bild mit dem Award 2009).

Mittlerweile amtet der 56-Jährige als President of Hockey Operations bei den Hitmen und gilt in Calgary als Ikone des Junioren-Eishockeys.

 

Kisio Red Wings photo KisioRedWings.jpgGR Heute: Zuerst einmal herzliche Gratulation, Kelly, zum Geburtstag, ich hoffe du konntest ihn entsprechend mit der Familie feiern.

Kelly Kisio: Vielen Dank, ja, ich bin mittlerweile Grossvater von sechs Enkeln. Drei Jungen, drei Mädchen, alle unter 5 Jahre alt. Da wird es hektisch, wenn alle zur gleichen Zeit zu Besuch kommen.

Du warst 1982/83 für eine Saison in Davos, erinnerst du dich?

Aber klar. Wir haben unsere Zeit damals sehr genossen. Wir liebten Davos, die Fans, die Bevölkerung. Es war eine sehr schöne Zeit.

Du hast mit Ron Wilson, den Soguel-Brüdern und vielen anderen gespielt. Hast du noch Kontakt zu deinen damaligen Mitspielern?

Ron hab ich ab und zu gesehen, als er damals in der NHL coachte. Das ist aber auch schon eine Weile her. Serge Soguel hab ich vor ein paar Jahren in Ann Arbour in Michigan getroffen. Er coachte damals eine Schweizer Juniorenauswahl und ich war als Scout unterwegs. Ich habe gehofft, ich könne ihn dazu kriegen, uns ein paar Tage in Calgary besuchen zu kommen. Leider klappte es damals nicht.

Was ist der schönste Moment, wenn du an die Zeit an Davos zurück denkst?

Keine Frage, die Geburt meines Sohnes Brent. Wir waren seither leider nicht mehr in Davos, aber ich möchte ihm unbedingt zeigen, wo er zur Welt kam. Ich bin sicher, es würde ihm in der Schweiz sehr gut gefallen.

Folgst du dem HCD oder dem Schweizer Eishockey?

Nicht wirklich, aber ich schaue mir jedes Jahr den Spengler Cup am Fernsehen an. Ich liebe es, diese wunderschöne Arena zu sehen.

Damals, 1983, hat der HCD ein Spiel mit 19:7 gewonnen, nur ein paar Tage, bevor du in die NHL aufbrachst. Dein Auftritt wurde zum Mythos, und je nach Matchblatt und Aussage heisst es, Kisio habe zwischen 7 und 10 Toren erzielt. Erinnerst du dich an dieses Spiel?

Das ist lustig. Ich werde immer wieder darauf angesprochen, gerade vor ein paar Tagen hat mich ein Reporter dazu befragt. Aber ich muss ehrlich sagen, ich erinnere mich praktisch nicht mehr. Ich musste ihm leider sagen, dass ich ihm bei der Recherche nicht weiterhelfen kann.

Du erinnerst dich nicht an ein Spiel mit so vielen Toren?

Sorry, nein. Das ist schon so lange her.

Es waren 8 Tore und 2 Assists.

Ok.

In der Schweiz warst du ein Topskorer, in der NHL hattest du eine härtere Rolle. Trotzdem warst du immer einer der Top-5-Skorer in deinem Team. Wie würdest du deinen Stil selbst beschreiben?

Die NHL ist eine wirklich hochstehende Liga, und man muss seinen eigenen Weg finden und sein eigenes Spiel so gestalten, das es einen erfolgreich macht. Ich musste in der NHL so spielen, um überleben zu können. Das Spiel ist so viel physischer als in der Schweiz.

Wie unterschiedlich war es, in der Schweiz zu spielen?

Ein grosser Unterschied. Mehr Platz, mehr Raum, um etwas zu kreieren. Ein komplett anderes Spiel. Das ist mitunter auch ein Grund, wieso mein Spiel so unterschiedlich war.

Letzte Frage: Du hattest eine eindrückliche Karriere, auf dem Eis und neben dem Eis. Rückblickend, was war das Highlight deiner Karriere?

Wahrscheinlich gleich mehrere Highlights: Mein erstes NHL-Spiel war sehr speziell. Im NHL-Allstar-Game zu spielen war grossartig. Aber auch der Aufbau der Calgary Hitmen zu einem der prominenten Junior-Teams in Kanada erfüllt mich sehr.

Vielen Dank Kelly für das Interview und nochmals Happy Birthday.

Danke. Grüsse in die Schweiz und an alle HCD-Fans.

 

Kelly Kisio Statistik

 

(Bild: Brad Watson/Calgary Hitmen)